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Offen gesagt

«Lieber Polizeilicher Assistenzdienst ruhender Verkehr ... »

Die Situation mittelständischer Automobilisten in linksgrün regierten Städten ist seit längerem prekär. Auf rasche Besserung ist nicht zu hoffen, man kann nur das Beste daraus machen.



Ein Mitarbeiter des Polizeilichen Assistenzdienstes (PAD) verteilt am 4. August 2004 in Zuerich Strafzettel wegen Falschparkens. Der Polizeiliche Assistenzdienst ist eine Dienstabteilung der Zuercher Stadtpolizei mit rund 180 Mitarbeitenden. PAD-Angehoerige verrichten ihren Dienst unbewaffnet, tragen aber (abgesehen von den speziellen Achselpatten) die gleiche Uniform wie Polizisten. Sie regeln den Strassenverkehr, ahnden Verkehrsuebertretungen, patroullieren am Rande der Drogenszene oder werden bei Grossanlaessen eingesetzt. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) === ,  ===

Ein Polizeilicher Assistent ruhender Verkehr bei der Arbeit. Bild: KEYSTONE

Liebe Polizeiliche Assistentin ruhender Verkehr,

Lieber Polizeilicher Assistent ruhender Verkehr,

Kürzlich hat ja eine Stellenausschreibung ein wenig die Runde gemacht, mit der neue Kolleginnen und Kollegen in Zürich hätten angeworben werden sollen.

Das Internet und Parlamentarier von links bis rechts beurteilten die Anforderungen als übertrieben hoch. So stand da etwa, man müsse die gesamte obligatorische Schulzeit in der Schweiz absolviert haben und dürfe nicht älter als 58 Jahre sein.

Das gehe zu weit, hiess es. Bussenzettel unter Scheibenwischer klemmen, das könne schliesslich jeder! Das war so etwa der Tenor.

Weit gefehlt, meine lieben Polizeilichen Assistentinnen und Assistenten ruhender Verkehr, weit gefehlt. So etwas können nur Velofahrer und Fussgänger behaupten.

Der mit den urbanen Verhältnissen vertraute mittelständische Automobilist anerkennt und fürchtet Sie als genau das, was Sie sind: Ein lautloser linksgrüner Kärcher, das mobile Aufklärungs- und Elitekommando der Stadt-Exekutiven. Deren Hauptwahlversprechen ist es ja, das Automobil aus dem Stadtbild auszumerzen. Und Sie, meine lieben Polizeilichen Assistentinnen und Assistenten ruhender Verkehr, Sie sind für nichts weniger als die Durchsetzung dieses Wahlversprechens zuständig.

Das ist eine politische Herkules-Aufgabe, der nur die Besten, Zähesten und Wägsten gewachsen sind. Denn der mittelständische urbane Automobilist hat wegen verkehrsberuhigungsbedingt gestiegener Mieten an den Stadtrand oder gar in die Vorstadt ziehen müssen. Und als er wenigstens noch seinen Kindern eine Erinnerung ans City-Leben erhalten und sie ins Karate zu seinen Upperclass-Freunden aus besseren Zeiten in die Stadt fahren wollte?

Da strichen ihm die linksgrünen Stadt-Exekutiven auch noch die Parkplätze zusammen, verdoppelten auf den verbliebenen die Gebühren oder stellten sie mit Lime-Scootern und O-Bikes voll. Nun stehen also die Autos wild auf Trottoirs, in Fahrverbotszonen, Hinterhöfen oder auf Gewerbeparkplätzen. Oder – schlimmer noch – überparkiert in Parkfeldern, deren Gebühren-Obuli schon aufgebraucht oder die zu kurz und zu schmal sind.

Und das sind sie, Ihre Schlachtfelder: die weissen, die blauen und die unmarkierten Zonen der Städte dieser Welt. Da wirken Sie gemessenen Schrittes, das Überraschungsmoment immer auf Ihrer Seite. In professioneller Abgeklärtheit, emotionaler Kälte und in gefürchteter Weise kulanzlos erledigen Sie den Gegner: den urbanen mittelständischen Automobilisten.

Fünf Minuten zu lange? 20 Zentimeter ausserhalb der Markierung? Das Auto nach eineinhalb Stunden in der blauen Zone nur umparkiert und nicht wieder vorschriftgemäss in den Verkehrsfluss eingereiht?

Da sind Scham und Busse gewiss, hilft alles Flehen nichts und ist Widerstand zwecklos. Einst, so geht jedenfalls die Legende, beschied ein Polizeilicher Assistent ruhender Verkehr einem Liftmonteur, der panische Leute aus einem steckengebliebenem Lift befreien und in der Not hatte wild parkieren müssen: «Sie hätten einen Parkplatz suchen müssen, die Leute wären ja nicht davongelaufen.»

Es ist deshalb lange her, seit sich zuletzt ein urbaner mittelständischer Automobilist gewehrt oder aufgeregt hat. Die anfängliche Bitterkeit ist erst in Resignation und dann in Fatalismus übergegangen. Wir machen nun das Beste daraus und schätzen das Parkieren in der Stadt als Kontrast zum gleichförmig dahinplätschernden Leben in der Vorstadt.

Parkieren in der City als lustiges Gesellschaftsspiel für 1 bis 5 Personen! Oder als Extremsport! Als Hunger Games, bei denen mittellose Vorstädter zum Gaudi der Städter unter Einsatz ihrer Leben und Ersparnisse um Parklücken kämpfen. Und wer nicht stark oder reich genug ist, einen legalen Parkplatz zu erwischen, den kann jederzeit plötzlich aus dem Hinterhalt der Polizeiliche Assistenzdienst ruhender Verkehr erwischen und dann ist ... Game Over!

Wenn man es so betrachtet, ist es ganz gut auszuhalten. Andere Abenteuer-Freizeitangebote sind deutlich teurer als Ihre 40 Franken pro Stunde.

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

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