Schweiz
Kultur

Reggae-Band Lauwarm spricht über Konzertabbruch in Brasserie Lorraine

Reggae-Band Lauwarm zum Konzertabbruch: «Wir haben die Welt nicht verstanden»

31.07.2022, 03:1031.07.2022, 16:59

Die Reggae-Band, deren Konzert in Bern wegen des Vorwurfs der kulturellen Aneignung abgebrochen worden war, findet es wichtig, über dieses Thema zu diskutieren. Es gehe unter anderem um Rassismus. Die Diskussion sei aber zeitweise in die falsche Richtung verlaufen.

«Viele wissen nicht, worum es bei kultureller Aneignung geht», sagte Sänger Dominik Plumettaz im Interview mit dem «SonntagsBlick». Das habe dazu geführt, dass gewisse Kommentare alles andere als anständig gewesen seien und damit jene Leute beleidigt worden seien, die das Thema ernst nehmen. «Das geht nicht.»

Lauwarm-Sänger Dominik Plumettaz.
Lauwarm-Sänger Dominik Plumettaz.

Das Konzert vom 18. Juli in der Berner Brasserie Lorraine war abgebrochen worden, weil sich Leute im Publikum unwohl damit fühlten, dass eine weisse Band Reggae-Musik spielte und Bandmitglieder Rastalocken (bewusst verfilzte Haarsträhnen, auch «Dreadlocks») trugen. Verschiedene Konzertbesuchende sollen dies als kulturelle Aneignung empfunden und beim Brasserie-Team reklamiert haben.

«Wir können nachvollziehen, dass sich gewisse Menschen daran stören», sagte Plumettaz. «Aber wir sehen uns als Band, die sich von verschiedenen Kulturen inspirieren lässt.» Sie hätten auch positives Feedback direkt aus Jamaika bekommen, dass es für sie total okay ist, wenn die Bandmitglieder Dreadlocks tragen. Die Bandmitglieder würden ihre Dreadlocks wegen des Vorfalls jetzt nicht abschneiden.

Gleichzeitig distanzierte sich Plumettaz von der Unterstützung aus rechten Kreisen – etwa von der Jungen SVP, welche nach dem Vorfall Strafanzeige gegen die Brasserie einreichte. «Die JSVP nutzt die Gunst der Stunde, um Wähler zu gewinnen», kritisierte der Sänger, «das ist total daneben.»

«Betreibe keinen Kulturdiebstahl»

Bassist Julian Mangold, der solche Dreadlocks trägt, räumte am Samstag vor einem Konzert in Edlischwil SG im Gespräch mit Keystone-SDA ein, dass man schon in sich gehe, wenn man mit einem solchen Vorwurf konfrontiert werde. «Aber ich sehe mich nicht als jemanden, der Kulturdiebstahl macht mit der Frisur.» Für ihn sei es einfach eine Frisur, die er seit mindestens sechs Jahren trage und die zu ihm gehöre.

Julian Mangold, der Bassist der Band.
Julian Mangold, der Bassist der Band.bild: instagram

Im gleichen Interview sagte Plumettaz, die Situation sei zunächst «wie ein Dolch ins Herz» gewesen. «Wir haben die Welt nicht verstanden.» Mit der Zeit hätten sie ein bisschen Distanz gewinnen können. Sie würden dann froh sein, wenn sie sich wieder aus dem Rampenlicht zurückziehen könnten. Es gehe schliesslich um die Diskussion, um nicht-weisse Menschen («People of Color») und Rassismus, und nicht um sie als Band. Das Thema sei einfach bei ihrem Konzert aufgebrochen.

Der Vorfall in der Berner Brasserie warf hohe Wellen im In- und Ausland. Die Debatte um kulturelle Aneignung ist indessen nicht neu, schwappt aber gerade über die Schweiz. Im Kern geht es darum, dass sich Menschen Kulturgut anderer Kulturen zu eigen machen. (dab/sda)

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