Schweiz
Pflegeinitiative

Tricksende Spitex: Kanton Zürich genehmigt falsche Abrechnung

Tricksende Spitex: Kanton Zürich genehmigt falsche Abrechnung

Für die Angehörigenpflege gelten seit Januar neue Tarife. Pflegewegweiser wollten diese umgehen. Jetzt reagiert die zuständige Gesundheitsdirektion.
17.04.2026, 19:2217.04.2026, 19:22
Anna Wanner / ch media
Der Nationalrat diskutiert am Montag und am Dienstag darüber, wie die Pflegeberufe aufgewertet werden können. (Themenbild)
Sollen Spitex-Mitarbeiterinnen gleich viel verdienen wie pflegende Angehörige?Bild: KEYSTONE

Solch dreistes Vorgehen ist für Schweizer Verhältnisse unüblich: Die Spitexorganisation Pflegewegweiser, die sich auf die Anstellung pflegender Angehöriger spezialisiert hat, teilte letzte Woche per Brief an alle Zürcher Gemeinden mit, dass sie sich über die Tarife der kantonalen Gesundheitsdirektion hinwegsetzt.

Es ist dies die Reaktion auf einen Entscheid der Zürcher Regierung vom letzten August, die Tarife für pflegende Angehörige auf 2026 anzupassen. Der Hintergrund: Die finanzielle Last der Gemeinden im Kanton Zürich ist in den letzten drei Jahren sprunghaft gestiegen. Das zeigt die Recherche der «Limmattaler Zeitung» eindrücklich. In Geroldswil und Weiningen rechnen sie von 2025 auf 2026 mit einer Verdreifachung der Kosten. Die Pflegefinanzierung geht schweizweit an die finanzielle Substanz der Gemeinden.

Wie 15 andere Kantone hat darum auch Zürich verfügt, dass Angehörige ihre Leistungen in der Grundpflege zwar nach wie vor über die Krankenkasse abrechnen können, sofern sie bei einer Spitex-Organisation angestellt sind. Aufgrund des geringeren Aufwands für Anreise und Planung fällt aber ein Grossteil der staatlichen finanzierten Restkosten weg. Für die pflegenden Angehörigen, die einen fixen Lohn beziehen, ändert sich vorderhand nichts. Ziel der Massnahme war es stets, das lukrative Geschäftsmodell jener Spitexfirmen einzudämmen, die auf Kosten des Staates und der Prämienzahlenden Gewinne erzielen.

Höhere Rechnung für gleiche Leistung

Nicht alle wollen nach den neuen Regeln spielen: Der grösste Anbieter beabsichtigt, die Tarif-Änderung eigenmächtig umzusetzen. So erklärt die Firma Pflegewegweiser in einem Brief an alle Gemeinden, dass angestellte pflegende Angehörige nur im ersten Jahr zum neuen Tarif für pflegende Angehörige abrechnen. Sobald diese einen Pflegekurs absolviert haben, würden sie dem Pflegepersonal gleichgestellt und 15 Franken pro Stunde mehr abrechnen.

In einer ersten Reaktion erklärte das Amt für Gesundheit des Kantons Zürich gegenüber dieser Zeitung: «Diese Auslegung erachten wir als nicht konform mit den geltenden Vorgaben.» Nun legt Amtschef Jörg Gruber mit zwei Schreiben nach.

Den ersten Brief richtet er an die Gemeinden und liefert ihnen «Handlungsoptionen bei auffälligen Spitex-Institutionen». Beispielsweise erklärt er, an welche Stellen sie sich wenden können, wenn sie falsche oder überhöhte Abrechnungen vorfinden.

Der zweite Brief richtet sich an alle Spitexorganisationen, die in Zürich zugelassen sind. Darin erinnert sie Amtschef Gruber an die Vorgaben zur Restkostenfinanzierung im Kanton Zürich. Und er mahnt, dass ein Pflegehelferkurs die gesundheitspolizeiliche Mindestanforderung sei, um Leistungen als pflegender Angehöriger zu erbringen und dass der neue Tarif explizit für pflegende Angehörige geschaffen worden sei.

Weiter gelte die Vorgabe, dass Abrechnungen der Wahrheit entsprechen müssen. «Falschangaben könnten unter Umständen als Urkundenfälschung qualifiziert werden», schreibt das Amt. Es erwartet von den Spitex-Firmen, dass diese die Vorgaben «umgehend einhalten». (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Menschen, die aus der Zukunft grüssen
1 / 24
Menschen, die aus der Zukunft grüssen
Weil weder Mami noch Papi Lust haben, die Kleinen in der Nacht zu fütternBild: twitter ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Es verlassen zu viele den Beruf» – der Alltag von Pflegefachkräften
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
12 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
12
Schweiz kann Asylsuchende aus Syrien wieder zurückschicken
Asylsuchende aus Syrien können wieder in ihr Herkunftsland zurückgeschickt werden. Nach Aussetzen von Asylentscheiden im Dezember 2024 im Zusammenhang mit dem Sturz des Assad-Regimes wird das Staatssekretariat für Migration ab 1. Mai wieder über Gesuche entscheiden.
Zur Story