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Mietwohnungen Schweiz: Hier sind die Mieten am tiefsten

Umziehen, immer ein grosser Spass.
Umziehen, immer ein grosser Spass.bild: shutterstock

Hier gibt's die günstigsten Mietwohnungen – und in diesen Regionen wird's teuer

Wo gibt es in der Schweiz die günstigsten und teuersten Wohnungen zur Miete? Neben den üblichen Verdächtigen der Zürichsee- und Genferseeregion sind auch in anderen Gebieten die Preise hoch – allerdings lässt sich dies erklären.
12.03.2022, 09:50
Reto Fehr
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Knapp 60 Prozent aller Einwohner in der Schweiz sind Mieter, wie neuste Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen. Den grössten Anteil machen dabei Wohnungen mit drei Zimmern aus. Rund 850'000 davon werden in der Schweiz vermietet. Den höchsten Nettomietpreis muss man im Kanton Zug bezahlen.

Aber wie sieht es aus, wenn wir die Schweiz noch mehr aufteilen? Statt auf die 26 Kantone blicken wir auf die 101 Arbeitsmarktregionen. Diese seit 2019 geltenden Gebiete grenzen sich nach Lebens- und Arbeitsräumen ab und basieren auf den Bewegungen der Erwerbstätigen zwischen dem Wohn- und Arbeitsort.

Wir haben die Preise für 3,5-, 4,5- und 5,5-Zimmer-Wohnungen von Homegate-Inseraten im gesamten Jahr 2021 verglichen. Auf die Wohnfläche (Quadratmeter) oder andere Spezifikationen wurde dabei keine Rücksicht genommen. Wer genauere Resultate will, muss weitere Eigenschaften der Wohnungen wie Wohnfläche, Qualität, Lage, Raumgrösse, technische Einrichtungen und so weiter berücksichtigen. Trotzdem, für einen Überblick zeigt die Auswertung gute Resultate.

Simon Hurst, Senior Consultant Hedonic Products beim Immobilien-Bewerter IAZI/CIFI, sagt auf Anfrage: «Wenn ich mir die Resultate anschaue, dann kommt das im Grossen und Ganzen hin. Es gibt allerdings einige Ausreisser.» Auf diese Ausnahmen werden wir weiter unten eingehen. Es gibt aber eine Faustregel, welche seit Jahren gilt: «Je näher am Zentrum einer grossen Stadt, desto teurer wird's. Die Nachfrage ist dort grösser als das Angebot.»

Daten und Quellen
Wir haben alle Inserate aus dem Jahr 2021 von Homegate ausgewertet. Zusammengefasst haben wir diese in den 101 Arbeitsmarktregionen, da es auf Gemeinde-Ebene zu wenige Inserate pro Gemeinde gegeben hätte. Da in einigen Regionen trotzdem wenige Inserate vorhanden sind, haben wir nicht den Durchschnitt, sondern den Median der Preise gewählt. Um die Einschätzung der Daten zu vereinfachen, haben wir jeweils angegeben, ob in der entsprechenden Region mehr oder weniger als 50 Inserate aufgeschaltet wurden.

Für die Auswertung haben wir zudem extrem tiefe Mietangebote von unter 500 Franken weggelassen, ebenso im Luxusbereich von über 20'000 Franken. Die Ausreisser würden die Daten unnötig verzerren.

3,5-Zimmer-Wohnung

Im Jahr 2021 lag der tiefste Median für eine 3,5-Zimmer-Wohnung in den Arbeitsmarktregionen Visp und Samedan-Pontresina. Dass so tiefe Werte im Engadin registriert wurden, mag auf den ersten Blick erstaunen. Allerdings gehören zu dieser Arbeitsmarktregion auch strukturschwache Gebiete wie das Puschlav und Münstertal. So könnten kleinere und ältere Objekte an diesen Standorten die Messung beeinflusst haben.

Eine einzelne Wohnung gab es aber in diversen Regionen noch günstiger. Wir haben den tiefsten Mietpreis, wie in der Infobox erklärt, bei 500 Franken festgelegt. Dieser wurde neun Mal gefunden.

