Preisüberwacher pfeift Homegate, Immoscout und Ricardo zurück – Weko eröffnet Verfahren
Schon seit Jahren sorgt die Swiss Marketplace Group (SMG) bei Kundschaft und Konkurrenz für Ärger. Grund sind Gebührenerhöhungen und intransparente Preismodelle für Privat- und Geschäftskunden. Zur SMG gehören unter anderem Plattformen wie Homegate, Immoscout oder Ricardo. Nach mehreren Beschwerden hat Preisüberwacher Stefan Meierhans 2023 verschiedene Abklärungen eröffnet. «Sollte ich einen Missbrauch feststellen, strebe ich mit den Betroffenen eine einvernehmliche Regelung an», sagte Meierhans Anfang 2024 zu CH Media.
Nun hat er sich mit der SMG tatsächlich auf eine einvernehmliche Lösung in Bezug auf Ricardo und die Immobilienplattformen geeinigt, wie SMG und Preisüberwacher mitteilen. Es ist die erste Einigung des Preisüberwachers im Bereich von Internetplattformen. Die neuen Preise werden spätestens per 1. April 2026 umgesetzt.
«Deutliches Einsparpotenzial» im Vergleich zu bisher
Der Preisüberwacher schreibt in einer Mitteilung, er habe im Bereich Immobilien «eine hohe Komplexität und teilweise begrenzte Preistransparenz» festgestellt. Deshalb lag sein Fokus auf einem klar strukturierten und preislich nachvollziehbaren Angebot.
Konkret wird die SMG im Bereich Immobilien ein sogenanntes Flex-Offer-Modell mit angepassten Gebühren einführen. Es handelt sich dabei um ein Vermarktungspaket für die Plattformen Homegate.ch, Immoscout24.ch, Acheter-Louer.ch, Immostreet.ch, alle-immobilien.ch und home.ch. Die Kundschaft – oft handelt es sich dabei um Immobilienverwalter – erhält zu einem fest definierten Preis die Leistungen des Pakets «Experienced» ohne zeitliche Beschränkung der Publikation des Inserats (monatliche Grundgebühr von 44 Franken und zusätzlich eine Insertionsgebühr pro Inserat von 505 Franken bei Kaufobjekten und 370 Franken bei Mietobjekten, jeweils exkl. MwSt.). Das neue «Flex Offer» vereinfache die Kostenkontrolle und eröffne in verschiedenen Fällen «ein deutliches Einsparpotenzial im Vergleich zu den bisherigen Modellen», so der Preisüberwacher.
Insidern zufolge hat die SMG im Markt für Immobilienplattformen einen Marktanteil von 75 bis 80 Prozent. Kritisch gegenüber SMG eingestellt sind zahlreiche betroffene Immobiliendienstleister aus der Deutschschweiz. Insbesondere in der Zentral- und Ostschweiz ist die Plattform Newhome, an welcher über 500 Immobilienunternehmen mitbeteiligt sind, auf Augenhöhe mit den SMG-Webseiten.
Patrik Fischer, Mitinhaber und Geschäftsleitungsmitglied bei der Welcome Immobilien AG, sieht die einvernehmliche Lösung als «klares Eingeständnis der SMG zu der stets von der Immobilienbranche monierten Intransparenz bei den Insertionsmodellen, die bisher von SMG vehement verteidigt wurde.» Darin liege der wesentliche Erfolg der Einigung. «Die vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass keine wesentlichen Preissenkungen für Inserenten erfolgen. Aktuell ist zudem unklar, welche Vertragskonditionen mit dem neuen Angebot akzeptiert werden müssen», so Fischer weiter. Gemäss Fischer haben aufgrund des Verhaltens der SMG in den letzten Monaten viele Immobilen-Dienstleister die Business-Verträge mit der SMG gekündigt und das Portal Newhome bevorzugt.
Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung?
Bei Ricardo standen die Erfolgsgebühren, die für erfolgreiche Verkäufe zu entrichten sind, im Zentrum. Neu gelten mehrere Rabatte in Höhe von 10 Prozent für verschiedene Verkaufsformate, wie beispielsweise die Gebühren für alle Auktionen mit einem Startpreis von einem Franken. Auch bestimmte Grosskunden mit Umsätzen von mindestens 100'000 Franken können von einem 10-Prozent-Rabatt profitieren. Der Preisüberwacher erwartet gemäss Mitteilung «Einsparungen auf Seiten der Verkäuferschaft».
Die SMG selbst schreibt in der Mitteilung, man erhalte für die nächsten drei Jahre Rechtssicherheit in dieser Angelegenheit. Die Vereinbarung mit dem Preisüberwacher habe keinen Einfluss auf die bereits kommunizierten Finanzziele und die Prognosen zu Wachstum und Profitabilität, schreibt das seit September börsenkotierte Unternehmen, dessen Aktienkurs seit dem Börsengang um rund 25 Prozent gesunken ist. Prompt stieg der Kurs am Dienstag nach Bekanntgabe des Entscheids im zweistelligen Prozentbereich an.
Die SMG ist aber noch nicht alle Sorgen los – im Gegenteil. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat seit Jahren ein Auge auf die verschiedenen SMG-Plattformen. Die Wettbewerbshüter erhielten in den letzten Jahren mehrfach Beschwerden aus dem Markt, die sich auf die Preissetzung von SMG bezogen. Diese hat die Weko jeweils an den Preisüberwacher überwiesen.
Doch nun wird bekannt, dass das Sekretariat der Weko Ende 2025 eine Vorabklärung gegen die SMG eröffnet hat. Dies bestätigt der stellvertretende Direktor Frank Stüssi auf Anfrage. Es geht um einen allfälligen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. «Die SMG verfügt über verschiedene Online-Plattformen und ist damit auf diversen Märkten im Bereich der Rubrikanzeigen tätig. Gegenstand der Vorabklärung ist eine etwaige Behinderung von konkurrierenden Immobilien-Rubrikanzeigen-Plattformen», sagt Stüssi. Dabei soll geklärt werden, ob die SMG eine marktbeherrschende Stellung innehat und Anhaltspunkte für eine unzulässige Verhaltensweise vorliegen.
(aargauerzeitung.ch)
