Schweiz
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Todesfahrer von Seon AG erringt Teilsieg – Gefängnisstrafe wird reduziert

Das Aargauer Obergericht muss die Freiheitsstrafe von acht Jahren für den Verursacher eines Unfalls mit zwei Toten und drei Schwerverletzten überprüfen. Das Bundesgericht hiess die Beschwerde des Italieners teilweise gut. Die Strafe sei «eindeutig zu hoch».



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Bild: az

Bereits das Obergericht hatte die Strafe des Bezirksgerichts Lenzburg um drei Jahre reduziert. Der 34-Jährige war im 2016 zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt worden.

Obwohl sich das Bundesgericht nun für eine reduzierte Strafe ausspricht, bestätigte es die Schuldsprüche, wie aus dem am Montag publizierten Urteil hervorgeht. Der Mann ist schuldig der mehrfachen eventualvorsätzlichen Tötung sowie der mehrfachen eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung und der qualifizierten groben Verkehrsverletzung.

11 Jahre für Raser: Zu hart? (13. August 2016)

Der „Todesraser von Seon“, welcher durch ein Überholmanöver zwei Menschen getötet hatte, wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt. Video: © TeleM1

Im Nebel zwei Autos überholt

Der Todesfahrer hatte in der Nacht auf den 2. November 2014 zwischen Seon und Schafisheim zwei Autos überholt - trotz dichten Nebels, einer Sichtweite von rund 150 Metern und einer Sicherheitslinie. Auf der Gegenfahrbahn prallte er mit stark übersetzter Geschwindigkeit frontal in ein korrekt entgegen kommendes Auto.

Darin sassen zwei befreundete Ehepaare. Der 60-jährige Schweizer, der das Auto fuhr, wurde getötet. Seine Ehefrau überlebte den Crash schwer verletzt. Auch eine 50-jährige Schweizerin starb auf der Unfallstelle. Ihr Ehemann überlebte. Der Unfallverursacher erlitt ebenfalls schwere Verletzungen.

11 Jahre für Todesraser von Seon (12. August 2016)

Zwei Unbeteiligte tötete der 32-Jährige 2014 mit seinem fahrlässigen Überholmanöver. Das Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg fällt nun noch härter aus, als gefordert. Video: © TeleM1

Zur Klärung des Unfallhergangs hatte die Staatsanwaltschaft ein verkehrstechnisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses zeigt, dass der Unfallverursacher bei der Kollision mit mindestens 133 km/h statt der erlaubten 80 km/h unterwegs war. Der Fahrer hatte zwar Alkohol konsumiert, die Blutalkoholkonzentration lag jedoch unter der strafrechtlich relevanten Grenze.

Strafe «eindeutig zu hoch»

Das Bundesgericht kommt zum Schluss, dass die Einsatzstrafe von acht Jahren «eindeutig zu hoch erscheint». Dies nicht zuletzt im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen. Der Strafrahmen für den Tod eines Menschen liege zwischen 5 und 20 Jahren.

Der Mann habe lediglich eventualvorsätzlich gehandelt. Dies lasse das Tatunrecht in einem milderen Licht erscheinen als bei einem direkten Vorsatz. Das Obergericht habe dies bei seinem Urteil zwar bedacht, den Umstand jedoch bei der Strafzumessung nicht gebührend berücksichtigt, hält das Bundesgericht in seinen Ausführungen fest.

Die Umstände der Tat - wie rücksichtsloses Verhalten und grosses Risiko - dürften bei der Strafzumessung nicht erneut strafverschärfend gewichtet werden. Es müsse zudem berücksichtigt werden, dass das Verschulden des Todesfahrers geringer zu gewichten sei als beispielsweise bei einem Strassenrennen oder Raserfahrten innerorts.

