Schweiz
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Das Bundesamt für Zivilluftfahrt plant keine neuen Regelungen zum Umgang mit Drohnen.  foto: chris iseli/aargauerzeitung

Drohnen am Flughafen: Crash gemäss Experten nur «Frage der Zeit»

Trotz Beinahe-Crash eines Flugzeuges mit einer Drohne sieht das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vorerst keinen Handlungsbedarf.

S. schuppli und b. rosch / Aargauer Zeitung



Alles verläuft normal auf diesem Abendflug am 14. Juli von Amsterdam nach Basel. Die Passagiere sind angeschnallt, die Tischchen hochgeklappt. Landung in zwei Minuten. Der Easyjet-Airbus G-EZPA fliegt jetzt über das dicht besiedelte Dorf Binningen und dann über Grossbasel West.

Dann fährt den Piloten im Cockpit der Schreck in die Knochen: Genau vor ihnen, in der Anfluglinie, taucht eine weisse Drohne mit roten Lichtern auf. In rund zehn Meter «in vertikaler Entfernung», wie es im Untersuchungsbericht heisst, saust der orange Airbus an dem Flugobjekt vorbei. Bei einer Geschwindigkeit von rund 300 Stundenkilometern bleibt keine Zeit für ein Ausweichmanöver. Unverzüglich meldet der Kommandant die Fast-Kollision dem Flugverkehrsleiter.

Mehrere Fast-Kollisionen

Passiert ist effektiv nichts, Passagiere und Flugzeug sind heil am Boden angelangt. Doch bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) schrillen die Alarmglocken. Ein zweiter vergleichbarer Fall am Euro-Airport trug sich am 10. März auf der nördlichen französischen Seite zu. Und in Zürich sind dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mindestens drei Fast-Kollisionen mit Drohnen bekannt.

Es sei «nur noch eine Frage der Zeit», bis es zu einer Kollision komme, warnt die Sust. Die heutigen Drohnen werden von den Kollisionswarngeräten der Linienflugzeuge nämlich nicht erfasst. Eine Kollision mit einer ganz leichten Drohne muss dabei nicht unbedingt fatal enden. Aber wenn sie im Landeanflug oder beim Start in das Triebwerk gelangt, kanns gefährlich werden, weil dieses je nachdem ausfällt oder sogar explodiert. Wie ein Wohnquartier aussieht, in dem ein Jet gestürzt ist, muss man niemandem beschreiben.

Im ersten, oben beschriebenen, Fall waren Flugzeug und Drohne je 400 Meter über Boden unterwegs. Deutlich mehr als die erlaubten 150 Meter im weiteren Perimeter des Flughafens. Ob der Drohnenpilot dies wusste, ist offen. Gemäss der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) gibt es drei mögliche Straftatbestände in einem solchen Fall: Störung des öffentlichen Verkehrs, Gefährdung von Leib und Leben sowie Widerhandlung gegen das Luftfahrtgesetz. «Nachdem der Pilot den Flughafen über den Vorfall in Kenntnis gesetzt hat, wurde zuerst die Gendarmerie und durch diese die Polizei verständigt», sagt Stawa-Sprecher Peter Gill. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei verliefen schliesslich im Sand. Der Fall liegt inzwischen bei den Bundesbehörden.

Bazl will keine Gesetzesänderung

Während einige wenige Politikerinnen und Politiker aktiv wurden, sieht man sich beim Bundesamt für Zivilluftfahrt nicht zu direktem Handeln gedrängt. Aber die Gesetzgebung müsse mit der raschen technologischen Entwicklung mitziehen. In der Schweiz gelten zwar bereits klare Regelungen und Gesetze zum Umgang mit Drohnen (siehe Box). Da dies in anderen europäischen Ländern teilweise noch nicht der Fall sei, erarbeite die Europäische Agentur für Flugsicherheit derzeit harmonisierte Regulierungen, basierend auf dem schweizerischen System. «Solange diese Erarbeitung läuft, sieht das Bazl nicht vor, grössere Anpassungen an den schweizerischen Gesetzesgrundlagen zu machen.»

Das sagt das Gesetz

In der Gesetzgebung für Drohnen ist die Schweiz deutlich liberaler als das Ausland. Hierzulande gilt: Für Drohnen unter 30 Kilogramm braucht es keine Bewilligung. Ab 500 Gramm muss allerdings eine Haftpflichtversicherung im Umfang von mindestens einer Million Franken eingelöst sein. Der Pilot muss zudem immer in Sichtkontakt mit seinem Flugobjekt stehen. Geflogen werden darf nicht im Umkreis von fünf Kilometern um einen Flugplatz. Dieser kann eine Ausnahmebewilligung erlassen. In der Kontrollzone darf eine Flughöhe von 150 Metern nicht überschritten werden. Weitere Vorschriften – etwa die Gefährdung von Personen auf der Erde – ist Sache der Kantone. (nch)

Zwar arbeitet das Bazl momentan an einer Registrierungspflicht für Drohnen. Dafür ist jedoch erst ein Grundsatzentscheid gefallen. Damit überhaupt eine solche Registrierungspflicht eingeführt werden kann, müssten zuerst technische Voraussetzungen geklärt werden, müsste das Parlament das Vorhaben absegnen, die Gesetzesbestimmungen müssten angepasst und Datenschutzfragen geklärt werden. Vorgesehen ist ein Chip-System.

