Schweiz
Kanton Zug

Niklas Nikolajsen spendiert Zug ein Feuerwerk – und keiner wills

Feuerwerk von niklas nikolajsen in Zug
Ein 35-Tonnen-Feuerwerk will er in Zug in die Luft jagen: Bitcoin-Millionär Niklas Nikolajsen. Bild: screenshot instagram/niklas.nikolajsen

Er ist reich, hat zwei Panzer und spendiert Zug ein Feuerwerk – das viele gar nicht wollen

Niklas Nikolajsen ist eine der schillerndsten Figuren der Schweizer Krypto-Szene. Weil die Stadt Zug kein eigenes Feuerwerk zum 1. August machen wollte, spendiert er selbst ein 35-Tonnen-Feuerwerk. Das sorgt für Kritik.
25.07.2023, 13:24
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In Zug liegt das Geld. Trotzdem hat die Stadt, die für niedrige Steuern und für wohlhabende Steuerzahler bekannt ist, einen untypischen Entscheid getroffen. Sie verzichtet darauf, den Nationalfeiertag pompös mit einem Feuerwerk zu zelebrieren – aus ökologischen Gründen.

Doch in der Stadt hat man die Rechnung ohne einen äusserst vermögenden Einwohner gemacht: Niklas Nikolajsen, laut «Billanz» einer der 300 reichsten Schweizer – mit einem Vermögen zwischen 300 und 350 Millionen Schweizer Franken. Er spendiert aus eigener Tasche ein 35-Tonnen-Feuerwerk auf dem Zugersee.

Wer ist dieser Mann?

Bitcoin-Millionär mit zwei Panzern

Der aus Dänemark stammende Nikolajsen lebt seit 2011 in der Schweiz. Just ein Jahr, nachdem er zum ersten Mal von Bitcoin gehört hatte. Durch die Kryptowährung wurde er reich – und er hat sie sogleich zu seinem Beruf gemacht: 2013 gründete er die Krypto-Plattform Bitcoin Suisse mit. Die Firma beschäftigt heute über 300 Mitarbeitende und gehört zu den grössten Playern in der Schweizer Kryptoszene.

Doch der Krypto-Millionär fällt nicht nur mit seiner Arbeit auf, sondern schafft es vor allem mit seinen Nebenschauplätzen regelmässig in die Schlagzeilen.

Niklas Nikolajsen, CEO & Chairman Bitcoin Suisse, speaks at the CV Summit, Crypto Valley Summit, in Zug, Switzerland, Wednesday, November 7, 2018. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Gehört zu den 300 reichsten Schweizern: Niklas Nikolajsen.Bild: KEYSTONE

So hat Nikolajsen die teuerste Autonummer der Schweiz ersteigert, die er gerne mit seinen Luxus-Autos zur Schau stellt. Unter anderem besitzt er nach eigenen Angaben zwei massgefertigte Bentleys – einen davon hat er in bar bezahlt – sowie einen Mercedes Pullman. Einen Führerschein besitzt er laut Medienberichten aber keinen.

2018 hat er das Schloss St. Karlshof am Zugersee gekauft: Schätzungen nach für 18 Millionen Franken. Danach soll er beantragt haben, seinen Namen auf «Niklas Nikolajsen von Karlshof» zu ändern. Auch auf der Website von Bitcoin-Suisse wird er so genannt.

Ein Faible hat der Multimillionär fürs Militärische. Er besitzt eine grosse Waffensammlung und sogar zwei Panzer, mit denen er auf den Schweizer Strassen herumrollen wollte. Und das gemäss seinen Posts in den sozialen Medien auch macht.

Happy mit seinem eigenen Panzer: Bitcoin-Millionär Niklas Nikolajsen.
Happy mit seinem Panzer: Bitcoin-Millionär Nikolajsen. Bild: screenshot instagram/niklas.nikolajsen

Seit diesem Sommer ist er nun auch grosszügiger Spender des «grössten Feuerwerks, das je im Kanton Zug abgefeuert wurde», wie er auf Instagram verkündete. Für das privat geplante Riesenfeuerwerk werden laut Nikolajsen drei grosse Flösse mit einer Fläche von insgesamt 500 Quadratmetern im Zugersee verankert.

Das Feuerwerk sei anlässlich des Nationalfeiertags sowie zum Abschluss der Bauarbeiten seines Schlosses St. Karlshof geplant. Und: «Mit ein bisschen Glück, feiern wir auch die neue Schweizer Staatsbürgerschaft einer kleinen Familie», so der Krypto-Millionär auf Instagram.

«Respektlos» – SP und Grüne dagegen

Dass in Zug ein so grosses Feuerwerk stattfinden soll, obwohl die Stadt selbst auf eines verzichtete, verstehen nicht alle. Auf Anfrage von watson schreibt die Zuger Grüne-Nationalrätin Manuela Weichelt, dass die Bewilligung «unzeitgemäss» sei. Schliesslich wisse man um den «Zustand des Klimas». Die Bewilligung für das Feuerwerk erhöhe nur den Feinstaub in der Luft und letztendlich im Wasser. «Das zeigt, dass die zuständigen Ämter ihre Verantwortung nicht wahrnehmen», sagt Weichelt.

Das Bundesamt für Umwelt warne vor gesundheitlichen Auswirkungen und empfehle eine grosse Zurückhaltung. «Beim geplanten Feuerwerk auf dem Zugersee spricht man von 35 Tonnen, was fast 10 Prozent des schweizerischen Jahresvolumens von 400 Tonnen ausmacht», bemängelt die Nationalrätin. Zudem erschrecke ein Feuerwerk in dieser Dimension die Wildtiere und die Haustiere.

