Schwarze Puppen und Flüchtlingsboot an der Fasnacht in Plaffeien FR – Lehrerin schockiert
Die Stimmung am Fasnachtsumzug im kleinen Ort Plaffeien im Kanton Fribourg ist ausgelassen. Neben den Guggen ziehen dekorierte Wägen und Verkleidete durch die Strassen.
Dann rollen zwei Wägen heran, die eine Besucherin des Umzugs irritieren: einer zeigt ein Zollhäuschen, vor dem eine Figur mit der Aufschrift «Beat Jans» steht. Er öffnet eine Schranke, am Wagen sind dunkelhäutige Kinderpuppen angebracht. Vornedran prangt der Schriftzug «Keine 10-Millionen-Schweiz!».
Hinter dem Wagen fährt ein weiterer, der ein Schlauchboot darstellen soll. Darin sitzen zwei Männer mit Afro-Perücken und einem Bart – zu ihren Füssen ein Schild mit der Aufschrift «Mittelmeer-Taxi». Zwei Personen, die verschleierte muslimische Frauen darstellen sollen, gehen hinter dem Wagen her.
«Ich war schockiert, als ich diese Wägen sah», sagt die Besucherin des Umzugs später zu watson. Sie ist im Ort aufgewachsen und möchte anonym bleiben. Dass solche Darstellungen an ihrer Dorf-Fasnacht gezeigt würden, findet sie inakzeptabel:
Die Darstellungen auf den Wägen gingen über ein politisches Statement hinaus: «Es gibt einen Unterschied zwischen politischer Meinung und Rassismus», so die Augenzeugin. Hier würden Schwarze Menschen und muslimische Personen zum Feindbild gemacht.
Auch die Primarschule habe einen grossen Auftritt am Umzug gehabt, erzählt die Frau, die selbst Lehrerin ist, weiter. Dass rassistische Sujets in einem Rahmen gezeigt würden, in dem viele Schulkinder anwesend sind, findet sie umso besorgniserregender.
Der Partner der Lehrerin hat in der Zwischenzeit Anzeige bei der Kantonspolizei Fribourg erstattet. Diese solle nun prüfen, ob die Fasnachts-Aktion einen Verstoss gegen die Rassismusstrafnorm darstelle, sagt er zu watson. Die Kantonspolizei Fribourg bestätigt gegenüber watson, dass ihr die Vorfälle am Umzug bekannt seien. Sie analysiere zurzeit, was sich genau zugetragen habe.
Organisiert wurde der Fasnachtsumzug von der Guggenmusik Dütschbach-Schlorggeschlüüpfer. Eine Anfrage von watson blieb bisher unbeantwortet. Gegenüber «20 Minuten» sagte der Präsident des Fasnachtskomitees, die Sujets seien ihnen unbekannt gewesen.
Die Primarschule von Plaffeien schreibt auf Anfrage von watson, dass sie lediglich für die Beiträge ihrer Klassen verantwortlich sei. Und weiter: «Als Schule distanzieren wir uns klar von allen rassistischen und politischen Äusserungen und oder Darstellungen.»
