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Ärger nach Absage von Florence + the Machine am Zürich Openair

epa10730976 British singer of Florence and the Machine music band Florence Welch performs on stage during the first day of BBK Live Festival 2023 held in Bilbao, northern Spain, 06 July 2023. EPA/Javi ...
Florence + the Machine an einem Festival Anfang Juli in Bilbao. Den Auftritt am Zürich Openair sagte die Band aus Krankheitsgründen ab.Bild: keystone

Wirbel um Konzertabsage am ZOA – der Präsident des Branchenverbands schätzt ein

Faber als Ersatz für Florence + the Machine, keine Rückerstattung von Tickets. Das Zürich Openair sorgt diese Woche für rote Köpfe. Christoph Bill, Präsident des Branchenverbandes der Schweizer Konzertveranstalter, ordnet das Vorgehen ein – und verteidigt die Zürcher Festivalleitung.
24.08.2023, 11:0524.08.2023, 13:07
Ralph Steiner
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Der Frust über die krankheitsbedingte Absage der Band Florence + the Machine am Zürich Openair hat die Dimension des Prime Towers, also schon ziemlich gross. Der Ärger über die Reaktion der Festivalverantwortlichen gleicht allerdings dem Empire State Building – zumindest bei Teilen der Besucher. Anstelle der international bekannten Headliner aus England tritt der Schweizer Künstler Faber am Freitag am ZOA auf, eine Rückerstattung der Tickets gibt es nicht. Das Festival verweist auf die über 20 weiteren Acts, die an diesem Tag auf der Bühne stehen, und auf die Foodstände auf dem Areal.

Swiss singer and guitarist Faber performs on the stage Zeltbuhne during the 34st of the Gurten music open air festival in Bern, Switzerland, this Thursday, July 13, 2017. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Faber wurde als Ersatz für Florence + the Machine verpflichtet.Bild: KEYSTONE

In den Kommentaren unter dem Absage-Post auf Instagram ärgern sich speziell User aus dem Ausland, die extra für Florence + the Machine angereist sind, über den nicht adäquaten Ersatz. Für einen Auftritt in Frankreich am «Rock en Seine», den die Band um Frontfrau Florence Welch ebenfalls absagen musste, konnte als Lückenbüsser die US-amerikanische Hip-Hop-Kombo Cypress Hill verpflichtet werden. Definitiv eine Nummer grösser als der zweifellos talentierte und erfolgreiche Faber.

Christoph Bill, Gesamtleiter des Heitere Open Air und Präsident der Schweizer Konzertveranstalter-Vereinigung SMPA, kann den Frust über die Absage verstehen. Er appelliert aber ans Verständnis der Besucher: Künstlerinnen können auch krank werden und der Veranstalter sei kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Christoph Bill
Präsident der Swiss Music Promoters Association
Christoph Bill, Gesamtleiter des Heitere Openair und Präsident des Branchenverbandes der Schweizer Konzertveranstalter.Bild: az/key

Zum Argument einiger ZOA-Besucher, die auf Cypress Hill als Ersatz für Florence + the Machine am «Rock en Seine» verweisen, sagt Christoph Bill:

«Kurzfristig einen in vielerlei Hinsicht gleichwertigen Ersatz für einen Act zu finden, ist praktisch unmöglich. Zudem beurteilt jeder Gast sehr individuell, ob der Ersatz gut oder weniger gut ist. Müsste ich einen Ersatz für Florence + the Machine suchen, wäre Cypress Hill nicht zuoberst auf der Liste. Wenn es auch etwas anderes als Florence + the Machine ist, Faber ist ein erfolgreicher, bekannter Act, auch im angrenzenden Ausland; da hat man nicht einfach einen kleinen und günstigen Künstler gewählt, um Geld zu sparen.»
Christoph Bill

Dass es nicht ganz einfach sein dürfte, für einen internationalen Headliner so kurzfristig einen gleichwertigen anderen Act aufzutreiben, zeigt ein Interview mit Adrian Brugger, das im vergangenen November erschienen ist. Brugger ist Festivalleiter des Stars in Town in Schaffhausen und sagt zu den generellen Herausforderungen des Geschäfts:

«Ein Festival-Booking ist kein Wunschkonzert, sondern ein knallhartes Business in einem hartumkämpften, internationalen Haifischbecken.»
Adrian Brugger, Festivalleiter des Stars in Town

Keine Ticketrückerstattung

Nebst der Tatsache, dass Faber für Florence + the Machine in die Bresche springt, ärgern sich Festivalbesucher auch darüber, dass Tickets nicht zurückerstattet werden können. Dazu meint SMPA-Präsident Christoph Bill:

«Grundsätzlich ist es auch so, dass bei den allermeisten Festivals Programmänderungen ausdrücklich vorbehalten sind. Es ist ein Gesamtangebot mit ganz vielen Einzelkomponenten. Wechselt nun eine, sei dies kurz- oder langfristig, besteht nicht gleich das Recht auf eine Ticketrückerstattung. Eine solche kann der Veranstalter aus Kulanz vornehmen; diese individuell und kurzfristig zu bewerkstelligen, ist aber schwierig.»
Christoph Bill

Bill kennt das Problem mit Absagen von seinem eigenen Openair, auch bei ihm sei dies schon vorgekommen. Allerdings unterscheide sich das Heitere Open Air von verschiedenen anderen Festivals dahin gehend, dass viele gleichwertige Acts aufträten, es falle daher meist weniger ins Gewicht, wenn jemand absagen müsse. Das Vorgehen des Zürich Openairs finde er jedoch in Ordnung. «Viele Optionen, so kurzfristig einen adäquaten Ersatz aufzutreiben, hatten sie vermutlich nicht.»

Auch Stars-in-Town-Festivalleiter Adrian Brugger hat sich im angesprochenen Interview zur Absage-Thematik geäussert. Falle ein Headliner aus, – wie heuer am ZOA passiert – sei dieser fast nicht zu ersetzen. Es sei eines der vielen nicht kalkulierbaren Risiken, die ein Festival eingehen müsse.

«Hier ist man auf die Kulanz des Gastes angewiesen, welcher bei Programmänderungen das Festival trotzdem besucht.»
Adrian Brugger vom Stars in Town

Dass Absagen an Schweizer Festivals vorkommen, ist unbestritten. Heitere-Chef Christoph Bill betont jedoch: «Wenn man schaut, wie viele Bands verpflichtet werden in einem Schweizer Festivalsommer und wie wenige absagen müssen, dürfen wir sehr zufrieden sein.»

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72 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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_stefan
24.08.2023 11:52registriert September 2015
Die Geschichte zeigt vor allem den Unterschied zwischen dem ZOA-Publikum und anderen Festivals. Bei anderen Festivals würde man auch „ein Fass aufmachen“, aber da wäre Bier drin.
Geniesst die Musik, das Sommerwetter und habt Spass. Rumnörgeln können wir dann am Montag im Büro wieder.
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Manawydan
24.08.2023 11:41registriert Oktober 2022
Faber und seine Band haben musikalisch zweifellos weitaus größere Gemeinsamkeiten mit Florence + The Machine als Cypress Hill. Man sollte meinen, das sei wichtiger beim Ersetzen einer kurzfristig ausfallenden Band als der weltweite Bekanntheitsgrad.
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Unicron
24.08.2023 12:32registriert November 2016
Warum hat man mit keinem Wort die Kommunikation angesprochen?
Das war ja wohl in etwa das grösste Problem des Ganzen.
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