DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein «Ja» zur «Ehe für alle» wäre für den Politreporter mit Abstand das beste Spektakel in Bern.
Ein «Ja» zur «Ehe für alle» wäre für den Politreporter mit Abstand das beste Spektakel in Bern.
Bild: KEYSTONE
Kommentar

Liebe Ständeräte, ich will heiraten dürfen. Liefert jetzt endlich die «Ehe für alle»!

Der Ständerat stimmt heute über die «Ehe für alle» ab. Einige Standesvertreter fordern eine weitere Verzögerung. Doch es ist endlich Zeit dafür.
01.12.2020, 05:5601.12.2020, 07:31

Liebe Ständerätinnen
Liebe Ständeräte

Heute werden Sie über das Geschäft «Ehe für alle» diskutieren. Das Thema beschäftigt Sie schon lange: Diese Woche ist es exakt sieben Jahre her, seit die Forderung der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit der Geschäftsnummer 13.468 beim Parlament eingereicht wurde. Das ist eine sehr lange Zeit für alle Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen und vielleicht auch mal heiraten möchten.

Ich bin so einer. Heiraten, so klassisch und langweilig das klingt, ist für mich etwas Schönes: Es ist die Verrechtlichung des Gelübdes, meiner zukünftigen Partnerin oder meinem zukünftigen Partner in guten und in schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, die Treue zu halten. Anders die «eingetragene Partnerschaft»: Die klingt für mich sehr technisch. Ich dachte lange, dass man nur Schuhe einträgt.

Sie könnten diese Ehe ermöglichen. Es sieht aber danach aus, als würde es noch ein weiteres Weilchen dauern, bis sich zwei Männer oder zwei Frauen in der Schweiz das eheliche «Ja»-Wort geben dürfen. Sie werden heute nämlich darüber diskutieren, ob es für die «Ehe für alle» eine Verfassungsänderung braucht – was eben das Ganze noch weiter verzögert – oder ob eine Gesetzesänderung reicht.

So begründet SVP-Nationalrat Pirmin Schwander seine Zweifel

Video: extern / rest/parlamentsdienste

Im schlimmsten Fall wird es 2022, bis sich gleichgeschlechtliche Paare auch hierzulande das eheliche «Ja»-Wort geben können. Das sind über 20 Jahre nach den Niederlanden, die als erstes Land überhaupt die «Schwulen-Ehe» eingeführt hatten. (Ja, so hiess das damals in den Schweizer Medien; die Frauen waren wahrscheinlich mitgemeint).

So berichtete die «NZZ» über die Einführung der «Schwulen-Ehe» in den Niederlanden (3. April 2001).
So berichtete die «NZZ» über die Einführung der «Schwulen-Ehe» in den Niederlanden (3. April 2001).
Bild: NZZ

Ihre Motivation, dass das Volk bei einem solch gesellschaftlich brisanten Thema mitreden können muss, ist gut gemeint. Aber begründen Sie das bitte nicht mit verfassungsrechtlichen Argumenten: Die Bundesverfassung schützt die Ehe im Rahmen einer «Institutsgarantie» – Sie als Gesetzesgeberinnen und Gesetzesgeber können heute entscheiden, wer heiraten darf. Das Volk wird so oder so mitentscheiden können – allenfalls mit einem Referendum, das ich gerne unterschreiben werde, falls das Ihr staatspolitisches Gemüt beruhigt.

Aber entscheiden Sie. Orientieren Sie sich bei Zweifeln allenfalls an Ihrem Kanton (Sie sind ja «Standesvertreter»): 19 Kantone haben sich für den Gesetzesweg ausgesprochen. Tun Sie das bitte heute auch, damit die Schweiz nicht wie beim Frauenstimmrecht europaweit zu den Schlusslichtern gehört.

So äusserten sich die Kantone in der Vernehmlassung.

Die gleichgeschlechtlichen Paare hierzulande haben das Recht auf Gleichstellung. Ihre Kinder, ob adoptiert oder durch medizinische Hilfe gezeugt, haben das Recht auf Absicherung ihrer alltäglichen Realität. Seien Sie ein Vorbild für sie.

Freundliche Grüsse,

Petar Marjanović

Befürwortest du die «Ehe für alle»?
So positionieren sich die Ständeräte
watson hat anhand eigener Recherchen und der Verhandlungsdokumente der Kommission folgende Positionen eruieren können:

– Sieben Stimmen für den Gesetzesweg: Persönlich bestätigt: Andrea Caroni (FDP/AR), Philippe Bauer (FDP/NE), Lisa Mazzone (Grüne/GE). Die übrigen vier Stimmen dürften aus dem links-grünen Lager gekommen sein: Daniel Jositsch (SP/ZH), Christian Levrat (SP/FR), Carlo Sommaruga (SP/GE), Céline Vara (Grüne/NE).

– Sechs Stimmen für den Verfassungsweg: Stefan Engler (M/GR), Thomas Hefti (FDP/GL), Thomas Minder (parteilos/SH), Beat Rieder (M/VS), Martin Schmid (FDP/GR), Heidi Z’graggen (M/UR).
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Liebe für alle! Die Welt feiert den US-Entscheid über die Homo-Ehe

1 / 20
Liebe für alle! Die Welt feiert den US-Entscheid über die Homo-Ehe
quelle: epa/epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Anti-Diskriminierungs-Gesetz angenommen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

So hat sich Mike Pence seinen Besuch in Island wohl nicht vorgestellt 🌈🌈

Mike Pence, der Vizepräsident der USA und bekennender Gegner von allem, was mit Homosexualität zu tun hat, hat Island besucht. Dort wehte ihm ein farbiger Wind entgegen. Und ein Bürgermeister auf dem Velo.

Mike Pence ist nicht gerade das, was man einen Freund der LGBTQ-Bewegung nennt. Der ultra-konservative Republikaner und strenggläubige Christ ist schon mehrfach mit seiner Anti-Gay-Haltung aufgefallen. So unterzeichnete er 2015 ein Gesetz, das Ladenbetreibern im Bundesstaat Indiana die Möglichkeit gab, schwulen und lesbischen Leuten den Service zu verweigern. Doch lasst es euch von John Oliver erklären:

Genau dieser Pence, der mittlerweile Vizepräsident der USA ist, hat diese Woche Island …

Artikel lesen
Link zum Artikel