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Peinlich, peinlich: Buben in den Krieg, Mädchen in die Mode – Landesmuseum lässt 14 Jahre alte Werbeplakate hängen

24.03.2015, 10:0028.08.2017, 12:11

Man muss genau hinsehen, aber dann:

bild: watson

Und etwas weiter rechts:

bild: watson

Mit diesen beiden Plakaten wirbt das Landesmuseum in Zürich für zwei seiner Dauerausstellungen. Eltern sollen demnach ihren Söhnen den Waffenturm und ihren Töchtern die Sammlung Textil & Mode zeigen.

Plakatwerbung des Landesmuseums in Zürich.
Plakatwerbung des Landesmuseums in Zürich.bild: watson

«Dass eine Institution wie das Landesmuseum solche Geschlechterklischees bedient, finde ich sehr unglücklich«, sagt Andreas Borter vom Schweizerischen Institut für Männer- und Geschlechterfragen. «Verheerend ist zudem, dass sich die Plakate an Eltern richten, und diese so noch ermuntert werden, diese stereotypen Zuschreibungen weiterzugeben.»

Im kommerziellen Bereich, vor allem in der Werbung und in der Spielzeugindustrie, seien traditionelle Geschlechterrollen nach wie vor sehr ausgeprägt. «Umso wichtiger ist es, dass die Pädagogik – und dazu gehören auch die Museen – die Geschlechterklischees aktiv aufbricht», so Borter. 

Wie findest du die Plakate des Landesmuseums?

Auch Franziska Vogt, Leiterin des Instituts für Lehr- und Lernforschung an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, findet die Botschaft der Plakate problematisch: «Kinder spielen gerne mit verschiedensten Rollen und sollten diese auch angeboten bekommen.» Sie habe im Rahmen des Forschungsprojekts «Gender in der Kita» beobachtet, wie ein Junge ein tolles Prinzessinnenkleid anzog. «Wichtig ist, dass die Betreuungspersonen dann nicht sagen, das sei Haute Couture und Frauensache», so Vogt.

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Dem Landesmuseum ist die Sache peinlich

«Es war natürlich nicht unsere Absicht, überholte Rollenbilder zu bedienen», sagt Marco Castellaneta, Geschäftsleitungsmitglied des Landesmuseums. Es handle sich denn auch um alte Plakate, die zu Beginn der Nullerjahre für die Dauerausstellungen produziert wurden. «Das würden wir heute anders angehen», so Castellaneta. Lange sind sie allerdings nicht mehr vor dem Landesmuseum zu sehen, denn sie sind nicht Teil einer Kampagne: «Die beiden Plakatständer sind für die Ausstellung ‹1515 Marignano› vorgesehen und wurden einfach noch nicht überklebt.»

1515 Marignano
Die Ausstellung im Landesmuseum anlässlich der berühmten Schlacht vor 500 Jahren beginnt am Freitag, 27. März und dauert bis 28. Juni 2015. Der blutigen Niederlage der Schweiz folgte der Rückzug aus der Grossmachtpolitik und jene gilt als Ursprung der Neutralität. 
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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dave1771
24.03.2015 10:45registriert März 2014
Muss man dieses Geschlechterspezifische Dingsbums immer wieder aufrollen, ist langsam richtig mühsam! Es muss immer alles "korrekt" sein...
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Ninon
24.03.2015 11:31registriert Juli 2014
Peinlich, peinlich. In der Islamischen Republik Iran werden Frauen gesteinigt, aber Kian Ramezanis vordringlichstes Problem ist ein Plakat, das Buben Freude macht (Buben lieben die Ritterrüstungssäle im Landesmuseum und es hat dort immer viel mehr Buben als Mädchen).
Wie nennt man eigentlich diese Art von absolut irrelevantem „Journalismus“? Und ist es Ihnen nicht unangenehm Ihr Leben mit dem Schreien solch irrelevanter Artikel zu verbringen?
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Wandtafel
24.03.2015 10:23registriert März 2015
Meine Güte, was ist daran schlimm? Es ist allgemein bekannt das Jungs gegenüber Mädchen andere Sachen (vorallem in der Geschichte) präferieren. Klar, das Museum hätte es eleganter lösen können aber peinlich ist hier meiner Meinung nach nichts oder habe ich mit 20 Jahren ein veraltetes Weltbild?
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Die Schweiz scheint impfmüde: Selbst über 80-Jährige verzichten auf den zweiten Booster
Viele ältere Menschen scheint die Impfempfehlung des Bundes für eine zweite Auffrischimpfung nicht zu interessieren. In den vergangenen Wochen haben sich erst knapp zwölf Prozent der über 80-Jährigen ein viertes Mal impfen lassen.

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