DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sollen Schulkinder Masken tragen? Darüber sind sich die Task Force und die Kinderärzteschaft uneins.
Sollen Schulkinder Masken tragen? Darüber sind sich die Task Force und die Kinderärzteschaft uneins.
Bild: keystone

«Ich will nicht, dass meine Kinder durchgeseucht werden»: Eltern kritisieren Kinderärzte

Verbände aus der Kindermedizin wollen die Schutzmassnahmen an den Schulen auf ein Minimum beschränken. Das ruft Eltern auf den Plan.
25.09.2021, 14:2127.09.2021, 06:38

Schulkinder schützen oder das Coronavirus im Klassenzimmer frei laufen lassen? Diese Frage sorgt momentan für rote Köpfe. Die Verbände Pädiatrie Schweiz und Kinderärzte Schweiz (KIS) plädieren seit Anfang Woche dafür, die Massnahmen an Schulen auf ein Minimum zu reduzieren. Jetzt reagieren einige Eltern.

«Wir sind schockiert von dem, was Pädiatrie Schweiz will», sagt Jonas Hostettler. Er ist Vater und Mitglied von «Protect The Kids». Zusammen mit zwei weiteren Elternorganisationen hat sie einen offenen Brief an Pädiatrie Schweiz verfasst, in dem die neue Empfehlung angeprangert wird.

Kinder sollen «durchgeseucht» werden

Im Brief heisst es, Pädiatrie Schweiz spreche von einer «auf Durchseuchung angelegte Strategie» und gehe nicht auf mögliche Langzeitfolgen wie Long Covid ein. Ausserdem widerspreche die Fachgesellschaft den Richtlinien der Schweizer Task Force sowie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC und Pädiater AAP. Diese empfehlen beide, Kinder unter 12 Jahren zu schützen.

Hostettler von Protect The Kids ist besorgt: «Es wäre fatal, wenn die Schulen und Kantone ihre Massnahmen entsprechend der Empfehlung von Pädiatrie Schweiz weiter lockern würden. Ich habe zwei Kinder und will nicht, dass sie durchgeseucht werden.» In Hostettlers Augen sollten Massnahmen wie Quarantäne und Maskenpflicht so lange aufrecht gehalten werden, bis sich auch unter 12-Jährige impfen lassen können.

Die Empörung der Eltern bezieht sich auf die Mitteilung «Schulmassnahmen in der 4. Welle», welche Pädiatrie Schweiz zusammen mit KIS am Montag publiziert hat. Darin wird argumentiert, dass Kinder nicht wieder zur «Zielscheibe belastender Massnahmen» werden sollen, «die medizinisch nicht gerechtfertigt» seien. Die hohen Quarantänezahlen gefährden den Schulbetrieb und das Maskenobligatorium sei in der Primarschule zu hinterfragen, heisst es. Ausserdem sei der Effekt von Luftfilteranlagen bezüglich SARS-CoV-2 wenig erforscht.

«Krankheitslast von Corona ist gering»

Pädiatrie Schweiz wollte am Freitag keine Stellung zum offenen Brief der Elternorganisationen nehmen. Jedoch hat Vorstandsmitglied Christoph Aebi die Position der Organisation vergangene Woche präzisiert. «Die von Corona ausgehende Krankheitslast ist vergleichsweise sehr gering», sagte er in einem Interview mit SRF «News». Beispielsweise das Grippevirus Influenza habe eine weit höhere Krankheitsbürde für Kinder. Hingegen die Schäden von ausgedehnten Quarantänen seien massiv: «Psychische Störungen, Depressionen oder Übergewicht – das ist deutlich höher zu gewichten als die medizinischen Folgen der Infektion», so der Kinder-Infektiologe.

Aebi gibt zu Bedenken, dass man nicht weiss, was noch auf uns zukomme und was sinnvoll sei. Es könnten sich zusätzliche Varianten entwickeln, die ansteckender und virulenter sind. «Dann müssten wir uns fragen, warum wir die Kinderpopulation nicht früher durchseuchen liessen, jetzt, wo wir sie noch nicht impfen lassen können.»

Task Force und BAG widersprechen

Auch der Verband der Schulärztinnen und Schulärzte unterstützt die Haltung von Pädiatrie Schweiz und KIS. Ganz im Gegensatz zur Covid-19 Task Force. Die empfiehlt weiterhin: Maskentragen, regelmässiges Testen, Lüften und CO2-Sensoren einsetzen. Auf Anfrage heisst es: «Die Task Force sieht in der hohen Viruszirkulation zum jetzigen Zeitpunkt verschiedene Risiken. Zum Bremsen des Infektionsgeschehens empfiehlt sie auf Massnahmen mit niedriger Beeinträchtigung zurückzugreifen.»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) spricht ebenfalls nicht davon, Massnahmen an Schulen zu reduzieren. Es werde weiterhin empfohlen, dass sich Kinder ab 12 Jahren impfen lassen sollen und alle anderen repetitiv zu testen. «Das Ziel ist, positive Fälle zu erkennen und zu isolieren, um die Übertragung zu verlangsamen», sagt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder.

Ungeimpfte werden sich anstecken

Gleichzeitig betont Dauwalder, dass Kinder und Jugendliche «in aller Regel keine oder nur geringe Symptome aufweisen.» Schwerwiegende und langfristige Folgen seien selten. Da die Delta-Variante hoch ansteckend ist und der Bund die Massnahmen nach und nach lockert, rechnet das BAG mit einer klaren Folge: «Es ist zu erwarten, dass alle Nicht-Geimpften Kontakt mit dem Virus haben werden.»

In einem Punkt sind sich die unterschiedlichen Gremien jedoch einig: Die Schulen sollen offen bleiben. Mit welchen Schutzmassnahmen das geschehen soll, entscheiden die Kantone.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

24 Kinder, die Anweisungen ihrer Eltern zu wörtlich nehmen

1 / 26
24 Kinder, die Anweisungen ihrer Eltern zu wörtlich nehmen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Sohn crasht TV-Interview seiner Mutter und winkt mit Phallus-Karotte

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zertifikate-Dealer packt aus: «Wir versorgen hauptsächlich Schweizer Kunden»

Bei Recherchen zu gefälschten Impfausweisen ist watson auf einen weiteren Anbieter in Deutschland gestossen, der gültige Zertifikate verkauft. Angeblich handelt es sich um eine Bande, die halb Europa beliefert.

Die Nachricht erreichte mich am vergangenen Dienstag über Threema: «Hey, ich verkaufe EU-Zertifikate.»

Der unbekannte Absender, dessen Pseudonym hier nicht verraten werden soll, fügte ein Zwinker-Smiley an. Und nachdem ich in den vergangenen Wochen intensiv zu den betrügerischen Angeboten bei Telegram recherchiert hatte, fiel meine Antwort äusserst kurz aus. Nämlich: «😂👍».

Ich ging davon aus, dass es sich um einen schlechten Scherz oder um einen Wichtigtuer handelte, getriggert durch den …

Artikel lesen
Link zum Artikel