Schweiz
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Eine Eule erklärt den Schweizer Kindern das Milizsystem – und wird zum Hit

Das Schweizer Milizsystem steht unter Druck, weil immer weniger Menschen bereit sind, sich zu engagieren. Der Gemeindeverband setzt nun bei den Kindern an und will sie mit einem Comic für die Gemeindearbeit sensibilisieren. Das Büchlein ist so begehrt, dass nun bereits eine zweite Auflage gedruckt wird.

Michel Burtscher / ch media



Eule «Comunix» im Einsatz.

Eule «Comunix» im Einsatz. Bild: sgv

«Comunix» heisst die Eule, die den Niedergang des Schweizer Milizsystems bremsen soll. In einem 28-seitigen Comic erklärt sie Kindern, wie eine Gemeinde funktioniert: «Die Menschen haben irgendwann herausgefunden, dass sie manche Dinge besser gemeinsam erledigen können als alleine. Deshalb haben sie Dörfer gegründet. Aus manchen wurden Städte, teilweise auch grosse Städte. Und manche sind eher klein geblieben. Trotzdem erfüllen sie viele Aufgaben, ohne die dein Leben kaum vorstellbar wäre.»

Das steht am Anfang des Büchleins «Meine Gemeinde, mein Zuhause», das vom Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) herausgegeben wurde und sich an Drittklässler richtet. «Comunix» zeigt ihnen in farbigen Zeichnungen, was eine Gemeindeverwaltung macht, wie die Abfallentsorgung geregelt ist oder dass Gemeinden mit Freibädern kein Geld verdienen.

Milizsystem unter Druck

Was schön aussieht und lustig tönt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn produziert wurde das Büchlein nicht einfach zum Spass, sondern für das «Jahr der Milizarbeit», zu dem der Gemeindeverband das Jahr 2019 ausgerufen hat. Ziel des Projektes ist, mit verschiedenen Aktionen das Milizsystem zu stärken und «fit für die Zukunft» zu machen. Denn dieses gerät zunehmend unter Druck. Viele Gemeinden haben Schwierigkeiten, Menschen zu finden, die sich engagieren wollen. Die Bereitschaft, sich für ein Exekutivamt zur Verfügung zu stellen, nimmt ab.

Der Gemeindeverband setzt darum nun bei den Jüngsten an: Ziel des Büchleins sei, die Kinder zu motivieren, sich mit ihrer Gemeinde zu beschäftigen, sagt Philippe Blatter, Kommunikationsverantwortlicher beim SGV. «Wenn wir ihnen aufzeigen können, was eine Gemeinde alles macht und warum sie wichtig ist, sind sie vielleicht eher bereit, sich als Erwachsene dafür zu engagieren», sagt Blatter.

Die Österreicher machen es vor

Ob das wirklich klappen wird, steht im Moment noch in den Sternen. Eines aber ist schon jetzt klar: Das Büchlein ist ein voller Erfolg. Innerhalb von 25 Tagen waren 95'000 Exemplare weg. «Wir sind positiv überrascht», sagt Blatter. Darum werden nun weitere 50'000 Exemplare gedruckt, die ab Mitte August verfügbar sein sollen. Bestellt werden können sie von Schulen oder Gemeinden.

Als Vorlage diente dem SGV ein ähnliches Büchlein des österreichischen Gemeindebundes, wie Blatter sagt. Eins zu eins konnte dieses aber nicht übernommen werden. «Wir mussten eine eigene Version machen, um die Eigenheiten der Schweizer Gemeinden abbilden zu können.» Im Original spielen zudem ein Hund und eine Katze die Hauptrolle. Warum sich der Schweizer Gemeindeverband für eine Eule entschieden hat? «Das Tier steht für Weisheit», sagt Blatter. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rethinking 24.07.2019 20:38
    Highlight Highlight Die Bevölkerung wird (grösstenteils) durchaus als fähig betrachtet, um aktiv am Milizsystem teil zu nehmen. Ebenso traut man der Bevölkerung zu an Abstimmungen überlegte und ausgeglichene Entscheidungen zu treffen. Die Demokratie ist quasi eine Netzwerkorganisation mit hoher Selbstverantwortung für alle Beteiligten...

    In Unternehmen jedoch herrscht nach wie vor eine Pyramidenorganisation und Selbstverantwortung ist meist nur ein Lippenbekenntnis...

    Mündige Stimmbürger, fähige Vereinsmitglieder, tolle Mütter und Väter werden in Unternehmen zu unmündigen (Mit)arbeiter gemacht...
  • Pitefli 24.07.2019 20:09
    Highlight Highlight Das Büchlein würde vielen Erwachsenen auch gut tun. Während meiner KV-Lehre hatten wir ein Jahr lang Staatskunde-Unterricht und da war ich schon 17 Jahre alt. Ich war als fast volljährig und hatte bis dahin keine Ahnung (und vielleicht auch kein Interesse) wie das Milizsystem funktioniert. Man wird/wurde zu einem "alltagsdummen" Menschen erzogen. Ich konnte schon früh komplizierte Gleichungen lösen und einen ROI berechnen aber eine Steuererklärung konnte ich nicht ausfüllen. Daher finde ich es gut dass man Kindern schon früh auch alltägliche Dinge beibringt.
  • Thom Mulder 24.07.2019 18:55
    Highlight Highlight Mehr Engagement in Gemeinde und Vereinen fördert man nicht mit Broschüren. Die fördert man, indem man den Bürgern mehr Freiraum verschafft, die Lebenskosten und Arbeitszeiten senkt. Indem man weniger Rechts wählt!
    • Möfe 24.07.2019 19:02
      Highlight Highlight Warum wählt den der Durschnittsvereinsmensch meiner Erfahrung nach rechts-bürgerlich?
    • SanchoPanza 25.07.2019 07:55
      Highlight Highlight @Möfe: weil auf dem Land Zusammenhalt durch Vereine hergestellt wird und dort sowieso eher mehr rechts gewählt wird.
      Ich glaube nicht das es einen Zusammenhang gibt zwischen Verein & Politischer Ausrichtung. Bin selbst ein ziemlicher Vereinsmensch und in der Stadt gross geworden (und eher links).
  • Die Erleuchtung 24.07.2019 18:26
  • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 24.07.2019 17:05
    Highlight Highlight auch wenn ich mich jetzt anhöre wie ich 85 jährig bin...

