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Armut kann fast jede(n) treffen: Schweiz zeigt sich solidarisch

An rund 80 Orten in der Deutschschweiz und in der Romandie zündeten am Samstag Menschen Kerzen an – sofern es das stürmische Wetter zuliess.
An rund 80 Orten in der Deutschschweiz und in der Romandie zündeten am Samstag Menschen Kerzen an – sofern es das stürmische Wetter zuliess.Bild: caritas

Armut kann fast jeden treffen: Schweizer Bevölkerung zeigt sich solidarisch

14.12.2019, 19:3117.12.2019, 16:23

Die Hilfsorganisation Caritas hat am Samstag die Solidarität mit Armutsbetroffenen sichtbar gemacht, wie die Organisatoren in einer Mitteilung schreiben: Zum 15. Mal leuchteten an rund 80 Orten in der Schweiz im Rahmen von «Eine Million Sterne» imposante Lichtermeere aus Kerzen.

Roland Schuler, Koordinator der Aktion «Eine Million Sterne»:

«Der vielerorts grosse Publikumsaufmarsch zeigt eindrücklich: Die solidarische Schweiz lebt. Es scheint vielen ein Bedürfnis zu sein, sich mit Menschen solidarisch zu zeigen, die weniger haben. Wir von Caritas hoffen, dass viele Betroffene die Kerzen für sie leuchten sahen.»

Immer mehr Menschen sind arm

Die letzte Erhebung des Bundesamts für Statistik ergab laut Caritas, dass 675'000 Personen in der Schweiz armutsbetroffen sind. Tendenz sogar steigend. Ihnen reichten ihre Einkünfte nicht, um sich selber über Wasser zu halten. Noch einmal so viele lebten knapp über dem Existenzminimum. Sie seien oft nur eine unvorhergesehene Arztrechnung entfernt von der Armutsschwelle. Zur finanziellen Misere geselle sich oft die Scham, in der reichen Schweiz arm zu sein.

Wegen starker Winde konnte das Lichtermeer nicht überall angezündet werden.
Wegen starker Winde konnte das Lichtermeer nicht überall angezündet werden.bild: caritas

Die Erfahrungen von Caritas zeigten leider eindrücklich: Es sei ercheckend einfach, in der Schweiz unverschuldet in Armut zu geraten. Oft reichten schon eine Trennung oder gesundheitliche Probleme. Es drohe eine Abwärtspirale. Um diese zu stoppen, brauchten Betroffene Unterstützung und die Solidarität anderer.

(dsc)

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Solidarität mit armen Menschen in der Schweiz
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Solidarität mit armen Menschen in der Schweiz
Freiwillige Helfer haben am Samstag im Rahmen der Caritas-Aktion «1 Million Sterne» Kerzen auf dem Bundesplatz in Bern platziert.
quelle: keystone / marcel bieri
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In der Schweiz wird ein Drittel der Lebensmittel weggeworfen
Video: srf
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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FITO
15.12.2019 03:48registriert April 2019
Einfach nur "gschämig" für eines der reichsten Länder dieses Planeten.
Und all die prähistorischen und verkrusteten Fossilen aus der neu gewählten Plauderstube sind nun erst mal damit beschäftigt die lukrativsten Lobbymandate zu evaluieren und auf dem Status Quo zu beharren.
Aber dann 24 Milliarden für irgendwelche unsinnigen Anschaffungen wie Kriegsspielzeug zu budgetieren, davor haben sie dann keine Skrupel.

Einfach um noch einmal die Präambel der Bundesverfassung Art. 1 in Erinnerung zu rufen:
«Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.»

http://www.caritas.ch/de/news/armut-steigt-um-10-prozent-die-schweiz-braucht-endlich-eine-verbindliche-armutspolitik.html
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Siro97
15.12.2019 08:32registriert November 2017
Erschreckend und traurig zugleich diese Zahlen. Und eine gewisse Partei will weiter fleissig Sozialhilfe sparen.. Unverständlich und zeigt von nicht wirklicher Empathie.
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Andre Buchheim
14.12.2019 19:45registriert November 2019
Die Armut hat als Fundament den aus Gier entstandenen Reichtum auf der anderen Seite.
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