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Ein Speichel-Schnelltest liefert unmittelbare Resultate. (Bild: Daniel Steffen, Managing Director Checkport, demonstriert den Covid-Test am Flughafen in Zürich) Bild: keystone

Aldi will Schnelltests in der Schweiz verkaufen – darf aber nicht

Während in Deutschland und Österreich neue Tests zum Heimgebrauch bereits zugelassen werden, dauert es hierzulande noch. Die Kantone hoffen, dass es schneller geht.

Andreas Möckli und Dominic Wirth / ch media



Noch kurz den Corona-Test machen, vor dem Essen im Restaurant vielleicht, dem Treffen mit der Familie oder dem Kinobesuch: Diese Möglichkeit bieten Selbsttests. Sie könnten den Kampf gegen das Virus schon bald in neue Bahnen lenken. In der Schweiz will der Detailhändler Aldi solche Tests verkaufen. Sie funktionieren einfach: Einmal ins Röhrchen spucken. Und kurz auf der Ergebnis warten.

Doch derzeit ist dies in der Schweiz noch nicht möglich. «Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage können wir hierzulande derzeit keine Corona-Schnelltests für den Privatgebrauch anbieten», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Allerdings habe Aldi Suisse grosses Interesse, die Schweiz mit zuverlässigen und günstigen Schnelltests für den Heimgebrauch zu versorgen. Dies habe das Unternehmen ja auch schon bei den Masken getan.

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Roche-Schnelltests in Deutschland und Österreich zugelassen

In Deutschland geht es schneller. Dort hat die zuständige Behörde für bereits sechs Schnelltests zugelassen. Weitere sollen dazu kommen. Anbieter gibt es derzeit sehr viele, diese sechs jedoch sollen Laien selbst zu Hause machen können – ohne fremde Hilfe, schreibt die «Berliner Morgenpost». Die Behörde habe nach eigenen Aussagen den Firmen schon bei Antragstellung geholfen.

ARCHIVBILD ZUR ERHOEHUNG DES MINDESTLOHNES BEI ALDI SCHWEIZ AUF 4440 FRANKEN, AM DONNERSTAG, 26. NOVEMBER 2020 - A customer enters the Aldi Suisse branch in Ingenbohl, in the Canton of Schwyz, Switzerland, on August 22, 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..Ein Kunde betritt die Aldi Suisse Filliale in Ingenbohl, Kanton Schwyz, am 22. August 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Aldi Suisse ist bereit Schnelltests zu verkaufen. Bild: keystone

Unter diesen sechs Schnelltests für den Eigengebrauch befindet sich einer des Basler Pharmakonzerns Roche. Dieser wurde zudem in Österreich zugelassen, wie eine Sprecherin sagt. In der Schweiz werde der Schnelltest derzeit vom Bundesamt für Gesundheit validiert. «Wird sind im engen Austausch mit den Behörden bezüglich einer Selbsttest-Option mit dem nasalen Test», sagt die Sprecherin. Gemeint ist damit, dass ein Abstrich im vorderen Nasenbereich genügt.

Aldi Suisse hat sich auf Nachfrage nicht geäussert, was die rechtlichen Probleme genau sind. Licht ins Dunkel brachte Anne Lévy, Direktorin des Bundesamt für Gesundheit, am Dienstag. «Gemäss der aktuellen Medizin-Produkteverordnung sind diese Tests zur Eigenanwendung, die der Patient zu Hause selbst durchführt, in der Schweiz zurzeit nicht erlaubt», sagte die 49-Jährige an einer Medienkonferenz in Bern. Allerdings prüfe das Bundesamt, ob hier neue Möglichkeiten geschaffen werden könnten.

Anne Levy, Direktorin, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, spricht an einem Point de Presse mit Fachexperten des Bundes zur Corona-Pandemie Covid-19, am Dienstag, 2. Maerz 2021. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Anne Lévy leitet das Bundesamt für Gesundheit. Bild: keystone

Bund fürchtet, den Überblick über die Pandemie zu verlieren

Derzeit gebe es noch viele offene Fragen, die erst geklärt werden müssten, sagte Lévy weiter. Die Qualität der Schnelltests müsse gegeben sein und es brauche die Bereitschaft, gewisse Konzessionen einzugehen. Die Befürchtung: Der Bund könnte den Überblick über die Pandemie in der Schweiz verlieren. Wenn sich viele Menschen zu Hause testen, dürften kaum alle ihre positiven Resultate melden.

Für Lévy ist das aber zwingend. Wer durch einen Schnelltest positiv getestet werde, müsse in jedem Fall einen zweiten Test machen, um sicherzustellen, dass das ursprüngliche Resultat stimme. «Wir müssen schauen, wie wir das in Zukunft sicherstellen, damit unsere Daten stimmen».

