Schweiz
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epa08406718 Four-year-old Sofia jumps playing in her room while her mother works in home office during the lockdown to combat the spread of the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the COVID-19 disease, in Domodedovo, outside Moscow, Russia, 27 April 2020 (Reissued 07 May). On the second Sunday of May every year, several countries celebrate mothers and all the hard work they endure for almost nothing in return. However this year they are especially going through demanding times. Coronavirus has forced mothers to be even more protective but this time against an invisible enemy, yet they have also put on display their fun and playful personality concurrently with their studious side. Along with their everlasting love and care they have shown inspiring bravery during these challenging times.  EPA/SERGEI ILNITSKY  ATTENTION: This Image is part of a PHOTO SET *** Local Caption *** 56049182

So viel gemeinsame Zeit wie noch nie: Vielleicht vermissen wir die Zeit des Lockdowns schon bald. Bild: EPA

Kommentar

Warum mich die Öffnung von Schulen und Restaurants auch traurig stimmt

Der 11. Mai ist für viele ein Feiertag. Endlich dürfen die Kinder wieder in die Schule! Endlich können wir wieder auswärts essen! Dabei geht schnell vergessen, wie schön doch die ausgedehnte Familienzeit war.

Etienne Wuillemin / ch media



Endlich! Die Kinder gehen in die Schule. Restaurants dürfen Gäste empfangen. Und sogar Sport treiben ist unter Auflagen wieder möglich. Die Freude ist gross. Der 11. Mai 2020 ist für viele ein Feiertag. Acht Wochen Lockdown sind überstanden. Acht Wochen, in denen nichts mehr war, wie wir es kennen. Acht Wochen, in denen wir Corona nicht selten ins Pfefferland gewünscht hätten, gefangen irgendwo zwischen Home-Office und Home-Schooling. Ein kleines bisschen Normalität ist zurück, zumindest ein Anfang ist gemacht.

Doch der Anfang bedeutet auch ein Ende. Eines, das mich ein bisschen sentimental stimmt. Es ist das Ende einer wunderbaren Zeit für viele Familien. Acht Wochen waren wir immer beieinander, immer füreinander da. Gewiss, es gab keine Alternative. Gewiss, die Tage waren häufig mit Stress verbunden. Und natürlich gibt?s Streit, mal leiser, mal lauter, «drei Mal war es ziemlich heftig», rechnet der ältere Sohn vor. Doch kaum sind die acht Wochen Ausnahmezustand vorbei, wird einem bewusst: Vielleicht ist eine Zeit zu Ende, die in dieser Form nie mehr wieder kommt.

Spaziergänge, Velo-Touren, Spiele am Abend und Netflix-Serien

Wenn das Leben zum Stillstand verkommt, halten wir uns kleinen Dingen fest. Wir bauen uns tägliche Routinen. Gemeinsames Aufstehen. Gemeinsames Essen. In der Mittagspause die neuste Episode der Netflix-Serie über Basketball-Ikone Michael Jordan schauen (und die Leidenschaft für den Sport schärfen). Ausgedehntes Bücher-Vorlesen. Viele Spaziergänge oder Velotouren.

Abends das tägliche Brändi Dog oder Yatzy. Und immer mal wieder einfach da sein, nichts tun, einander beim Leben zuschauen. So, wie das ewig nicht mehr möglich war, weil die Wochen immer wieder von neuem vorbei gerauscht sind.

Und natürlich: das gemeinsame Erleben von Schule und Kindergarten ? ja, Mami und Papi waren plötzlich auch Lehrerin und Lehrer, daran mussten sich die Söhne gewöhnen, aber so schlimm war es gar nicht. Vielleicht lag das auch an den ausgedehnten Pausen. Ein Ersatz fürs Basketballspielen in der grossen Pause ist es zwar nicht, aber um 10 Uhr eine Viertelstunde Badminton spielen mit Papi auf dem Garagenplatz ist auch nicht schlecht.

Ja, die Tage haben sich geglichen. Aber sie haben die Familienbande zusammengeschweisst. So sehr wie nie zuvor. Und darum geht jetzt, wo die Schulen wieder offen sind, auch etwas verloren.