Seit kurzer Zeit ist auf der Website des Bazl eine interaktive Karte aufgeschaltet, welche die Drohnensperrzonen zeigt. Ebenso gibt es eine App, die anzeigt, ob man sich aktuell in einem Sperrgebiet befindet.

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Blau: Zone mit eingeschränktem Flugverbot (150 m über Grund). Rot: Zone mit Flugverbot (5 km Pistenabstand). grafik: bazl

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • yellowastra 30.05.2017 22:26
    Highlight Highlight Viel gefährlicher sind und beiben Birdstrikes für Flugzeuge.
  • 7immi 30.12.2016 12:31
    Highlight Highlight der hersteller von antikollisionsgeräten für segelflugzeuge und leichtflugzeuge FLARM entwickelt derzeit ein entsprechendes gerät für drohnen. passagierflugzeuge haben dieses system nicht, dafür aber viele leichtflugzeuge, segelflugzeuge, einige gleitschirmler, die rega flotte uvm. dies würde die sicherheit schonmal erhöhen.
    die gesetze reichen sicher, an der durchsetzung hapert es leider. die fehlbaren drohnenpiloten sind sich dessen oft nicht bewusst. so gesehen ist es sehr gut, dass watson darüber berichtet und sensibilisiert :) gerade nach weihnachten ein wichtiges thema!
  • Madison Pierce 30.12.2016 09:28
    Highlight Highlight Dumme Leute gibt es überall, in Kombination mit leicht erhältlichen flugbereiten Drohnen wird es gefährlich.

    Es nervt. Früher wurde meine selbst gebaute Drohne neugierig bestaunt und ich wurde ausgefragt. Heute dominieren die kritischen Blicke.
    • gesetzesbecher 30.12.2016 14:28
      Highlight Highlight Gegen die uninformierten Benutzer helfen allerdings auch keine strengeren Gesetze, da sie auch diese nicht kennen werden...
    • CASSIO 31.12.2016 11:13
      Highlight Highlight @Madison Pierce: klar wirst Du heute kritisch beäugt, wenn es heute unter den Drohnenpiloten von Schwachmaten nur so wimmelt. Da schwadern Drohnen vor Fenstern, über Köpfen, in der Stadt, beinahe überall kann man auf eine Drohne treffen, und beinahe überall kann einen eine Drohne treffen. Es braucht Regeln, es braucht exorbitante Bussen, weil der Mensch einmal mehr nicht mit der ihm geschenkten Freiheit umgehen kann. Das Übel sind nicht die Gesetzgeber, sondern diejenigen, die nicht verantwortungsvoll mit der Freiheit umgehen können. Diesen Idioten haben wir strengere Gesetze zu verdanken.
  • Silly FPV 30.12.2016 07:48
    • 7immi 30.12.2016 12:24
      Highlight Highlight damit etwas als nicht gefährlich ist, muss eine gefährdung ausgeschlossen werden können. nur weil es nicht wahrscheinlich ist, kann es dennoch passieren. es galt auch als unwahrscheinlich, dass 4 triebwerke gleichzeitig ausfallen. entsprechende checklisten wurden also eingespart. bis es dann passierte...
      so ist es nunmal in der luftfahrt, murphy lauert überall.
  • Keller101 30.12.2016 07:00
    Highlight Highlight Das Zustandekommen jeglichen Ereignisses ist eine Frage der Zeit, das ist Statistik. Für diese Aussage braucht es für einmal keinen Experten.
  • Miikee 30.12.2016 07:00
    Highlight Highlight Wer noch mehr Informationen zum Vorfall möchte hier:
    http://avherald.com/h?article=49c0abba&opt=0
  • Schizo 30.12.2016 06:09
    Highlight Highlight Link oder Name der im Text erwähnten App?
    • SemperFi 30.12.2016 07:08
      Highlight Highlight Einfach anklicken, ist doch nicht so schwer oder?
    • Miikee 30.12.2016 08:12
      Highlight Highlight @Schizo
      Auf den Link klicken. Die Website gibt es auch als Mobile Version, einfach so speichern. Eine App habe ich auch nicht gefunden zumindest im Android Play Store ist nichts vom BAZL zu finden.

Facebook sperrt Petition gegen Homo-Ehe – zum Ärger der EDU

Eine Petition, die sich gegen die «Ehe für alle» in der Schweiz ausspricht, wurde von Facebook gesperrt. Die Petition verstosse gegen die Gemeinschaftsstandards der Plattform, so die Begründung. Das stösst der EDU sauer auf.

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