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SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.
SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.Bild: KEYSTONE

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli äussert sich auf Facebook zum Vergewaltigungsfall in Emmen 

31.07.2015, 17:2301.08.2015, 06:38

Der Täter des grässlichen Vergewaltigungsfalls in Emmen ist flüchtig. Laut Zeugenaufruf der Gemeinde Emmen ist er heller Hautfarbe und spricht gebrochen Deutsch. Aufgrund von zahlreichen rassistischen Posts musste Emmen die Kommentarfunktion auf ihrer Facebookseite vorübergehend sperren. Die Emotionen kochen hoch, was angesichts der Grausamkeit des Verbrechens – das Opfer ist querschnittgelähmt – wenig verwunderlich ist.

Gestern schaltet sich SVP-Nationalrätin Natalie Rickli mit folgendem Facebook-Post in die Debatte ein:

Der Post löst ein enormes Echo aus, wird fast 800 Mal kommentiert. Rickli erhält einerseits Zuspruch:

«Herzlichen Dank liebe Natalie Rickli für Ihren emotionalen Beitrag! Es ist nicht Wahlkampf, sondern die nackte Realität, was da dieser Frau so Grausames passiert ist......sie muss als Opfer ein Leben lang darunter leiden, und der Täter? Wenn er denn überhaupt lebenslang bestraft werden kann, und nicht, wie gehabt, nach ein paar Jährchen ‹guter Führung› wieder auf freiem Fuss ist, mit unserer ach so gängigen Kuscheljustiz! Ich wünsche dieser Frau von ganzem Herzen ganz viel Kraft, Hoffnung, Mut und Zuversicht!»
facebook-userin Marianne Lehmann

Aber manche stören sich an diesen zwei Sätzen:

«Ja es war offenbar ein Ausländer, was aufzeigt, dass wir ein Problem mit der Ausländerkriminalität haben und es die Durchsetzungsinitiative braucht.»

«Und für alle, die nun sagen wollen, typisch SVP es ist Wahlkampf, darum geht es heute nicht, sondern denken wir heute nur an die Frau und wünschen ihr von Herzen alles Gute!»

Stellvertretend für die Kritiker dieser Kommentar:

«Sicher betreibt Frau Rickli mit diesem Post Wahlkampf, was denn sonst. Was dieser Frau geschehen ist, ist fürchterlich und verabscheuungswürdig, egal ob die Tat von einem Ausländer oder einem Schweizer verübt wurde. Wenn es Frau Rickli aber wirklich nur um das Opfer gehen würde, dann hätte es genügt zu schreiben, dass sie für ein gesundheitliches Wunder hofft und die Tat zu verurteilen. Und dies ohne Hinweis auf die Durchsetzungsinitiative und dass es sich um einen Ausländer handelt. Dann hätte der Post nach vier Sätzen enden müssen. Die Anmerkung, dass es heute nicht um Wahlkampf geht, sondern man nur dem Opfer gedenken soll ist dann doch sehr scheinheilig.»
Facebook-User Serge Nater

Heute reagiert Rickli auf die Kritik mit einem neuen Post:

Darin betont Rickli, sie habe nicht geschrieben, es sei sicher ein Ausländer gewesen. Und dass sie weiter unten angefügt habe, dass es egal sei, ob es ein Ausländer oder ein Schweizer war.

«Ich habe geschrieben ‹offenbar› Ausländer, nicht, dass es ein Ausländer war. Falls es ein Ausländer war, braucht es die Durchsetzungsinitaitive (Gemäss polizeilicher Kriminalstatistik 2014 wurden 61% der Vergewaltigungen von Ausländern begangen, das ist ein Fakt. Dass das so verniedlicht wird, erstaunt mich) Und dann wer gut weitergelesen hat: Aber ob es ein Schweizer ODER ein Ausländer war, der Staat muss dafür sorgen, dass es kein zweites Opfer gibt, das hat oberste Priorität. Die Tat ist genau so schlimm, ob sie ein Schweizer oder ein Ausländer begangen hat, da sind wir uns wohl alle einig!»
natalie rickli

Weiter erklärt sie, was passiert wäre, wenn sie nichts von Ausländern geschrieben hätte:

«Hätte ich nichts von Ausländern geschrieben, hätte es dazu 100% diverse Kommentare gehagelt. Darunter auch einige rassistische, wie auch die Polizeiseite in Emmen gezeigt hat. Solche will ich nicht auf meiner Seite und manchmal schäme ich mich auch über gewisse Posts. Darum habe ich auch hingeschrieben, dass ich keine rassistischen Kommentare will auf meiner Seite. Der grösste Teil hat sich daran gehalten, meine Kritiker haben mir aber darum Rassismus unterstellt, was ich nicht verstehen kann. Aber: auch das ist wichtig, wer die Ausländerprobleme in unserem Land benennt, darf nicht als Rassist verurteilt werden!»
natalie rickli

Die Reaktionen auf ihren zweiten Post gehen kaum auf diese Punkte ein, sondern drehen sich hauptsächlich um einen in jeder Beziehung missratenen Kommentar eines Facebook-Users. Auch solche hat Rickli erhalten.

«Die Diskussion wäre kaum anders herausgekommen, wenn ich zuerst geschrieben hätte, dass es egal ist, ob es ein Ausländer oder ein Schweizer war», sagt Rickli gegenüber watson. «Als Politikerin kann ich es nicht allen recht machen, und das ist ok, schliesslich leben wir in einer Demokratie. Allerdings ist es schade, dass über meinen Post diskutiert, statt an die Frau gedacht wird.»

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