Darf man so denken? Oder braucht es ein schlechtes Gewissen?

Doch darf man das überhaupt, einer Zeit nachtrauern, in der unsere Wirtschaft grössten Schaden genommen hat, so dass viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind? Einer Zeit, in der geliebte Menschen wegen eines Virus tagelang im Spital bleiben mussten, vielleicht sogar gestorben sind?

Ich finde, niemand braucht ein schlechtes Gewissen zu haben wegen der eigenen Familienidylle. Man muss ja die Auswirkungen des Coronavirus nicht gegeneinander ausspielen. Wer als Familie dankbar ist für die vielen gemeinsamen Momente, kann sich trotzdem Gedanken zur eigenen Zukunft oder jener der Gesellschaft machen, es wird wohl nicht ohne Sorgen gehen. Darum sind die Erinnerungen an die Zeit während des Lockdowns ein wertvoller Schatz.

Mit ziemlicher Sicherheit wird unser Bewusstsein diese letzten acht Wochen sogar je länger je mehr verklären ? egal. Denn irgendwann, wenn Corona schon längst besiegt ist, und wir realisiert haben, dass sich die Welt eben doch nicht so sehr verändert hat, wie uns das manch ein Zukunftsforscher jetzt vorgaukelt, schaue ich gerne mit einem Lächeln zurück. Im Wissen: Die Familienzeit von damals, sie fehlt.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ludwig.Van 13.05.2020 11:32
    Highlight Highlight Klar darf man auch mal vermissen und wehmütig sein, aber wie der Text auch schon zeigt: Dankbarkeit und Freude überwiegen letztendlich. Eines meiner Lieblingszitate passt hier wunderbar: Weine nicht, wenn schöne Stunden vergangen sind, sondern lächle, dass sie gewesen sind.
  • Zwischendenzeilen 13.05.2020 10:29
    Highlight Highlight Genau so sollte das Leben eigentlich aussehen.
    Genug Zeit mit seinen Kindern. Eine Welt in der sich nicht nur alles um Arbeit dreht.
  • Paula8 12.05.2020 16:34
    Highlight Highlight Ein toller Bericht. Mir ging es genau so. Ich habe die Zeit unheimlich genossen und habe kaum getraut, es laut auszusprechen.

    Mir ist jedoch bewusst, dass es für mich ein riesiges Privileg war, reichlich an Arbeit gehabt zu haben, mich jeden zweiten Tag im Homeoffice ausleben zu können und die anderen Tage mit genug Abstand und entsprechende Massnahmen meine tollen Mitarbeiter zu sehen.

    Aber die Ruhe, die verschwundene Hektik, nicht das Gefühl haben, etwas zu verpassen und die Zeit für mich habe ich unheimlich genossen!
  • Rethinking 12.05.2020 13:41
    Highlight Highlight Endlich mal ein Artikel der nicht vom schlimmen Lockdown jammert...

    Meine Home Office Zeit war die schönste meines bisherigen Erwerbslebens...

    Viel weniger unnötige Sitzungen...

    Viel weniger Störungen und Ablenkungen...

    Keine Pendlerei...

    Endlich mal echte Work Live Balance...

    Endlich hat man mal was vom schönen Wetter...
  • Wolk 12.05.2020 13:14
    Highlight Highlight Kaum ist mein Mann wieder bei der Arbeit und das Kind in der Kita gibt es bei uns Streit.
  • Malaga 12.05.2020 13:12
    Highlight Highlight Wir hatten das Pech oder das Glück selbständig in einem Bereich zu sein, der uns kurzerhand doppelten Umsatz und doppelte Arbeit bescherte. Die Kinder kamen völlig zu kurz. Zum Glück sind sie schon grösser und kamen mehrheitlich alleine zurecht. Aber manchmal war ich schon ein wenig traurig, dass wir Eltern, während die Kinder zu Hause waren, noch wneiger Zeit für sie hatten.
  • Rundlauf 12.05.2020 09:11
    Highlight Highlight Als Coping-Mechanismus darf man die aktuelle Zeit sicher "schön" finden; letztlich muss man einen für sich passenden Weg durch diese Krise finden.

    Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass es nichts anderes als das ist: Etwas, das man sich selber vor macht, und diese schwierige Zeit zu ertragen. Vielen geht es nicht so wie dir; sie sind selber krank oder tot, haben Angehörige verloren, haben den Job verloren oder sonst finanziell zurückstecken müssen, oder haben psychisch Mühe mit der Situation.

    Mitgefühl zeigen ist wichtig, sonst wird's schnell asozial. Das Leid ist real in dieser Zeit.
  • Blitzesammler 12.05.2020 06:52
    Highlight Highlight ich weiss, für manche war es eine schwierige Zeit, doch auch für mich hat es sich gelohnt. Es fällt mir echt schwer wieder ins Geschäft zu müssen und mich an die vielen Regeln zu halten. Ich hatte nicht wirklich (selten) das Gefühl auf was verzichten zu müssen.
    • Lebenundlebenlassen 12.05.2020 12:59
      Highlight Highlight Muss dir leider ein Herz geben statt Blitz 😅
  • Lebenundlebenlassen 12.05.2020 06:42
    Highlight Highlight Als getrennt lebender Papa war es eine schöne Zeit. Die Kinder waren so oft bei mir wie noch nie. Ich konnte viel mehr Zeit mit ihnen verbringen. Während dieser Zeit wird einem wieder viel mehr bewusst um was es eigentlich im Leben geht. Ich hoffe sehr, dass dieser Gedanke und dieses Gefühl der Zusmmengehörigkeit, der Hilfsbereitschaft den Menschen nachhaltig in Erinnerung bleibt. Corona hatte und hat durchaus auch sein Gutes.
  • Neunauge 12.05.2020 06:41
    Highlight Highlight 16 von 19 Schülerinnen und Schüler haben mir gestern genau dieses Feedback gegeben, als ich sie fragte, was daa Beste an den 8 Wochen war. 😊

    Unf ich schliesse mich dem gerne an!
  • koalabear 12.05.2020 06:37
    Highlight Highlight Da wir das ganze Jahr durch viel gemeinsam machen, haben wir immer relativ viel Familienzeit. Nach 8 Wochen des permanenten Zusammenseins bin ich froh, auch mal wieder nur Zeit für mich zu haben. Ebenso werden die Gespräche wieder vielfältiger, da jeder etwas Neues zu erzählen hat. Wer jetzt gemerkt hat, dass zu wenig Zeit gemeinsam verbracht wurde, muss sich überlegen, was geändert werden kann.
  • scotchandsoda 12.05.2020 05:40
    Highlight Highlight "... Ende einer wunderbaren Zeit für viele Familien..." Leider nicht für alle... Bei uns, die nicht unter dem selben Dach und an verschiedenen Orten wohnen, sind alle froh wen der Sch... endlich vorüber ist und wir werden aus dieser Zeit aber auch nichts Positives mitnehmen.
  • DanielaK 12.05.2020 05:26
    Highlight Highlight Schön dass es euch so ging. Ich bin sehr froh dass es wieder normaler wird, denn von Familienzeit hatte ich nicht wirklich was. Ich war dank Überstunden im Verkauf noch weniger daheim als sonst. Klar, so schlimm wie in manchen Spitälern war es bestimmt nicht, aber es hat auch gereicht. Zum Glück haben meine Tochter und mein Mann das Homeschooling gut hingekriegt. Auf zu den letzten zwei Monaten des Schuljahres...
    • Lebenundlebenlassen 12.05.2020 12:58
      Highlight Highlight Aber die Tochter fand es sicher cool mal mit Papa zu Hause zu sein 😉
  • Lichtblau550 11.05.2020 23:43
    Highlight Highlight Sehr zauberhaft beschrieben, diese Zeit, die bleibt. Danke dafür.
  • Maria Cardinale Lopez 11.05.2020 23:32
    Highlight Highlight Schöne Gedankenspiele. Vielen Dank ging uns genau so.
    Ich hoffe, dass die zweite Welle nicht kommt, doch wenn Sie kommt, werden wir diese Zeit auch nochmals geniessen.

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