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Offen gesagt

«Liebe Brasserie Lorraine, dafür bleibt dir der Gruppensex erspart...»

Offen gesagt

«Liebe Brasserie Lorraine, dafür bleibt dir der Gruppensex erspart ...»

Die Brasserie Lorraine steht schon wieder in den Schlagzeilen. Dieses Mal, weil sie Armeeangehörige nicht bedient hat. Sie erfüllt damit weiterhin ihre Brennpunktfunktion im Generationenkonflikt.
28.09.2022, 14:4328.09.2022, 16:36
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
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Liebe Brasserie Lorraine

Ich habe schon viel von dir gelesen. Gefühlt haben alle über 40 mit Zugang zu Internet und Tastatur sich schon über dich ausgelassen. Weil du ein Konzert hast abbrechen lassen. Wegen einer Frisur, die unter dem Aspekt der «Cultural Appropriation» unzulässig sei.

Nun hast du es wieder getan und dich geweigert, Angehörige der Armee zu bedienen, die sich ihrer Uniformen nicht entledigen wollten. Auch dafür wirst du gebasht.

Und ich prophezeie: Es wird nicht lange dauern, bis du das nächste Mal Gegenstand landesweiter, wenn nicht internationaler Empörungs-Berichterstattung wirst. Nur, weil du deine radikalprogressiven gesellschaftspolitischen Vorstellungen am Exempel statuierst.

Lass dich davon bloss nicht beirren, es ist genau das, was du tun musst.

Vermutlich kannst du dich noch erinnern an die Jugendbewegung der 68er? «Wer zwei Mal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment», skandierten die. Und sie frönten zum Entsetzen ihrer bürgerlichen Elterngeneration vor den Kameras der Weltmedien in der «Kommune 1» der freien Liebe.

Was den 68ern die «Kommune 1» war, bist du der Jugendbewegung der Millennials und der Generation Z: Gebäude gewordene Projektionsfläche der Rebellion gegen die Elterngeneration.

Vermutlich bist du für letztere sogar noch wichtiger als für die sogenannten «Woken». An dir kann sich die Entrüstung der Generation X und der Babyboomer Bahn brechen. Die Entrüstung über die immanente Kritik an ihrem Lifestyle und an ihren Versäumnissen. Die Entrüstung, deren Einhelligkeit und deren Furor auch ein wenig auf Getroffenheit schliessen lassen.

Ist es vielleicht gar nicht völlig verwerflich, konsequent auf Minderheiten Rücksicht zu nehmen? Ist es vielleicht gar nicht total dumm, sich der kolonialen Wurzeln des eigenen Wohlstands bewusst zu sein? Und ist es allenfalls nicht komplett bescheuert, tradierte Rollenbilder zu hinterfragen?

Die Erkenntnis, dass eine neue Generation künftig die Verhältnisse prägen wird und nicht mehr man selbst, ist nicht leicht zu verdauen. Daher rührt die grosse Entrüstung über dich. Nicht von einem ruinierten Konzert oder einer unbedienten Uniform.

Aber keine Angst, der Trubel wird sich mit der Zeit auch wieder legen.

Die Forderungen nach Gleichberechtigung und Rücksichtnahme, Kern des woken Werte-Kanons und kultureller Code der aktuellen Jugendbewegung, werden in ihrer Radikalität an der Realität scheitern.

Auch die 68er-Kommunarden haben irgendwann ihren Marsch durch die Institutionen angetreten und ihre Anliegen in gesellschaftsfähiger Form durchgesetzt. Erschöpft, nach mehreren Jahren LSD und Gruppensex.

Immerhin: Letzterer bleibt dir erspart.

Lieber Gruss

Dein Maurice Thiriet

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Menschen, die Reggaeton nicht mögen, haben einen Stock im A****»

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413 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FZappa
28.09.2022 15:05registriert November 2015
Nein, nein, nein und nochmals nein! Das ist kein Generationenkonflikt Thiriet. Auch wenn ich es nicht gleich schwülstig schönschreiben kann wie es dein Kommentar tut, so kann ich doch erkennen, dass basisdemokratische Gebilde wie die Brasserie eines ist, halt einfach nicht mehr passend sind. In einer Zeit wo ein vernünftiges Mass an gegenseitiger Rücksichtnahme angebracht wäre, sollten extremistische Strukturen, auf beide Seiten der Skala wohlbemerkt, halt einfach Tabu sein.
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Atavar
28.09.2022 14:53registriert März 2020
Mich lässt dieser Kommentar etwas ratlos zurück.

Mag die "konsequente Rücksichtnahme auf Minderheiten" noch irgendwie verständlich sein bzw. als Hintergrund für den Konzertabbruch dienen, ist die Umsetzung dieses Gedankens mindestens fragwürdig.

Sprich: Musik & Style der Band waren den Veranstaltern bekannt. Warum lässt man diese ins offene Messer laufen?
Uniformen (die zwangsläufig getragen werden) abzulehnen ist okay (Hausrecht), passt aber nicht zum Toleranz-Image.
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Bavaria
28.09.2022 14:53registriert November 2019
Das ist eine Diskriminierung, wenn Rekruten und Soldaten im Ausgang nicht bedient werden. Der Staat schreibt vor, wann und wie die Uniformen während der Militärzeit getragen werden müssen. Der Ausgang gehört somit auch zur Dienstzeit. Zudem sorgen diese für Sicherheit on unserem Lande.
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