Schweiz
Justiz

Sanija Ameti: Prozess in Zürich zieht prominente Zuschauer an

Sanija Ameti, ehemalige Praesidetin der "Operation Liberto" und ehemaliges Mitglied der GLP, rehcts, erscheint mit ihrem Anwalt zum Prozess am Bezirksgerich Zuerich am Mittwoch, 28. Januar 2 ...
Sanija Ameti läuft mit ihrem Anwalt zum Bezirksgericht Zürich.Bild: keystone

Prozess gegen Sanija Ameti – Verteidigung spricht von Auswirkungen ihres Kriegstraumas

28.01.2026, 13:2628.01.2026, 13:26

Am Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch der Prozess gegen die frühere GLP-Politikerin Sanija Ameti begonnen. Sie steht vor Gericht, weil sie auf ein Bild mit Maria und Jesus geschossen hatte. Der Prozess zieht unzählige Zuschauer an.

Neben Ameti und ihrem Anwalt sind über zwanzig Zuschauerinnen und Zuschauer anwesend, welche die Politikerin wegen ihrer «Schiessübung» angezeigt hatten. Darunter sind Massvoll-Präsident Nicolas Rimoldi sowie Nils Fiechter von der Jungen SVP. Im Publikum sitzen auch viele «gläubige Christinnen und Christen».

Wegen Störung der Glaubensfreiheit fordert die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse über 2500 Franken. Das Urteil dürfte noch am Mittwoch eröffnet werden.

Ameti hat bei der Befragung jegliche Aussagen verweigert. Der Richter verzichtete deshalb darauf, seinen Fragenkatalog vorzulesen.

Saija Ameti auf Instagram
Sanija Ameti veröffentlichte auf Instagram dieses Bild.Bild: instagram/sanija.ameti

Staatsanwalt glaubt Ameti nicht

Der Zürcher Staatsanwalt, der Anklage erhoben hat, glaubt der Version der Beschuldigten nicht. Sie hatte in der Befragung angegeben, dass sie nicht gemerkt habe, dass sie auf Maria und Jesus geschossen habe.

«Wer's glaubt, wird selig», sagte der Staatsanwalt am Mittwoch in seinem Plädoyer. «Sie muss doch die Gesichter von Maria und Jesus gesehen haben, nicht nur eine Ansammlung von Farben.» Ameti habe von Anfang an geplant, einen solchen Post auf Instagram zu stellen. Das sei eine krasse Provokation ohne klaren Beweggrund gewesen.

Der Staatsanwalt verurteilte zwar den «Shit-Hurricane», mit dem Ameti nach ihrem Instagram-Post konfrontiert war. Er kritisierte auch, dass die Politikerin «wegen ein paar geistiger Tiefflieger» unter Polizeischutz habe gestellt werden müssen. «Aber auch Frau Ameti muss sich ans Gesetz halten.»

Dass Ameti ihr Bedauern äusserte und öffentlich um Entschuldigung bat, liess der Staatsanwalt nicht gelten. «Echte Reue zeigte sie nicht.» Sie habe lediglich gemerkt, dass sie zu weit gegangen und ihr politisches Fortkommen gefährdet sei.

Das fordert die Verteidigung

Der Anwalt von Sanija Ameti hat am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich einen Freispruch gefordert. Ametis Schüsse seien kein Angriff auf die Überzeugungen anderer gewesen, sondern eine Auswirkung ihres Kriegstraumas.

Die Schüsse auf das Bild mit Maria und Jesus hätten das Ziel gehabt, «sich aus der Sackgasse des Schmerzes zu befreien», sagte der Anwalt. Das habe nichts mit Blasphemie zu tun gehabt.

«Sie geriet in einen Zustand, in dem sie nur noch mechanisch handelte.»

Im Bosnien-Krieg wurde Ametis älterer Bruder vor ihren Augen getötet. Dreissig Jahre lang habe sie mit niemandem darüber geredet, sagte der Anwalt. Nach dem Instagram-Post habe sie erstmals mit ihrer Mutter darüber geredet.

Klaeger Nils Fiechter, Praesident der Jungen SVP, rechts, erscheint zum Prozess gegen Sanija Ameti am Bezirksgericht Zuerich am Mittwoch, 28. Januar 2026 in Zuerich. Nach einem Instagram Post, auf dem ...
Kläger Nils Fiechter, Präsident der Jungen SVP, erscheint zum Prozess.Bild: KEYSTONE

«Verfahren wird für andere Zwecke missbraucht»

«Es gibt keinen Beweis, dass sie den öffentlichen Frieden gefährdet hat», sagte der Anwalt. Hingegen sei es offensichtlich, dass das vorliegende Verfahren für andere Zwecke missbraucht wird. «Man muss sich nur die Liste der Anzeigeerstatter ansehen.» Diesen, etwa der Jungen SVP oder Massvoll, gehe es um das Thema Remigration, also dass jemand dorthin zurückgehe wo er oder sie herkomme. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen Störung der Glaubensfreiheit eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 100 Franken sowie eine Busse über 2500 Franken. (sda)

Weitere Informationen zum Prozess folgen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
188 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Cundwiramurs
28.01.2026 10:10registriert März 2025
Das Schlimme an der Sache ist, dass ein Teil der Ankläger, wie "Mass voll" und JSVP beileibe keine Lämmchen sind und und sich jetzt empört geben.
17764
Melden
Zum Kommentar
avatar
ABWESEND
28.01.2026 10:33registriert September 2024
ok scharenweise Zuschauer, 20 Stück, darunter Nicolas Rimoldi, Nils Fiechter und religiöse Fundis.

also alles Leute, die offensichtlich zu viel Zeit haben und total irrelevant sind.
529
Melden
Zum Kommentar
avatar
Amadeus
28.01.2026 10:28registriert September 2015
Art. 261 StGB Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit...
Wenn es der ideologischen Sache hilft, entdecken verurteilte Straftäter wie Rimoldi und Fiechter ihre religiöse Seite.
4910
Melden
Zum Kommentar
188
Gen‑Z‑Parlamentarier fordert Alkohol-Limite für Abgeordnete – und sticht in ein Wespennest
Vormittags Wein trinken, nachmittags debattieren: Im Kanton Waadt wird über den schweizweit ersten Promillegrenzwert für Abgeordnete debattiert. «Lächerlich», findet ein Winzer.
«Das hat mich wirklich schockiert»: Als Oleg Gafner jüngst im Waadtländer Kantonsparlament an der Buvette einen Kaffee holte, habe er bemerkt, dass an zwei Tischen Wein getrunken werde, erzählt der grüne Politiker. Es sei 10.30 Uhr gewesen. «An beiden Tischen sassen jeweils sechs bis sieben Personen, und es standen mehrere Flaschen Wein auf dem Tisch.» Über Politik hätten die Abgeordneten nicht gesprochen, sagt der 24-Jährige, obwohl sie mit Sitzungsgeldern bezahlt würden.
Zur Story