Gewinn der Post ist 2025 gesunken – «mittelfristig werden wir an den Preisen schrauben»
Die Post hat am Donnerstag, getrübt vom Unglück mit sechs Toten in Kerzers FR, ihre Zahlen für 2025 präsentiert. Mit 332 Millionen Franken erwirtschaftete sie ein geringeres, aber «solides» Betriebsergebnis als im Vorjahr, als sie einen um 82 Millionen Franken höheren Gewinn realisierte.
Der Konzerngewinn sank um 20 Millionen Franken auf 315 Millionen Franken, wie Konzernchef Pascal Grieder in Bern vor den Medien sagte. Das Resultat sei durch den Geschäftserfolg von Postfinance gestützt worden. Ohne diesen Beitrag läge das Betriebsergebnis des Konzerns «knapp im schwarzen Bereich».
Die wirtschaftlichen Erträge blieben durch den rückläufigen Briefmarkt und weitgehend fixe Kostenstrukturen weiter unter Druck. Die Post müsse deshalb die bestehende Strategie schärfen.
Preismassnahmen und intern sparen
Die Schweizer Post sei eine der wenigen Postgesellschaften in Europa, die ohne finanzielle Hilfe des Staates auskomme. «Sie bietet die beste Grundversorgung aller europäischen Länder, hat aber auch die stärksten Einschränkungen» und dies mit den «kaufkraftbereinigt billigsten Briefkosten» Europas. Grundversorgung sei der Kernauftrag der Post, aber Kundenbedürfnisse veränderten sich und zwei Drittel der Kosten hingen an der Grundversorgung.
«Mittelfristig werden wir an den Preisen schrauben», so Grieder. Doch zuerst müsse man bei den internen Kosten anfangen und diese senken, insbesondere im Management. In den internen Bereichen würden bis 2030 die Abläufe vereinfacht, um schneller zu werden. Die entsprechenden Prozesse laufen aktuell.
Vor allem aufgrund der sinkenden Briefmengen brechen der Post kontinuierlich wichtige Einnahmen weg. Die Post verliere jährlich 82 Millionen Franken, sagte Grieder weiter. Dies zu kompensieren, werde immer schwieriger. Man müsse darum mit neuen Geschäftsfeldern Umsatz generieren. Nebst schwindenden Briefmengen gebe es auch 70 Prozent weniger Einzahlungen am Schalter.
Momentan mache die Post zu viele verschiedene Dinge, schloss Grieder. Es brauche «Luft für Neues mit dem Fokus Mehrwert». Denn die Rahmenbedingungen hätten sich verschärft. Die Post stärke ihr Geschäft der Logistik, Kommunikation, Mobilität sowie Finanzdienstleistungen und setze primär auf «fokussiertes organisches Wachstum in diesen Kernmärkten statt auf Akquisitionen».
Hohe Fixkosten
Alex Glanzman, Leiter Finanzen, sagte, das Jahr 2025 habe die Post stark gefordert. Der Betriebsertrag betrug 7,3 Milliarden Franken (Vorjahr rund 7,6 Milliarden Franken). Hauptursachen für den Rückgang seien die Zinssituation und die Abnahme der Briefpost. Zudem habe die Post starke Fixkosten, die man kurzfristig nicht anpassen könne.
Laut Verwaltungsratspräsident Christian Levrat erfüllte die Post 2025 alle Qualitätsziele. Doch Modernisierung sei nötig und man müsse die physische und digitale Welt stärker verknüpfen. So gehöre der digitale Brief ab April zur Grundversorgung der Post.
Digitale Post gewinnt an Bedeutung
Dass die digitalen Services beliebter werden, zeigen auch die Nutzungszahlen der neuen Post-App. 4,5 Millionen Sendungen wurden 2025 digital verschickt, dies sei gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von 60 Prozent. Per Ende 2025 hätten 360'000 Privatkundinnen und -kunden den Empfang digitaler Sendungen abonniert - rund 90 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Erstmals seit drei Jahren, also nach der Pandemie, sei die Paketmenge um 3,7 Prozent gestiegen (186,6 Millionen Sendungen). Postfinance erzielte ein Betriebsergebnis von 290 Millionen Franken. Sie profitierte von einem klar verbesserten Zinsergebnis wie auch von Beteiligungsverkäufen und wies einen deutlich höheren Gewinn aus. Zudem konnte das Finanzinstitut die Kundenvermögen steigern. Postauto verzeichnete mit über 189 Millionen Fahrgästen einen Rekord (+3,3 Prozent).
Rückläufig entwickelten sich wie erwartet der Briefmarkt (-4,2 Prozent adressierte Sendungen) und die Schaltergeschäfte (-9,5 Prozent). Im Brief- und Zeitungsgeschäft betrug der Umsatzrückgang im letzten Jahr 85 Millionen Franken. Laut Glanzmann kompensieren die Margen aus dem Paketgeschäft diese nicht.
Wie bereits angekündigt, will die Post ihr Netz mit rund 2000 Filialen konstant halten und 600 davon selbst betreiben. Die Teilnehmenden der Medienkonferenz sprachen im Weiteren dem vom Unglück in Kerzers Betroffenen ihr Beileid aus und hielten eine Schweigeminute ab. (sda)
