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rafael mörgeli

Linker Jungpolitiker Mörgeli: «Ich würde mich freuen, wenn ich den Namen ‹Mörgeli› mehr mit meinen Werten, als denen meines Onkels füllen könnte.»
bild: zvg

Interview

Mörgeli-Neffe als einziger Juso gegen Fehr-Strafanzeige: «Zu sehr auf den Mann gespielt!»

SP-Jungpolitiker Rafael Mörgeli war dagegen, dass die Juso SP-Regierungsrat Mario Fehr anzeigt. Sein prominenter Onkel Christoph Mörgeli gratuliert ihm dazu auf Twitter. Mörgeli Junior über die Affäre Fehr, sein Verhältnis zu seinem Onkel und seine politische Karriere. 



Herr Mörgeli, Ihr Onkel gratuliert Ihnen auf Twitter zu Ihrem Verhalten in der Affäre Juso-Fehr. Nervt Sie das? 
Rafael Mörgeli: (lacht) Ach was, das ist doch nett!

Trotzdem, Ihr Onkel instrumentalisiert Ihre Haltung in der Affäre ein bisschen, um zu suggerieren, Sie würden sich vom politisch linken Spektrum weg bewegen. Das stört Sie gar nicht? 
Hm. Nein, ich nehme das sportlich. Natürlich unterstützt mein Onkel jede meiner Entscheidungen, die mich von der Juso entfernt. Aber ich würde ja bei ihm dasselbe tun (lacht).

Sind Sie tatsächlich aus der Juso ausgetreten? 
​Ich bin nicht aus der Juso ausgetreten, habe aber das Amt als Sekretär abgegeben. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Juso Mario Fehr angezeigt hat. Ich bin jetzt Präsident der SP Stäfa. Ich habe für die Juso als Sekretär die Nationalratswahlen koordiniert und administrativ begleitet. Nach ihrem Abschluss war ein guter Zeitpunkt das Amt einer sehr guten Nachfolgerin zu übergeben.

Warum waren Sie dagegen, Mario Fehr, der angeblich illegal einen Staatstrojaner angeschafft hat, anzuzeigen? 
Ich habe mich bei dieser internen Abstimmung als einziger enthalten. Ich finde Fehrs Aktion zwar auch stossend, aber ich hätte das Problem lieber auf dem politischen als auf dem rechtlichen Weg behandelt. Mit dieser Anzeige wird sehr auf den Mann gespielt, was ich nicht optimal finde für politische Diskussionen. 

Fehr war sehr beleidigt.
Ja, die Strafanzeige hat eine politische Kritik zu einem persönlichen Angriff gemacht. Das finde ich nicht gut. Ausserdem ist es nicht das wirksamste Instrument. Der Kantonsrat, respektive seine Geschäftsleitung, müsste Fehrs Immunität aufheben. Das wird sie nicht tun. Eine Mehrheit im Kantonsrat findet die Beschaffung von Staatstrojaner rechtlich unproblematisch.

Zur Person 

Rafael Mörgeli trat 2010 der Zürcher Juso bei und amtete dort zunächst als Sprecher der Stadtsektion und dann als kantonaler Sekretär. Letzten Mittwoch gab er seine Ämter ab. Der 22-Jährige ist Chef der SP-Ortspartei in Stäfa. Er studiert Geschichte und Anglistik. (rar)

So wie Ihr Onkel. Kommen Sie mit Christoph Mörgeli klar? 
Ja. Ich schätze ihn privat. Wir haben ein ganz normales Verhältnis, ich sehe ihn nicht allzu oft.

Die Familienfeiern dürften aber etwas angespannt sein, nicht?
Überhaupt nicht. Wir sprechen nicht über Politik. Er hält das auch so. Wahrscheinlich weil wir uns gegenseitig sowieso nicht überzeugen könnten. Wir haben genug andere Themen. ​

Also trotz politischer Uneinigkeit, keine Feindschaft? 
Nein. Bis jetzt bewegten wir uns ja auf völlig verschiedenen politischen Ebenen – er auf nationaler, ich auf kantonaler Ebene. ​

Hat Herr Mörgeli seine Abwahl aus dem Nationalrat schwer getroffen? 
Das müssen Sie ihn selber fragen.

Denken Sie, Sie können in ihrer Politkarriere von Ihrem berühmten Namen profitieren?
Ja, das denke ich schon. Aber dieser Name muss ja auch mit Inhalt gefüllt werden. Ich würde mich freuen, wenn ich den Namen ‹Mörgeli› mehr mit meinen Werten, als denen meines Onkels füllen könnte.

Wollen Sie eine politische Karriere machen? 
​Also einen Fünfjahres-Plan habe ich nicht. Aber bis jetzt finde ich es sehr spannend und habe Spass daran. Ich übernehme gerne Ämter, von denen ich denke, dass ich sie gut machen kann. Ich habe aber auch kein Problem, wenn ich denke, jemand anderes kann sie besser. Ich mache einen Schritt nach dem anderen. 

Was ist Ihnen politisch wichtig? 
Ich setze mich für eine starke öffentliche Bildung, mehr Demokratie in Wirtschaft und Gesellschaft sowie für ein solidarisches Gesundheitssystem ein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • JasCar 03.11.2015 15:29
    Highlight Highlight und plötzlich scheint ein "Mörgeli" in der Politik gar nicht mehr so schlimm... may the force be with you, young Mörgeli!
  • TanookiStormtrooper 03.11.2015 14:40
    Highlight Highlight Scheint ja ein ganz vernünftiger Mörgeli zu sein.
    Wer von den beiden wohl das schwarze Schaf in der Familie ist... ;)
  • Knuddel 03.11.2015 14:21
    Highlight Highlight Symphatischer Typ. Bitte mehr davon.
    • Rafaela Roth 03.11.2015 14:47
      Highlight Highlight nicht wahr?! ist er wirklich!

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