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Darum ersetzt der Dienstmanager das Dienstbüchlein zurecht

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bild: keystone/imago
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Abtreten, liebes Dienstbüchlein, ich werde dich nicht vermissen

Die Militärkarriere unseres Autors endet kurz vor jener des Dienstbüchleins. Ausgerechnet jetzt kann er dieses nicht finden. Umso ärgerlicher, weil er dem blau eingefassten Dokument wenig abgewinnen konnte.
10.05.2026, 10:1110.05.2026, 12:20

Wo habe ich das Ding hingelegt? Es ist Montag, als ich jede Schublade meiner Wohnung und jede Seitentasche in Tarnfarbe durchforste, halb im Wahn. Ich suche: mein Dienstbüchlein.

Zum letzten Mal soll ich zu einem Wiederholungskurs (WK) einrücken, zum letzten Mal in einem Kommandoposten antraben und mein Dienstbüchlein dort abgeben. Doch just vor Dienstvollendung kann ich es nirgendwo finden. Ausgerechnet jetzt!

Wäre das Aufgebot für einen Einsatz im Juni gewesen, hätte ich mir die Suche sparen können. 150 Jahre lang dienten Einträge im Dienstbüchlein als Beweis für geleistete Militärdienste. Doch wie ich geht auch das Dienstbüchlein bald ausser Dienst.

Ein Dienstbuch der Schweizer Armee fotografiert am Mittwoch, 6. Mai 2026 in Bern. Die Schweizer Armee und der Zivilschutz werden ab dem 1. Juni 2026 das physische Dienstbuechlein durch digitale Loesun ...
Hat bald ausgedient: das Dienstbüchlein.Bild: KEYSTONE

Ab 1. Juni sind die Einträge im digitalen «Dienstmanager» massgebend. Aber alle Einsätze bis zu diesem Stichtag sind noch im Dienstbüchlein zu dokumentieren. Heisst für mich: Suchen bis gefunden.

Der Abtritt des Dienstbüchleins wird (anders als meiner) manche Offiziersträne kullern lassen. «Bei gewissen Herren mit höheren Graden und über tausend Diensttagen wird es Emotionen geben», sagte der «Chef Personelles » der Armee am Dienstag, so berichtete die NZZ.

Ich hingegen werde dem Dienstbüchlein nicht nachtrauern.

Ein Stück Bünzlitum, das zu lange überlebt hat

Mich nervt diese romantische Verklärung des Dienstbüchleins, das für ziemlich bünzlige Abläufe steht: Jeder Armeeangehörige bringt sein eigenes mit, wehe es geht vergessen. Im Kommandoposten trägt der Fourier mit der notwendigen Pingeligkeit für jedes Truppenmitglied die Diensttage ein und dann, nach brav erbrachter Pflicht, gibt es das Dienstbüchlein mit dem verdienten (mittlerweile digitalen) Soldbatzen zurück.

Das Dienstbüchlein impliziert damit, dass nur ein guter Armeeangehöriger ist, wer folgt, nicht ausschert und die nötige Gründlichkeit mitbringt. Mich hat das nie angesprochen.

Kavalleriesoldaten der Schweizer Armee stehen am fruehen Morgen bei der Antrittsmusterung in Reih und Glied und weisen einem Offizier das Dienstbuechlein und die sauber gewaschenen Haende vor, aufgeno ...
Zum Dienstbüchlein gehörten schon immer Ordnung und Gehorsamkeit.Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für die Armeespitzen, um bei einer Kampfzigi 90 mal darüber nachzudenken, ob es nach 150 Jahren Disziplin und Folgsamkeit andere Grundsätze gibt, die in einer Armee eine grössere Rolle spielen könnten. Vielleicht kommt dabei ja heraus, dass sich mehr junge Menschen bei der Schweizer Armee sehen.

Der Dienstmanager ist besser

Auch aus ganz praktischer Sicht konnte ich mit dem Dienstbüchlein wenig anfangen.

Als ich vor rund acht Jahren in die Rekrutenschule ging, war das digitale Zeitalter längst angebrochen. Schon damals fragte ich mich beim Anblick des Dienstbüchleins: Soll das eine moderne Milizarmee sein? Warum ich fürs Diensttagezählen zwischen den Handschriften von übermüdeten Führungsgehilfen hin und her blättern muss, erschloss sich mir nie.

Immerhin bringt der Dienstmanager nun echte Verbesserungen - das System ist bereits zugänglich. Nicht nur zählt er die Diensttage übersichtlich, er ist auch eine echte Waffe im Papierkrieg der Schweizer Armee. Diverse Formulare und der Marschbefehl sind dort ebenfalls abrufbar, das spart Papier, Portokosten und bündelt alle militärischen Belangen.

Nie wieder Dienstbüchlein suchen

Von der Wachablösung in der Armee-Administration mag ich nun nicht mehr wirklich profitieren. Aber immerhin entfällt die Sucherei für künftige Soldatinnen und Soldaten, die mit Engagement (zwinker) statt Ordentlichkeit glänzen.

Zum Glück habe ich mein Dienstbüchlein knapp vor dem Einrücken gefunden. Der gänzliche Verlust hätte noch ins Geld gehen können: Bis zu 300 Franken kann die Beantragung eines Duplikats kosten, «je nach Grund», wie es auf der Website meines Heimatkantons heisst.

Wo war's denn nun? Das ist so peinlich, das fällt unter die militärische Verschwiegenheitspflicht. Notiz an mich selbst: Von nun an immer in den Einbauschrank legen. Nach der offiziellen Entlassung kann das Dienstbüchlein dort getrost in Vergessenheit geraten.

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