Schweiz
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«Eine Magersüchtige»: Oberster Richter äussert sich abfällig über Richterkollegin



Ausgerechnet am Rande einer Untersuchung wegen mutmasslichem Mobbing und Sexismus am Bundesstrafgericht hat sich Bundesgerichtspräsident und Aufsichts-Mitglied Ulrich Meyer abfällig über eine Bundesstrafrichterin geäussert. Dieser bedauerte den Vorfall.

Am Mittwoch machte die SRF-TV-Sendung «Rundschau» eine Audioaufnahme publik, in der sich der Präsident des höchsten Schweizer Gerichts negativ über die abwesende Bundesstrafrichterin geäussert hatte. Die Frau «quassle», habe «einen giftigen Blick», sei «eine Magersüchtige», und er könne «sie nicht länger als zwei Sekunden anschauen», sagte der 66-jährige Meyer demnach.

Le President du Tribunal federal Ulrich Meyer parle lors d'une conference de presse commune du Tribunal federal, du Tribunal penal federal, du Tribunal administratif federal et du Tribunal federal des brevets ce lundi 18 mars 2019 au Tribunal federal, TF, a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Bundesgerichtspräsident Ulrich Meyer hat sich abfällig über eine Bundesstrafrichterin geäussert. Bild: KEYSTONE

Das Bundesgericht teilte in einer Stellungnahme mit, Meyer habe die Aussagen im engsten Personenkreis gemacht, und er bedauere diese. Der Bundesgerichtspräsident bat den Angaben zufolge bei der betreffenden Richterin «in aller Form» um Entschuldigung.

Meyer erklärte in einem online publizierten Interview mit den Tamedia-Zeitungen, dass kein Mensch ohne Fehler sei, das gelte auch für ihn. Die Äusserungen seien im Anschluss an eine Einvernahme eines anderen Bundesstrafrichters gemacht worden, während dieser kurz den Saal verlassen habe. Die Aussagen seien aufgenommen worden, weil alle Einvernahmen zwecks späterer Protokollierung aufgezeichnet würden. Die Aufzeichnung sei in der Pause unabsichtlich weitergelaufen. Wer diese an das Fernsehen weitergegeben habe, sei nicht bekannt.

Die Verwaltungskommission des Bundesgerichts hatte im Frühjahr mutmassliche Missstände am Bundesstrafgericht in Bellinzona untersucht. Medien hatten zuvor unter Berufung auf Insider von Machtkämpfen, Günstlingswirtschaft, Spesenexzessen, Mobbing und Sexismus berichtet. Die Verwaltungskommission des Bundesgerichts, der unter anderem Bundesgerichtspräsident Meyer angehört, eröffnete Anfang Januar ein aufsichtsrechtliches Verfahren.

Der im April veröffentlichte Untersuchungsbericht kam zum Schluss, dass es in der Vergangenheit am Bundesstrafgericht zu mehreren zweifelhaften Vorfällen gekommen war. Das Bundesgericht empfahl als härteste Folge die Entlassung der Generalsekretärin. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Leader 11.06.2020 09:12
    Highlight Highlight Neid ist das Parfum aller Erfolglosen.
    Ich spreche mit ihnen Herr Meyer!

    Für diese persönliche Meinung sende ich ihnen auch keinen Entschuldigungsbrief.
  • Kommentareschreiber 11.06.2020 08:56
    Highlight Highlight Spannend: Wäre er Mitglied der SVP wäre dies schon im Titel mit fetten Lettern bekannt gegeben worden. Aber...
  • mon tuno 11.06.2020 08:34
    Highlight Highlight Ich kenne diese Sorte zu Genüge: „Seriös“ im Business aber informell sprudelt es nur vor Anzüglichkeiten und Indiskretionen. Und meist in Positionen, wo man das Gegenteil erwarten darf.

    Ich kann mich noch gut an einen Satz einer solchen Person erinnern: „Klar war es illegal. Aber zum verklagen reicht Ihnen das Geld nicht“

    Es wird Zeit, dass diese Opportunisten und ihre Entourage das Feld räumen.
  • Einstürzende_Altbauten * 11.06.2020 07:01
    Highlight Highlight "Das Bundesgericht teilte in einer Stellungnahme mit, Meyer habe die Aussagen im engsten Personenkreis gemacht..."

    Ich verstehe das nicht. Ist die Aussage weniger schlimm, wenn sie im engsten Personenkreis gemacht wird oder wie soll ich das interpretieren?

    Seine Gesinnung bleibt doch die gleiche.

    Ich bin entsetzt und wünsche mir, dass solche Menschen keine Anstellung in einem Bundesbetrieb erhalten, niemals, egal welche Stufe.
    • esclarmonde 11.06.2020 07:59
      Highlight Highlight Er klingt für mich fast vorwurfsvoll mit der Bemerkung, die Aufnahme lief bis in die Pause weiter. Er . ucht nach Ausreden. Und wie . chon jemand schrieb: sagt ausgerechnet so ein hässlicher Mensch.
    • Dr no 11.06.2020 08:14
      Highlight Highlight Wo ist das Problem ? Es ist nicht nett was er gemacht hat. Aber jeder Mensch findet wohl gewisse andere Menschen nicht toll. So what ?
    • mon tuno 11.06.2020 08:37
      Highlight Highlight Ganz genau. Es offenbart die wahre Gesinnung dieses, sorry, Abschaumes. Integrität sollte das höchste Gut sein, man hat es aber nur gegenüber seines Netzwerkes
  • Blitzesammler 11.06.2020 06:28
    Highlight Highlight Er entschuldigt sich NUR weil er um seinen Titel Angst hat. Sonst wäre ja eine neue strafe des Gerichtes für ,, Verläumdnung,, 2 Tagessätze an Entschuldigungen👎 Immer mehr sehen wir ,,unsere Mächtigen,, wie sie wirklich sind.
    • Leader 11.06.2020 19:22
      Highlight Highlight Sorry unter „Mächtigen“ verstehe ich ganz etwas anderes!
      Emphatisch, Gewinnend, Sozial, Höflich, Achtung jedes Individiums etc.
      Darum wohl gibt es wohl so wenig richtige „ Mächtige“.
  • CEG 11.06.2020 05:43
    Highlight Highlight Ich lebe seit mehr als 30 Jahren mit Stolz in der Schweiz, aber das ist das Niveau einer Bananen-Republik. Männer, die Frauen unwürdig klassifizieren, klassifizieren sich selber als unterste Schublade... In dann meinen sie, mit einer simplen Entschuldigung wäre ihre wahre Geisteshaltung glatt gebügelt. Das geht gar nicht, das ist nicht die Schweiz, auf die ich stolz bin.
  • c_meier 11.06.2020 05:29
    Highlight Highlight ich denke mit 66 Jahren ist es Zeit definitiv zurückzutreten.
    merci
    • Nicole Frei 11.06.2020 07:39
      Highlight Highlight Das ist keine Frage des Alters. Das ist einfach inakzeptabel.
      Kann der nicht angezeigt werden?
      Und dann auch noch diese Erklärung: in der Pause. Wer geht denn davon aus, dass Mobbing und Sexismus nur öffentlich stattfindet?
      Das lässt mich am IQ unseres höchsten Richters erheblich zweifeln.
  • bastardo 11.06.2020 05:27
    Highlight Highlight Und was hat das mit Sexismus oder Mobbing zu tun? Er hat sie ja nicht aufgrund ihres Geschlechts als unfähig bezeichnet oder sie systematisch schikaniert. Der Alte hat einfach über eine Kollegin gelästert, die er nicht mag, so wie das jeden Tag Abertausende machen. Sein Pech war die Aufnahme und vor allem, dass sie an die Medien weitergereicht wurde. Hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Aber passt gut in die heutige dünnhäutige, heuchlerische Gesellschaft, die am liebsten jeden Fehltritt mit härtesten Konsequenzen bestraft haben will, selbst aber keinen Deut besser ist.
  • CalibriLight 11.06.2020 00:04
    Highlight Highlight Na da kann man nur entgegnen:

    "....und das sagt ausgerechnet ein hässlicher Glatzkopf."

    Das ist die gleiche doofe Schiene.
  • RogerKeller 10.06.2020 23:50
    Highlight Highlight „Die Frau «quassle», habe «einen giftigen Blick», sei «eine Magersüchtige», und er könne «sie nicht länger als zwei Sekunden anschauen», sagte der 66-jährige Meyer demnach.“

    So soll sich der SP-Richter Ulrich Meyer herablassend über diese Frau geäussert haben.

    Aber in welchem Verhältnis steht dies zu den Vorwürfen von „Machtkämpfen, Günstlingswirtschaft, Spesenexzessen, Mobbing und Sexismus“?

  • Asmodeus 10.06.2020 23:49
    Highlight Highlight Ulrich Meyer mal wieder.

    Er ist ja auch der Richter der besser über Schleudertrauma und Schmerzerkrankungen bescheid zu wissen glaubt als ausgebildete Ärzte...
  • gesetzesbecher 10.06.2020 23:38
    Highlight Highlight Absolut inakzeptables Verhalten für den Präsidenten des höchsten Gerichts der Schweiz. Ein sofortiger Rücktritt ist die einzige Option.


    Und nein, Herr Meyer, mit einem Entschuldigungsschreiben an die Person ist das Fehlverhalten nicht aus der Welt geschafft. Wenn Entschuldigungen alles Fehlverhalten ungeschehen machen würden, bräuchten wir gar keine Richter mehr.
    • Blues 11.06.2020 00:41
      Highlight Highlight Sehr richtig @gesetztesbecher, mir fehlen die Worte.

Beleidigungen, Drohungen, Penisbilder: Politikerinnen kämpfen gegen Hass im Netz

Politikerinnen erzählen von ihren Cybermobbing-Erfahrungen – und tun was dagegen. Eine Gruppe von Nationalrätinnen fordert erstmals konkrete Hilfe für Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Umgang mit Hass im Netz.

Es ist eine Formel, man muss gar nicht darüber nachdenken, sie geht so sicher auf wie 1 plus 1 gleich 2: Machst du den Mund auf, kommt der Hass. Alles, was eine Politikerin in der Schweiz tun muss, nachdem sie sich öffentlich geäussert hat, im Fernsehen, in einer Zeitung, auf Social Media, ist, sich mental und emotional vorzubereiten. Auf das, was kommt.

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