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Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, geben Sie den Piloten, was sie wollen ...»

Die SP möchte keine teuren Kampfflugzeuge, sondern lieber günstige. Doch was die Linke oder das Parlament in Sachen Kampfflugzeuge wollen, ist egal. Nur die Piloten müssen es mögen.



Liebe Frau Amherd

Sie haben ja einen recht guten Start gehabt als Sport- und Verteidigungsministerin. Zwar haben Sie unverzeihlicherweise das Eidgenössische geschwänzt wegen eines Badminton-Turniers, aber das haben die Politkommentatoren nicht gemerkt, weshalb Ihre Einstandskritiken trotz dieses monumentalen Affronts fast schon überschwänglich waren.

Diese rührten vor allem von Ihren beherzten Aufräumaktionen im VBS her, wo Sie die Burgen der Spesenritter tüchtig ausgeräuchert und mit Hilfe eines Alt-Astronauten die anstehende Kampfflugzeug- von der Boden-Luft-Raketenbeschaffung entmischt haben.

Letzteres war das einzig Richtige, denn auf die Einheit der Materie muss bei solch spektakelwertigen Beschaffungsgeschäften ganz genau geachtet werden, um eine saubere Lösung hinzukriegen. Und das ist sehr wichtig, denn der Ausgang dieses Geschäfts wird die Bilanz Ihrer Amtszeit massgeblich prägen.

Noch richtiger als die Entkoppelung von Raketen- und Flugikauf war nur noch, die Referendumsabstimmung über diesen 6-Milliarden-Posten unabhängig vom Typen-Entscheid durchführen zu lassen. Erst das Budget beschaffen, dann den Flieger auswählen.

Das Problem des Gripen, der an der Urne krachend zerschellt ist, war ja nicht, dass er ein schlechtes oder zu teures Flugzeug gewesen wäre. Das Problem des Gripen war schlicht und einfach, dass Ihre Piloten und Offiziere ihn nicht haben wollten, weil zu wenig potent. Das war deren Vorgesetzten und VBS-Chef Ueli Maurer aber offensichtlich egal, wie später herauskam. Er dachte, er brächte den Gripen auch gegen den Willen der Piloten und Offiziere durch. Nun, das hat nicht so gut geklappt.

Dass nun die SP Ihren Plan aus Umweltschutz- oder anderen Gründen bereits auf der Budget-Ebene torpedieren und auf Anraten amerikanischer Experten lieber für weniger Geld ein italienisches Leichtflugzeug kaufen will, ist zwar mühsam, aber eigentlich wurscht. Durchziehen werden die das nicht, wenn sie nicht in Kauf nehmen wollen, dafür verantwortlich zu sein, dass die Schweiz in wenigen Jahren ganz ohne Kampfjet-Flotte dasteht.

Denn genau das droht, wenn die Luftwaffe und das Offizierskorps jetzt nicht den Flieger bekommen, den sie wollen. Eine weitere Beschaffungsodyssee halten die F/A18 nicht durch, und wie die Erfahrung zeigt, ist die Offizierslobby stark genug, einen ihr missliebigen Beschaffungsentscheid durch schädliche Leaks erfolgreich zu torpedieren.

Das gilt, wenn eine parlamentarische Subkommission den Flieger auswählt, wie beim Gripen geschehen. Das gilt vermutlich noch mehr, wenn ein rotgrünes Parlament italienische Leichtflugzeuge beschaffen will. Und es gilt – so ist zu befürchten – auch und gerade im aktuellen Geschäft, wenn die Beschaffungsexperten von Luftwaffe und Armasuisse die Evaluation zur Typenauswahl selbst vornehmen und ihre Vorstellungen dann nicht berücksichtigt werden.

Sie können es sowieso nicht allen recht machen, und die Schweiz braucht eine einigermassen glaubwürdige Luftverteidigung. Deshalb müssen Ihre Prioritäten beim unvermeidlichen bundesrätlichen Interessenausgleich klar auf Seiten Ihrer Offiziere und der Luftwaffe liegen.

Oder kurz: Geben Sie den Piloten den Flieger, den sie wollen.

Liebe Grüsse

Maurice Thiriet

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Diese vier Kampfjets sind in der engeren Auswahl

Die Schweizer Armee präsentiert erste F/A-18-Pilotin

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