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Bern Marzili

Kurzer Weg zum Bundeshaus: Die Polit-WG befindet sich im Berner Marzili-Quartier. Bild: shutterstock

Grüne, FDP und SVP unter einem Dach – Jung-Nationalräte gründen Polit-WG in Bern

Die Nationalräte Franziska Ryser (Grüne), Mike Egger (SVP) und Andri Silberschmidt werden während den Sessionen in Bern in einer Wohngemeinschaft zusammenwohnen.

michael genova / ch media



Am kommenden Montag haben die frisch gewählten St.Galler Nationalrätinnen und Nationalräte ihren ersten Arbeitstag. Nur wenige Wochen hatten sie Zeit, um ihr neues Leben als Bundesparlamentarier zu organisieren. Eine kreative Lösung haben die Grüne Franziska Ryser und SVP-Mann Mike Egger gefunden: Sie gründen in Bern eine überparteiliche Wohngemeinschaft.

Drittes Mitglied im Bund ist der ebenfalls neu gewählte Zürcher FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, von dem die Idee ursprünglich stammt.

Günstige Lösung

Zusammengefunden haben die drei vor allem aus praktischen Gründen: «Eine WG ist am Schluss günstiger als ein Hotelzimmer», sagt Mike Egger. Die Wohnungssuche in Bern ist schwierig. Viele Hotelzimmer sind bereits für eine ganze Legislaturperiode im Voraus reserviert. Die Wohnung im Marziliquartier haben die drei Jungpolitiker für das ganze Jahr gemietet. Auch wenn sie während der vier Sessionen jeweils nur drei Wochen in Bern wohnen werden.

Nationalrat Mike Egger (St. Gallen), posiert an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz, am Samstag, 26. Januar 2019, in Gossau. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Wird sein Zimmer spartanisch einrichten: Mike Egger. Bild: KEYSTONE

Heruntergerechnet auf die rund 50 Sessionstage in Bern werde ihn das WG-Zimmer pro Nacht rund 170 Franken kosten – etwas weniger als ein durchschnittliches Hotelzimmer, rechnet Egger vor. Sein WG-Zimmer werde er relativ spartanisch einrichten. «Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl.» Die meiste Zeit werde er ohnehin im Bundeshaus verbringen.

Eine Grüne, ein SVPler und ein Freisinniger: Mike Egger sieht in der politisch fein austarierten WG eine tiefere Botschaft. Es heisse immer, Bundesbern sei zerstritten. «Das stimmt nicht», sagt er. Es sei wichtig, dass sich Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Lager auch menschlich gut verstünden. Nur so seien politische Kompromisse möglich.

Politische Allianzen aus dem Wohnzimmer

Franziska Ryser findet es praktisch, in Bern ein WG-Zimmer zu haben. Darüber hinaus könne der überparteiliche Austausch wertvoll sein, und es sei gut, wenn sich junge Politiker in Bern vernetzten. So könne ihre Perspektive in die Bundespolitik einfliessen. Ryser ist 28 Jahre alt, Mike Egger 27 und Andri Silberschmidt 25.

Die St. Galler Staenderatskandidatin Franziska Ryser, rechts, von den Gruenen gibt einem Journalisten vor dem Eingang zum Pfalzkeller in St. Gallen ein Interview, aufgenommen am Sonntag, 20. Oktober 2019, anlaesslich der Eidgenoessischen Nationalrats- und Staenderatswahlen 2019 im Kanton St. Gallen aus dem St. Galler Pfalzkeller. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Die Grüne Franziska Ryser findet den überparteilichen Austausch wertvoll. Bild: KEYSTONE

Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Wohnzimmer der ostschweizerisch-zürcherischen WG schon bald überparteiliche Projekte geschmiedet werden. Egger sagt: «Ich bin nicht abgeneigt, unheilige Allianzen einzugehen.»

Es wäre tatsächlich nicht das erste Mal, dass der St.Galler SVP-Politiker mit Politikerinnen und Politikern der Gegenseite zusammenspannt. So reichte er im September gemeinsam mit der basellandschaftlichen SP-­Nationalrätin Samira Marti einen Vorstoss ein. Um die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen, forderten die beiden ein Werbeverbot für Krankenkassen und einen Maximallohn für deren Chefs.

Andri Silberschmidt, Sieger 5vor12 und Praesident Jungfreisinnige am Event

Der dritte im Bunde ist FDP-Neo-Nationalrat Andri Silberschmidt. Bild: PPR

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • outdoorch 29.11.2019 07:36
    Highlight Highlight Only in Switzerland.
    Und ich meine dies absolut im positiven Sinne.
  • Rethinking 28.11.2019 16:05
    Highlight Highlight Hört sich soweit gut an. Insbesondere wenn dem Steuerzahler dadurch Kosten erspart würden.