    früher hat man sich für die gemeinde, den kanton, den staat, den quartierverein, die alte nachbarin etc eingesetzt. früher war das selbstverständlich und lobenswert.

    ich bin der meinung, dass diese einstellung in der erziehung der letzten generationen sträflich vernachlässigt wurde und heute leider nur yolo und selbstverwirklichung zählt.

    ich finde die idee dieses büchleins gut. es wird aber wohl eine generation brauchen, bis solche "tugenden" wieder trendy sind.
  • lilie 24.07.2019 14:47
    Highlight Highlight Ich beklage schon lange, dass ich in meiner gesamten Schulkarriere fast gar nichts darüber gelernt habe, wie unser Staat (inkl. Gemeinden und Kanton) funktioniert.

    Das einzige was wir hatten, waren drei kümmerliche "Staatsbürgerliche Arbeitstage". Ich weiss noch, wie man ein Kurvenintegral berechnet und wieviele Fälle es im klassischen Latein gibt, aber von diesen Tagen ist mir rein gar nichts geblieben.

    Das darf einfach nicht sein! In einer direkten Demokratie muss man den Schülern erklären, wie die Dinge funktionieren. Sonst nutzen Leute wie die Rechtspopulisten die Bildungslücke aus.
    • Scott 25.07.2019 08:39
      Highlight Highlight Von wegen Rechtspopulisten nutzen die Bildungslücke aus. Unser Milizsystem hat nichts mit der politischen Ausrichtung zu tun.

      Sie sind das beste Beispiel, dass die Bildungslücke wohl eher von Links ausgenützt wurde.
  • Ricardo Tubbs 24.07.2019 14:40
    Highlight Highlight für was? bezahlte ja ohnehin schon (zuviele) steuern, sehe nicht wieso ich dann noch kommunalarbeit leisten sollte.
    • What’s Up, Doc? 24.07.2019 17:39
      Highlight Highlight Das Büchlein ist zwar für Drittklässler gedacht aber deine Gemeindeverwaltung gibt Dir sicher sehr gerne eins.
      Schweizerischen Gemeindeverband (SGV), Ihr müsst wohl die Zielgruppe erweitern, den Grund seht Ihr im Kommentar von Ricardo Tubbs.
    • Scott 25.07.2019 08:41
      Highlight Highlight Sich beschweren war schon immer einfacher als mitzuarbeiten...
    • lilie 25.07.2019 16:08
      Highlight Highlight @Ricardo: Eh ja, warum solltest du mitarbeiten, du könntest ja einfach mehr Steuern bezahlen, dann könnte die Gemeinde die anfallende Arbeit an Firmen vergeben. 😏

      Fände das sowieso eine gute Idee: Entweder man arbeitet mit, oder man bezahlt eine Milizsteuer. Wäre fair, jeder könnte wählen, was ihm lieber ist. 💁‍♀️😊
  • Miles Prower 24.07.2019 14:14
    Highlight Highlight Deshalb wäre ich für eine allgemeine Bürgerpflicht als Ablösung der veralteten Wehrpflicht. Die Gesellschaft könnte dabei massiv profitieren.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 24.07.2019 16:56
      Highlight Highlight hört sich interessant an.
      wie könnte das aussehen?
    • rüpelpilzchen 24.07.2019 19:56
      Highlight Highlight Ich mag das Wort "Pflicht" nicht. Es sollte keine Pflicht sein, sondern ein Bedürfnis entstehen, teilhaben zu wollen. Wenns irgendwie geht.
    • Miles Prower 24.07.2019 21:24
      Highlight Highlight @ just Sayin'

      Meine Gedanken, Skizzenhaft zusammengefasst:

      Dienstpflicht für alle. Frei wählbar, ob Militär, Zivildienst, Zivilschutz, (evtl Feuerwehr, Gemeindearbeit...).
      Überall die gleiche Dienstzeit (z.B. 300 Tage in 15 Jahren).
      Militär nur als Schweizer möglich.
      Ausländer, welche die Dienstpflicht erfüllt haben, erhalten dafür eine erleichterte Einbürgerung.
      UT gibt es nur noch in Ausnahmefällen.

      Vorteile: Geschlechtsneutral, keine Diskriminierung wegen der Herkunft.
      Keine Diskriminierung bei der Stellensuche.

      Nachteile: Im Vergleich zu Heute, für Frauen nicht mehr freiwillig.
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