Schweiz
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Imame aus der Türkei: Sieben Aargauer Moscheen von Erdogan-Regime unterstützt

Die «Türkisch-Islamische Stiftung für die Schweiz», wo ein Vertrauter von Präsident Erdogan die Fäden zieht, holt türkische Imame in den Aargau. Experten fürchten eine Missionierung, der Präsident des islamischen Vereins Rheinfelden sieht kein Problem.

Fabian Hägler / Nordwestschweiz



Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nehme massiv Einfluss auf die Moscheen in der Schweiz – das berichtete die «SonntagsZeitung». So unterstütze die «Türkisch-Islamische Stiftung für die Schweiz», ein Ableger der staatlichen Religionsbehörde Diyanet in Ankara, muslimische Vereine mit Ressourcen und Personal. 35 aus der Türkei entsandte Imame würden derzeit in der Schweiz predigen, entlöhnt von Diyanet, heisst es weiter.

Viele der Prediger sprechen laut «SonntagsZeitung» nur schlecht Deutsch und vertreten einen streng konservativen Islam. «Die Freitagsgebete verkommen zunehmend zu Propagandareden der Regierungspartei AKP», sagt ein Insider. Ein anderer ergänzt: «Die Imame wollen, dass Frauen Kopftuch tragen, in den Moscheen werden Vorurteile gegen den Westen geschürt.»

Imam aus der Türkei entsandt

Auf der Website der «Türkisch-Islamischen Stiftung» sind die unterstützten Vereine aufgeführt. Ein Blick auf die Karte zeigt: Im Aargau listet die Stiftung sieben Moscheen auf. Eine davon ist die Moschee in Rheinfelden, die im Artikel der «SonntagsZeitung» genannt wird.

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Serafettin Karadeniz, Präsident des islamischen Kulturvereins, welcher die Moschee betreibt, sagt auf Anfrage der« AZ»: «Ja, es ist korrekt, dass unser Imam aus der Türkei kommt.» Erol Über, der mit Passfoto auf der Website der «Türkisch-Islamischen Stiftung» vorgestellt wird, predigt laut Karadeniz seit zweieinhalb Jahren in Rheinfelden. «Er wurde auf unseren Wunsch hin aus der Türkei geschickt, seinen Lohn erhält er über die türkische Botschaft» – Absender des Geldes ist die Religionsbehörde in Ankara.

Dies sei aus zwei Gründen nicht anders möglich, hält Karadeniz fest. «Einerseits gibt es in der Schweiz keine Imamausbildung, wir müssen also auf Leute aus dem Ausland zurückgreifen. Andererseits hätte unser Verein niemals die finanziellen Mittel, um die Lohnkosten für den Imam zu übernehmen.» Diese dürften pro Jahr bei rund 100'000 Franken liegen, schätzt er.

Auf die Auswahl der Imame, die aus der Türkei in die Schweiz geschickt würden, und deren Zuteilung auf die einzelnen Moscheen habe der Verein keinen Einfluss. Karadeniz sagt, ein entsandter Imam bleibe meist vier, manchmal auch fünf Jahre und kehre danach in die Türkei zurück. Der Vereinspräsident räumt ein, dass der Imam der Moschee Rheinfelden relativ bescheidene Sprachkenntnisse habe. «Er hat das Zertifikat B1, wie es im Aargau vorgeschrieben ist.»

Einfluss von Erdogan?

Vehement weist der Muslim, der Mitglied der SP ist und sich in einem lokalen Quartierverein engagiert, die Vorwürfe zurück, die Imame aus der Türkei würden in der Schweiz im Sinn von Staatspräsident Erdogan predigen. «Das stimmt überhaupt nicht, in unserer Moschee wird grundsätzlich nicht politisiert.»

Wohl sei Erdogan derzeit in der Türkei an der Macht, das könne sich aber wieder ändern. «Schon aus diesem Grund wäre es völlig abwegig, wenn ein Imam im Freitagsgebet politische Aussagen machen würde.» Ausserdem würden in der Moschee in Rheinfelden auch alawitische Muslime verkehren, «das sind erklärte Gegner von Erdogan, aber das ist überhaupt kein Problem».

Ganz anders sieht dies Isa Gürbüz: Das syrisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt in der Schweiz warnte kürzlich im «Tages-Anzeiger» vor der türkischen Religionsbehörde. In den hierzulande eingerichteten Moscheen sieht er «Anfänge der verhängnisvollen Missionierung Europas». Tatsächlich gibt es eine personelle Verbindung zwischen der «Türkisch-Islamischen Stiftung» und Ankara: Mehmet Görmez, der oberste Geistliche der Türkei und Chef der Religionsbehörde Diyanet, amtet als Präsident des Stiftungsrats.

Diyanet kontrolliert das Personal in den Moscheen in der Türkei und schreibt die Predigten, die die Imame vor Ort beim Freitagsgebet verlesen oder sich zumindest daran orientieren. Serafettin Karadeniz sagt, diese Vorgaben würden für den Imam in Rheinfelden nicht gelten. «Er kann predigen, was er will, da ist er völlig frei.» Wie der Verband Aargauer Muslime zum Einfluss der Stiftung auf die Moscheen steht, ist unklar: Weder der Präsident noch der Mediensprecher waren gestern erreichbar.

Laut «SonntagsZeitung» bezahlt die Stiftung nicht nur Löhne von Imamen, sie besitzt selber elf Moschee-Liegenschaften in der Schweiz. Jene in Rheinfelden sei nicht dabei, hält Karadeniz fest. Die Fragen, ob der Stiftung andere Moscheen im Aargau gehören und wie die weiteren Trägervereine unterstützt werden, müssen derzeit offen bleiben. Zafer Terkesli, Geschäftsführer der Stiftung, liess eine Anfrage der «AZ» gestern unbeantwortet. 

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