    Zwei Punkte zum nachdenken:

    1. Der ökologische Fussabdruck einer Zweitwohnung scheint mir riesig.

    2. Ich hoffe in Bern gibt es keine Wohnungsknappheit? Wäre schade würde eine Wohnung vom Markt genommen damit sie dann die meiste Zeit leer steht
    • Howard271 29.11.2019 10:53
      Highlight Highlight „Dem Steuerzahler“ werden dadurch keine Kosten erspart. Die Parlamentarier erhalten eine Pauschale pro Nacht, wie sie das ausgeben, ist ihre Sache.
  • Hofer Ernst 28.11.2019 15:20
    Highlight Highlight Da bin ich ja gespannt ob das gut rauskommt, wie sagt man so schön Gegensätze ziehen sich an....
  • Bruuslii 28.11.2019 12:10
    Highlight Highlight die jungen zeigens den alten mal wieder 👍🏻
  • Goldjunge Krater 28.11.2019 11:14
    Highlight Highlight Sehr cool! 👍
  • Alphonse Graf Zwickmühle 28.11.2019 11:01
    Highlight Highlight Werden wir bald ein grünliberales Baby haben mit SVP Götti?
  • Super8 28.11.2019 11:01
    Highlight Highlight Finde ich grossartig und macht Hoffnung.
  • PC Principal 28.11.2019 11:00
    Highlight Highlight Finde ihch gut. Für den Rest des Jahres können sie ja die Wohnung über Airbnb vermieten, dann haben andere Leute auch noch was davon und sie machen sogar noch Gewinn.
    • kettcar #lina4weindoch 28.11.2019 16:15
      Highlight Highlight Hat Andri Silberschmidt sicher schon hinter dem Rücken der anderen beiden angedeichselt, dass er den Profit maximieren kann :)
    • PC Principal 28.11.2019 18:32
      Highlight Highlight @kettcar: Profitmaximierung ist immer gut. Auch aus ökologischer und sozialer Sicht ist es sinnvoll, das Zimmer auf Airbnb zu vermieten, wenn man es einige Zeit im Jahr nicht braucht.
  • Marcel_W 28.11.2019 10:37
    Highlight Highlight Hat Charles Lewinsky die Sitcom-Rechte an der Story schon gekauft, oder kann ich mir die noch sichern?
  • lykkerea 28.11.2019 10:33
    Highlight Highlight Ich war 3 Monate auf Wohnungssuche und die bewohnen die Wohnung nur drei Wochen im Jahr😂 Merci
    • goschi 28.11.2019 12:42
      Highlight Highlight nein, 4x drei Wochen
      und wer weiss, vielleicht auch noch während Kommissionssitzungen und mal für einen Ausflug nach Bern und ... vielleicht vermieten sie es temporär an andere...
    • Howard271 28.11.2019 13:00
      Highlight Highlight In der regel tagt jede nr-kommission 8x2 tage im jahr, dazu gibt es noch diverse anlässe und fraktionssitzungen, etc. Sie werden alle in mindestens einer, vielleicht auch 2 kommissionen sein. Da kommt also noch einiges mehr als nur die 12 wochen session...
  • Fairness 28.11.2019 10:26
    Highlight Highlight Das macht Hoffnung!
  • goschi 28.11.2019 10:24
    Highlight Highlight finde ich sehr sympathisch, Vorbildlich und schlicht cool

    Wir sind ein land der politischen Konkordanz, nicht der parteipolitischen Grabenkriege, diese jungen Politiker zeigen das beispielhaft auf.
    • Kubod 28.11.2019 12:13
      Highlight Highlight Nur in der Schweiz;)
      Für Gesprächsstoff ist gesorgt beim gemeinsamen Abwaschen.
  • Chili5000 28.11.2019 10:18
    Highlight Highlight Wird bestimmt witzig wenn der Egger Nachhause kommt und die Ryser fragt was es zu essen gibt...

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Die vom Bundesrat in Aussicht gestellte Unterstützung der Luftfahrt wird in linksgrünen Kreisen sehr kritisch beäugt. Sie wollen kein Rettungspaket ohne Auflagen für mehr Klimaschutz und verlangen Nachbesserungen. Die FDP warnt hingegen vor der Vermischung der kurzfristigen Hilfe mit der langfristigen Klimapolitik.

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