(Urteil 6B_567/2017 vom 22. Mai 2018) (az/sda))

Eine optische Täuschung soll Raser stoppen

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Video: srf

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kane88 04.06.2018 21:36
    Highlight Highlight Willkommen in der Schweiz. Hier muss man die Urteile lediglich weiterziehen. Spätestens das Bundesgericht revidiert das Urteil zu gunsten des Angeklagten, egal wie schwer die Straftat ist! Hat in der Vergangenheit bei Rasern schon mehrmals funktionier.
  • f303 04.06.2018 18:26
    Highlight Highlight Soso, 8 Jahre für einen Doppelmord sind also (nur weil er mit einem Auto geschah) eindeutig zu viel? Traurige Welt.
  • Bivio 04.06.2018 15:01
    Highlight Highlight Umkehrschluss könnte heissen, dass man halt die Strafen für eventualversätzliche Tötung erhöhen muss.
    Ich hoffe das Aargauer Obergericht lässt sich nicht zu sehr auf das BGE Urteil ein und reduziert die Strafe nur geringfügig .

    Wieder einmal, wo das BGE fernab von den Tatsachen - im Elfenbeinturm urteilt.
    • Eine_win_ig 04.06.2018 16:18
      Highlight Highlight Das Bundesgericht setzt Recht um. Es schreibt es nicht selber. Ich finde es auch jenseits, dass für soöches Verhalten nun weniger rauskommt. Aber das System ist so.

      Wenn weniger Gefängnis, sollte man den Herrn so verknurren, dass Schadenersatz, Genugtuung, etc. so hoch ausfallen, dass er über jahrzehnte zahlen darf. Aber auch das wird nicht geschehen.
    • Bivio 04.06.2018 17:25
      Highlight Highlight @Eine_win_ig
      Nicht ganz, das BGE setzt nicht nur Recht um. Es definiert und präzisiert primär Gesetze und deren Auslegung. Normale Gerichte setzen Gesetze um.
      Es wäre schön, wenn solche Leute, wie der Todesfahrer ein Leben lang abzahlen müssten. jedoch sieht die Realität etwas anders aus. Schadensersatzforderungen und Genugtuungen werden nach einem Schlüssel definiert und der ist gar nicht so hoch.
      Ich frage mich immer, wo der Sühnegedanke bei diesen Urteilen sein soll.
    • Eine_win_ig 04.06.2018 19:56
      Highlight Highlight Bivio, danke für die Präzisierungen!
      Ich durfte leider nur 1 Semester öff Recht geniessen. Da reichte es knapp dazu, dass wir keine Verfassungsgerichtsbarkeit haben und dann war Schluss ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alterssturheit 04.06.2018 14:58
    Highlight Highlight Das ewig spitzfindige Geschwafel und die Wortklaube-reien der Juristen helfen dem Angeklagten.
    Und die Opfer...who cares.
    • phreko 04.06.2018 20:12
      Highlight Highlight Was würde denn die Opfer wieder lebendig machen?
  • Carlitos Fauxpas 04.06.2018 14:44
    Highlight Highlight Es gibt keine akzeptable Gerechtigkeit für rücksichtsloses und eigensinniges Verhalten. Der Täter, in diesem und der Unzähligen weiteren ähnlich gelagerten Fällen, sollte sich in Grund und Boden schämen.

    Was für eine unglaubliche Dummheit wegen ein paar kläglichen Minuten Zeitgewinn mit dem Leben von Mitmenschen zu spielen!
  • niklausb 04.06.2018 13:31
    Highlight Highlight Für die Opfer bzw. deren Hinterbliebenen eine Watsche in s Gesicht.
  • fadnincx 04.06.2018 12:55
    Highlight Highlight Für mich absolut unverständlich...
    Meiner Meinung nach sind da selbst die 11 Jahre noch sehr gnädig.
  • DerSimu 04.06.2018 12:19
    Highlight Highlight "Der Todesfahrer hatte (...) zwei Autos überholt - trotz dichten Nebels, einer Sichtweite von rund 150 Metern und einer Sicherheitslinie."

    Wer so unglaublich grobfahrlässig fährt und zwei Menschen tötet hat die Strafe verdient.

    Finde nicht, dass 11 Jahre zu viel sind.
    • Ökonometriker 04.06.2018 14:14
      Highlight Highlight Deswegen 'Eventualvorsatz' (aka unglaublich dummes Verhalten): schlimmer als grob fahrlässig, aber nicht absichtlich.

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