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Whistleblower Quadroni und ehemaliger Polizist stehen vor Bündner Gericht

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Der Bauunternehmer Adam Quadroni deckte 2017 das Baukartell im Unterengadin auf.Bild: keystone

Whistleblower Quadroni und ehemaliger Polizist stehen vor Bündner Gericht

30.04.2026, 11:4030.04.2026, 11:40

Whistleblower Adam Quadroni und der ehemalige Leiter der Polizeistation Scuol GR müssen sich am Donnerstag vor dem Regionalgericht Unterengadin verantworten. Dem ehemaligen Polizisten werden mehrfacher Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung und wiederholter Hausfriedensbruch vorgeworfen. Quadroni wird beschuldigt, die Polizei bedroht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft fordert laut Anklageschrift eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr für den unterdessen pensionierten Polizeichef von Scuol. Quadroni muss sich wegen Drohung gegen Behörden verantworten.

Die Vorfälle liegen Jahre zurück und gipfelten in der Festnahme des Whistleblowers durch eine Spezialeinheit der Graubündner Kantonspolizei.

Durchsuchung ohne Genehmigung

Im Dezember 2016 durchsuchte der ehemalige Polizeichef das Haus von Quadroni, um Jagdwaffen zu beschlagnahmen. Grundlage für diese Aktion waren anonyme Hinweise auf familiäre Streitigkeiten zwischen dem Bauunternehmer und seiner Ex-Frau.

Regierungsraetin Carmelia Maissen, Regierungsrat Martin Buehler und Regierungsrat Peter Peyer, links nach rechts, sprechen an einer Medienkonferenz zu Entschaedigungsforderungen des Whistleblowers Ada ...
Der Regierungsrat spricht zu den Entschädigungsforderungen von Quadroni im Februar 2025.Bild: KEYSTONE

Der ehemalige Polizist soll laut Anklageschrift gewusst haben, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine Durchsuchung nicht gegeben waren. Es sei weder eine besondere Dringlichkeit noch eine erhebliche Gefahr im Sinne des Polizeigesetzes vorgelegen.

Am 15. Juni 2017 wurde der ehemalige Bauunternehmer schliesslich von einer Spezialeinheit der Graubündner Kantonspolizei angehalten. Ein Arzt entschied über die Zwangseinweisung von Quadroni in die psychiatrische Klinik in Chur. Vier Tage später entliessen die Ärzte Quadroni und stellten fest, dass er weder eine Gefahr für sich selbst noch für andere darstellte.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft – die die Festnahme als «objektiv ungerechtfertigt und unverhältnismässig» bezeichnet – sei dem ehemaligen Beamten bewusst gewesen, dass die Festnahme einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte darstellten.

Darüber habe der ehemalige Polizist seine Vorgesetzten manipuliert, indem er ihnen Informationen vorenthielt. Zwei weitere Durchsuchungen von Quadronis Grundstücken seien ohne die Zustimmung des Eigentümers und ohne richterliche Anordnung erfolgt.

Drohungen gegen Polizisten

Nicht nur Adam Quadroni hat Anzeige erstattet, sondern auch der ehemalige Polizist hat den einstigen Unternehmer angezeigt.

Experte Andreas Stoeckli bei seinen Ausfuehrungen, aufgenommen am Donnerstag, 10. Juni 2021, bei der Pressekonferenz der Weko im betreffend Submissionsabreden bei Bauvergaben, im Grossratssaal in Chur ...
Experte Andreas Stöckli führt seinen Weko-Bericht aus, 10. Juni 2021.Bild: KEYSTONE

Während der Durchsuchung im Dezember 2016 soll Quadroni am Telefon gesagt haben: «Sorgt das nächste Mal dafür, dass der Polizist seine Waffe zeigt, wenn er die Strasse hinaufkommt.» Der ehemalige Polizist habe diese Worte als Drohung interpretiert.

Der Fall war auch Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) – der ersten in der Geschichte des Kantons Graubünden. Sie sollte Klarheit über Absprachen im Unterengadiner Baugewerbe schaffen.

Die Mitglieder der Kommission hatten jegliche Einflussnahme der beteiligten Unternehmen auf das Vorgehen der Polizei und der Kantonsbeamten verneint. Sie führten jedoch «zahlreiche formelle Fehler» auf, die die Kantonspolizei bei den drei Einsätzen zwischen 2016 und 2017 begangen hatte. (nil/sda)

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