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Romandie

Die Handschellen klickten um 12.30 Uhr: Bosnischer Ex-General Naser Oric in Genf verhaftet

Die Handschellen klickten um 12.30 Uhr: Bosnischer Ex-General Naser Oric in Genf verhaftet

10.06.2015, 20:1711.06.2015, 13:26

Der Militärkommandant der ehemaligen bosniakischen (muslimischen) Enklave Srebrenica, Naser Oric, ist am Mittwoch in Thônex GE festgenommen worden. Oric war seit vergangenem Jahr von Serbien mit einem internationalen Haftbefehl gesucht worden.

Naser Oric vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal – die Aufnahme datiert von 2008. 
Naser Oric vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal – die Aufnahme datiert von 2008. Bild: AP POOL REUTERS

Der Gesuchte sei um 12.30 Uhr bei der französisch-schweizerischen Grenze bei Thônex von Mitarbeitern des Grenzwachtkorps festgenommen worden, sagte Jean-Philippe Brandt, Sprecher der Genfer Kantonspolizei, am Abend auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA, die sich ihrerseits auf Informationen des Belgrader Senders B-92 gestützt hatte.

Die Festnahme ist laut Brandt auf Basis eines von Serbien im Vorjahr ausgestellten Haftbefehls erfolgt. Oric sei nach der Festnahme der Genfer Kantonspolizei überstellt worden. Das Bundesamt für Justiz entscheide nun über das weitere Vorgehen, da es sich um eine Angelegenheit des Bundes handle.

Grosse Empörung nach Freispruch

Der 48-jährige Oric steht unter dem Verdacht, im Juli 1992 zusammen mit weiteren vier Personen Kriegsverbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung in der ostbosnischen Ortschaft Zalazje unweit von Srebrenica begangen zu haben. Damals wurden neun Personen ermordet.

Oric war 2006 vom UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien wegen Kriegsverbrechen zunächst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in zwei Fällen Morde und Misshandlungen nicht verhindert habe. Im Berufungsverfahren wurde er aber 2008 von den Vorwürfen freigesprochen.

Er habe als Kommandant nichts unternommen, um diese Verbrechen zu verhindern oder die Schuldigen zu bestrafen, entschied eine Strafkammer des Tribunals. Die Revisionskammer bemängelte jedoch, dass die eigentlichen Täter nicht ausreichend identifiziert worden seien. Daher sei nicht bewiesen, dass Oric für die Taten verantwortlich gewesen sei. (tat/sda/apa)

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