Die neu gewaehlte Nationalraetin Manuela Weichelt-Picard, Alternative - die Gruenen (ALG), posiert am Montag, 21. Oktober 2019, in Zug. Manuela Weichelt - Picard ist die erste Frau, die Zug in der Bun ...
Empfiehlt dem Bitcoin-Millionär, Geld für Menschen in Not zu spenden: Zuger Grüne-Nationalrätin Manuela Weichelt.Bild: KEYSTONE

Völlig deplatziert findet sie die Äusserung des Krypto-Millionärs auf Instagram über die beabsichtigte Staatsbürgerschaft. «Als ehemalige Regierungsrätin weiss ich, dass sich die Bürgergemeinde Zug nicht mit Geld kaufen lässt. Möchte der Spender wirklich etwas Gutes tun, dann könnte er ganz im Sinne der humanitären Tradition der Schweiz Geld für Menschen in Not spenden.»

«Wir werden im Kantonsrat eine Anfrage platzieren, wie das passieren konnte.»
Luzian Franzini

Stark kritisiert wird die Bewilligung des Kantons für das private Feuerwerk auch von der Alternative – die Grünen Zug. «Es ist respektlos gegenüber der Stadt Zug, dass er dieses Feuerwerk macht, obwohl sich die Stadt auf eine ökologische Lösung fokussierte», sagt Co-Präsident und Mitglied des Zuger Kantonsrats Luzian Franzini am Telefon zu watson.

Die Umweltbelastung sei riesig, meint Franzini: «Durch dieses Feuerwerk werden innerhalb von 15 Minuten 5,5 Tonnen CO₂ ausgestossen. Das ist angesichts der Klimaziele des Kantons absolut unverantwortlich.» Es komme daher die Frage auf, wie diese Bewilligung entstanden sei. Franzini kündigt an: «Wir werden im Kantonsrat eine Anfrage platzieren, wie das passieren konnte.»

Auch der Stadtzuger SP-Präsident und Kantonsrat Rupan Sivaganesan kann die Entscheidung des Kantons, das Feuerwerk zu bewilligen, nicht verstehen. «Wenn jede vermögende Person in Zug einfach so ein Riesen-Feuerwerk spendieren kann, werden diese nur noch zunehmen. Das ist angesichts der Klimasituation überhaupt nicht angemessen. Anscheinend fehlt den Behörden in vielen Bereichen der Mut.»

Wasser und Lichteffekte verzaubert die Seepromenade des Zugersee in der Stadt Zug anlaesslich der multimedialen Wassershow, Zug Magic, am Dienstag, 4. Juli 2023 in Zug. Die Wassershow wird jeden Abend ...
Das hätte die Stadt lieber gehabt: eine Wasser- und Lichteffekteshow, wie sie Anfang Juli stattfand.Bild: keystone

Stadt und Kanton schieben Verantwortung auf Gebäudeversicherung

Die Stadt Zug schreibt auf Anfrage, dass man «nachhaltige Lösungen wie eine Wasser- und Multimediashow favorisiere». Doch das Feuerwerk steige «im Rahmen einer privaten Party» und habe nichts mit der offiziellen 1.-Augustfeier zu tun.

Die Stadt schiebt jedoch die Verantwortung für den Entscheid ab. «Vonseiten der Stadt Zug musste er (Niklas Nikolajsen) eine Bewilligung für die Party einholen, da unter anderem das städtische Lärmreglement tangiert wird. Die Bewilligung des Feuerwerks, welches auf einem Floss im See gezündet wird, fällt in den Zuständigkeitsbereich des Kantons Zug.»

«Die Gebäudeversicherung Zug erteilt die Bewilligung, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.»

Angefragt beim Kanton Zug, teilt die Sicherheitsdirektion mit, dass die Antwort direkt von der Gebäudeversicherung komme, welche die Bewilligung für das Feuerwerk erteilt habe. Und, so der Kanton: «Die Gebäudeversicherung des Kantons Zug ist eine selbständige, öffentlich-rechtliche Körperschaft und nur administrativ der Sicherheitsdirektion des Kantons Zug zugeordnet.»

Gegenüber watson nennt die Gebäudeversicherung Zug jedoch keine Details, weshalb das Feuerwerk bewilligt wurde. Sie schreibt: «Das private Feuerwerk wurde von der Gebäudeversicherung Zug nach den gleichen Kriterien beurteilt wie jedes andere private Feuerwerk der Kategorie F4, für welches eine Bewilligung beantragt wird. Die Gebäudeversicherung Zug erteilt die Bewilligung, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Die Gebäudeversicherung Zug ist informiert darüber, in welchem Ausmass das Feuerwerk stattfindet. Sie kennt auch den zeitlichen Rahmen und den vorgesehenen Ablauf.»

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358 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
25.07.2023 07:05registriert Oktober 2018
Da will Zug aus ökologischen Gründen auf ein Feuerwerk verzichten…

Da kommt ein Millionär, der auf die Umwelt pfeift und organisiert trotzdem eins…

Wohl sehr sinnbildlich dafür wie Reiche unseren Planeten zerstören…

Nicht falsch verstehen: Wir alle müssen Verantwortung übernehmen. Bei Reichen ist der Schaden einfach um ein x-faches Grösser, den sie hinterlassen…
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Minitauro
25.07.2023 07:11registriert Mai 2023
Tja, wir leben in einer Demokratie, also hätten wir es in der Hand. Solange eine Mehrheit das Gefühl hat das Reiche so lächerlich wenig Steuern zahlen müssen wird sich nichts ändern….
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Zamorano1
25.07.2023 06:28registriert Oktober 2021
Mit Geld kann man leider fast alles kaufen. Ob dieser Kerl aber wirköich glücklich und Zufrieden ist?
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