Deutlich tiefer in die Tasche greifen musste, wer in Le Grand-Saconnex bei Genf eine 3,5-Zimmerwohnung wollte. Der Medianpreis lag 2021 bei 4950 Franken, die billigste Wohnung gab es für 3100 Franken. Hurst erklärt: «Die Mieten in der Genferseeregion zählen zu den höchsten. Da spielt nicht nur die Lage am See eine Rolle, sondern auch das wirtschaftliche Potential.» Insgesamt sind die Regionen am Lac Léman und rund um den Zürichsee die teuersten:

Billigste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. Biasca: Medianpreis 950 CHF
  2. Tramelan–Valbirse: Medianpreis 995 CHF
  3. Delémont: Medianpreis 1075 CHF

Teuerste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. Le Grand-Saconnex: Medianpreis 4950 CHF
  2. Vernier–Lancy: Medianpreis 3500 CHF
  3. Thônex–Chêne-Bougeries: Medianpreis 3000 CHF

4,5-Zimmer-Wohnung

Auch bei den 4,5-Zimmer-Wohnungen sind die Gebiete rund um den Genfer- und Zürichsee mit am teuersten.

Was man bei all den Preisen gemäss Hurst nicht vergessen darf: «Bei der Auswertung handelt es sich um Inserate. Zum einen ist nicht klar, ob der verlangte Preis dann auch bezahlt wird, zum anderen geht ein Grossteil der Wohnungen unter der Hand weg.»

Für wenig Geld erhielt man dagegen 4,5-Zimmer-Wohungen im Jura, Neuenburg und Teile des Tessins. Moutier glänzt mit einem Medianpreis von 955 Franken. Und auch bei den günstigsten Regionen: Davos. «Davos und Moutier kann man punkto Preisniveau kaum vergleichen», warnt Hurst, «gut möglich, dass hier Spezialobjekte ausgeschrieben wurden, etwa kleine und günstige Personalwohnungen, die den Mietpreis nach unten drückten.»

Billigste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. La Chaux-de-Fonds: Medianpreis 1045 CHF
  2. Brig-Glis: Medianpreis 1050 CHF
  3. Biasca: Medianpreis 1075 CHF

Teuerste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. Genf: Medianpreis 3400 CHF
  2. Zürich: Medianpreis 3130 CHF
  3. Küsnacht (ZH)–Meilen: Medianpreis 2990 CHF

5,5-Zimmer-Wohnung

Moutier gehört auch bei den 5,5-Zimmer-Wohnungen zu den Spitzenreitern. Der Wohnungsmarkt in dieser Grösse war 2021 allerdings eher klein, so gab es in den 50 Arbeitsmarktregionen mit den tiefsten Medianpreisen in deren 17 weniger als 50 Inserate. Viele Angebote und trotzdem günstige Preise fand man in den Regionen Brig-Glis und La Chaux-de-Fonds.

Am teuren Ende der Liste sind einmal mehr die Regionen am Genfer- und Zürichsee. Vorne mischen aber auch die mondänen Touristenorte Zermatt (Median: 3800 CHF) und insbesondere St. Moritz mit. «In St. Moritz wurden 2021 bei uns zehn Inserate aufgeschaltet», sagt Fabian Korn, Mediensprecher bei Homegate. Der Medianpreis liegt bei sage und schreibe 13'365 Franken. Die billigste Wohnung in dieser Grösse konnte man für 2950 Franken mieten, für die teuerste muss man monatlich 16'729 Franken hinblättern.

Simon Hurst relativiert die nackten Zahlen: «Wir haben hier zu wenige Details von den Objekten, aber St. Moritz ist ein spezieller Markt. Ich gehe davon aus, dass es sich bei vielen Inseraten um Ferienobjekte, meist Luxuswohnungen, handelt.» Es sei auch bei Erstwohnungen in der Region St. Moritz nicht einfach, etwas zu finden. Aber die Preise dürften da deutlich tiefer liegen.

Billigste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. Brig-Glis: Medianpreis 1435 CHF
  2. La Chaux-de-Fonds: Medianpreis 1490 CHF
  3. Widnau-Au: Medianpreis 1655 CHF

Teuerste Regionen mit mindestens 50 Inseraten:

  1. Zürich: Medianpreis 4275 CHF
  2. Genf: Medianpreis 4200 CHF
  3. Nyon: Medianpreis 4000 CHF
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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hadock50
12.03.2022 13:41registriert Juli 2020
Statt der Neutralitätsinitiative würden man besser mehr bezahlbare und weniger Luxuswohnungen Initiative starten.....
Aber die SVP so 🙈🙉🤷‍♀️
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Likos
12.03.2022 11:55registriert Januar 2014
Warum wird eigentlich immer die Anzahl Zimmer als Basis genommen? Die Preise orientieren sich doch eher an den Quadratmetern.
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Hadock50
12.03.2022 13:40registriert Juli 2020
Wo hat man die günstigsten aufgeführten Wohnungen gefunden ?
Sind da Nebenkosten nicht dabei oder wo ist da der Hacken ?
Ich kann das nicht glauben 3.5 Zimmer in Zürich für 500 Chf ?
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