Entscheidend für die Bewilligung von Tests sei die entsprechende Strategie, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Die bewilligten Tests müssen den Anforderungen und den Zielen der Teststrategie genügen. Der Bund prüfe momentan, wie das repetitive Testen ausgedehnt und somit die Strategie erweitert werden könne.

Diffuse Signale von Berset und seiner Amtschefin

Die Signale, die der Bund in Sachen Selbsttests gerade sendet, sind diffus. Während sich die BAG-Chefin Anne Lévy am Dienstag in Bern eher zurückhaltend äusserte, gab sich ihr Chef, Gesundheitsminister Alain Berset, wenig später in Zürich einiges optimistischer. Berset trat an der Seite der Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli und der Regierungspräsidentin Silvia Steiner auf. Und sagte, er hoffe, dass es in Sachen Selbsttests nun schnell gehe.

Regierungsraetin Natalie Rickli, Gesundheitsdirektorin, spricht an der Medienkonferenz ueber die Impfstrategie COVID-19 Impfung im Kanton Zuerich am Montag, 21. Dezember 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Die SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli ist Vorsteherin der Zürcher Gesundheitsdirektion. Bild: keystone

Fest steht, dass die Kantone auf die Selbsttests hoffen – und darauf, dass der Bund vorwärts macht. Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli etwa sagte bei ihrem gemeinsamen Auftritt mit Berset, dass sie sich Selbsttests für die Schweiz wünsche.

Bereits einen Schritt weiter ist Bern. Dort will man breit auf das Instrument setzen, um der aktuellen Testmüdigkeit im Kanton zu begegnen. Die Idee: Das Testen soll eine kleine Sache werden, ohne grossen Zeitaufwand machbar. «Die Hürden müssen so tief wie möglich sein, damit die Leute mitmachen», sagt ein Sprecher des Berner Gesundheitsdepartements.

Bern setzt auf einen Truck und Spucktests

Dem Kanton geht beim Bund gerade alles ein wenig zu langsam, auch wenn er das öffentlich nicht so laut sagt. Bern startet deshalb in den nächsten Tagen ein Pilotprojekt, um Selbsttests selbst auf ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen. 1000 Antigen-Spucktests hat der Kanton dafür bestellt. Diese werden nun vom Berner Testtruck, einem Gefährt, das etwa in Schulen, Gemeinden oder Unternehmen für Massentests nutzt, eingesetzt – und zwar parallel zu den üblichen PCR-Tests.

Eine Person wartet auf die Oeffnung vor dem neuen mobilen COVID-19-Test-Truck, am Mittwoch, 3. Februar 2021, auf dem Bundesplatz, in Bern. Zunaechst wird das Fahrzeug im Rahmen eines Schnelleinsatzes in das Kantonsgebiet geschickt, um umfangreiche Tests vor Ort durchzufuehren. Spaeter kann es auch zur Impfung, im Katastrophenfall oder bei Grossveranstaltungen eingesetzt werden. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der mobile Covid-19-Test-Truck im Einsatz auf dem Bundesplatz in Bern. Bild: keystone

Auf diese Art sollen die 1000 Tests auf ihre Zuverlässigkeit getestet werden. Man sei in der Sache auch mit dem BAG in Kontakt, und dieses sei an den Ergebnissen sehr interessiert, sagt der Sprecher des Berner Gesundheitsdepartements. Falls das Pilotprojekt gut abläuft, hätte man eine neue Möglichkeit, um das Virus einzudämmen. Die Berner Behörden gehen davon aus, dass Massentests regelmässig mit bis zu 250'000 Personen pro Woche durchgeführt werden müssten, um Ansteckungsherde frühzeitig zu erkennen.

Druck auf den Bund kommt aber nicht nur aus den Kantonen, sondern auch aus dem Parlament. Dort wurden diese Woche verschiedene Fragen zum Thema eingereicht, etwa von der FDP-Nationalrätin Maja Riniker. Die Aargauerin sagt, sie verstehe nicht, warum sich das BAG mit der Zulassung so viel Zeit lasse.«Wir müssen doch jedes Mittel einsetzen, das hilft, um die Pandemie in den Griff zu kriegen», sagt Riniker. Für sie ist es verkraftbar, wenn Selbsttests nicht ganz so zuverlässig sind wie PCR-Tests. «Wir werden asymptomatische Kranke finden - und das bringt uns weiter», sagt Riniker.

Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse sieht die Selbsttests als zusätzliches Instrument, um eine schrittweise Rückkehr in die Normalität zu ermöglichen. «Der Bund sollte sie so schnell wie möglich zulassen», sagt Roger Wehrli, stellvertretender Leiter Wirtschaftspolitik.

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«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

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«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten
quelle: keystone / peter klaunzer
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