Schweiz
Romandie

RRP-Kandidat Syshchikov klagt Vater eines Opfers von Crans-Montana an

Stepan Syshchikov a été ciblé par une plainte pour avoir volé des effets personnels à une victime de l'incendie du Constellation.
Stepan Syshchikov ist mit einer Anzeige konfrontiert, die vom Vater eines Opfers des Brandunglücks von Crans-Montana erstattet wurde. Er reagiert nun mit einer eigenen Anzeige. bild: Keystone / watson

Crans-Montana: Politiker wirft dem Vater eines Opfers Verleumdung vor

Stepan Syshchikov, ein rechtsextremer Kandidat bei den jüngsten Kommunalwahlen in Pully VD, wird vom Vater eines Opfers von Crans-Montana des Diebstahls beschuldigt – und erstattet daraufhin Anzeige wegen Verleumdung.
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23.03.2026, 15:5323.03.2026, 16:03
Sven Papaux

Stepan Syshchikov, Kandidat für den Gemeinderat von Pully VD für die rechtsextreme Partei Rassemblement romand patriote (RRP), wird beschuldigt, persönliche Gegenstände seines Freundes Julien (Aliasname) gestohlen zu haben, der beim Brandunglück von Crans-Montana ums Leben kam. Die Diebstähle sollen sich Mitte Januar ereignet haben, der Vater des Opfers erstattete darauf am 2. März Anzeige bei den Behörden.

watson weiss: Der junge Pullyer entschied sich zum Gegenschlag, indem er seinerseits eine Verleumdungsklage einreichte.

Gegenstand des Rechtsstreits sind vermeintlich eine Jacke einer bekannten italienischen Marke, Mokassins, Parfums, Jacken und sogar eine Soft-Air-Pistole. «Die Soft-Air-Pistole ist auf meinen Namen registriert. Der Kaufvertrag beweist es», beteuert Syshchikov.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

«Ich habe nichts gestohlen»

Laut dem Waadtländer Politiker begann alles am 13. Januar vor einer Bar. Sechs Freunde von Julien sollen ihn angegriffen und ihm vorgeworfen haben, Habseligkeiten des Verstorbenen gestohlen zu haben. Nach einer etwa halbstündigen Diskussion sei der Vater des Opfers hereingeplatzt. Syshchikov behauptet Folgendes:

«Er hat mir ins Gesicht geschlagen und gedroht, mich umzubringen.»
Stepan Syshchikov

Er habe «mehrere Schläge» einstecken müssen, erzählt der Politiker weiter. Doch weniger die körperliche Verletzung habe ihn geschmerzt als das Gefühl des Verrats. «Ich sagte ihnen immer wieder, dass es nicht stimme, dass ich meinem verstorbenen Freund nichts gestohlen hätte.»

Unter Druck stehend habe er beschlossen, die Gruppe zu sich nach Hause zu bringen, um zu beweisen, dass er nichts gestohlen habe. Er berichtet:

«Sie beobachteten mich, um sicherzugehen, dass ich nicht weglaufe. Ich weiss nicht, wie ich es beschreiben soll, aber es war definitiv eine Form von Nötigung.»

Wenige Minuten nachdem sie bei Syshchikov angekommen waren, traf eine Polizeistreife ein. Die Kantonspolizei Waadt bestätigt auf Anfrage: «Es gab tatsächlich einen Einsatz.»

Die Strafverfolgungsbehörden erklären:

«Um 21.20 Uhr kontaktierte ein Bewohner der Wohnung (in der Stepan Syshchikov wohnt, Anm. d. Red.) die Polizei, um die Ankunft von Personen zu melden, die eine Durchsuchung durchführen wollten, und um die Entsendung eines Beamten zum Einsatzort zu erbitten.»

Juliens Vater habe die Taschen in Anwesenheit der Polizei durchsuchen dürfen. Die Durchsuchung der Habseligkeiten des jungen Politikers sei ergebnislos gewesen und die Polizei habe den Vater aufgefordert, das Gelände zu verlassen. «Anscheinend hat der Vater nichts mitgenommen. Die Drohungen können wir jedoch nicht bestätigen», so die Polizei.

Syshchikov sagt aber:

«Selbst in Anwesenheit eines Polizisten drohte der Vater, meine Eltern und meinen kleinen Bruder umzubringen.»
Stepan Syshchikov

Der Vater des Opfers und sein Anwalt, Christophe de Galembert, haben eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgelehnt und darum gebeten, den Rechtsweg abzuwarten. «Die Beteiligten werden im Rahmen des Verfahrens Gelegenheit haben, sich gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zu äussern», so der Anwalt abschliessend.

«Eifersucht» und Politik

Aber warum sollte er ausgerechnet den Freund seines Sohnes ins Visier nehmen? Stepan Syshchikov hat eine Vermutung. Demnach könnte es sich um Eifersucht handeln, die seiner Ansicht nach mit der Unterstützung zusammenhängt, die er der Mutter des Verstorbenen zukommen liess. Er erinnert sich:

«Nach dem Brand wohnte ich im Zuhause der Familie, bei der Mutter des Opfers. Ich übernachtete dort. Ich begleitete den Vater sogar in die Krankenhäuser, um nach seinem Sohn zu suchen. Als wir von dessen Tod erfuhren, bot ich an, nach Hause zurückzukehren. Die Mutter bat mich, bis zur Trauerfeier am 11. Januar dazubleiben, als moralische Unterstützung.»

Den Informationen der Tageszeitung «24 heures» zufolge forderte der Vater des Opfers Syshchikov am 12. Januar ausdrücklich auf, den Wohnsitz der Mutter zu verlassen. Der Politiker soll dieser Aufforderung widerstandslos nachgekommen sein.

Weil die Ereignisse aber in jener Woche nach dem Unglück von Crans-Montana stattgefunden hätten, ist das Datum der Anzeigenerstattung, der 2. März, für Syshchikov alles andere als unbedeutend. