Nach Tod von Rechtsextremem in Frankreich: Graffiti bei autonomem Zentrum in Lausanne
«Neonazis des Active Club Romand haben das autonome Zentrum in Lausanne beschädigt», warnt an diesem Mittwoch ein Beitrag auf einer linksnahen Instagram-Seite.
Fotos, die im Netz verbreitet wurden, zeigen die Fassade der Kultureinrichtung der Waadtländer Hauptstadt, beschmiert mit rechtsextremen Symbolen, darunter ein SS-Zeichen und ein keltisches Kreuz.
Auf einem der Fotos, veröffentlicht auf der Seite «Active Club Romandia», halten mehrere maskierte Personen Rauchfackeln in die Höhe rund um die Aufschrift «Quentin Présent» – ein Tribut an den nationalistischen Aktivisten Quentin Deranque, dessen Tod in diesen Tagen ganz Frankreich erschüttert.
Die Bildunterschrift lautet:
Die Graffiti wurden an diesem Mittwoch übermalt, wie watson vor Ort feststellte. Drei weiße Buchstaben sind nun auf dem Gebäude zu sehen: «AFA», die Abkürzung für «Action antifasciste».
Die Polizei von Lausanne beobachtet die Lage
Auf Anfrage bestätigt die Lausanner Polizei, «dass heute Morgen (Anmerkung der Redaktion: Mittwoch) festgestellt wurde, dass die Graffiti an der Fassade des autonomen Zentrums in der Rue César-Roux in Lausanne in der Nacht von anderen Graffiti übermalt wurden».
Sie präzisiert, dass «keine Meldung eingegangen» sei. «Daher hat weder ein Polizeieinsatz noch eine Festnahme in diesem Zusammenhang stattgefunden.» Bis zum Mittag wurde demnach noch keine Anzeige erstattet, bestätigt die Polizei. Sie fügt hinzu:
Eine Untersuchung wegen «vorstätzlicher Tötung»
Zur Erinnerung: Quentin Deranque, 23 Jahre alt, wurde letzten Donnerstag von mehreren Personen angegriffen, am Rande einer Veranstaltung der LFI-Europaabgeordneten Rima Hassan in Lyon, bei der er die Sicherheit der Aktivistinnen des identitären Kollektivs Némésis gewährleistete.
Er erlitt ein schweres Schädeltrauma und verstarb am Samstag. Eine Untersuchung wegen «vorsätzlicher Tötung» wurde eingeleitet.
In diesem Fall wurden bislang elf Personen in Frankreich festgenommen und vorläufig in Gewahrsam genommen. Ein Paar wurde dabei insbesondere am Mittwochmorgen verhaftet. Der Mann steht im Verdacht, in direktem Zusammenhang mit der Gewalttat zu stehen, und seine Partnerin soll ihm geholfen haben, sich der Justiz zu entziehen.
Unter den festgenommenen Personen befinden sich auch einige, gegen die sogenannte S-Akten bestehen – vom französischen Inlandsgeheimdienst ausgestellte Register, um Personen zu erfassen, die potenziell eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen. (jzs/jah)
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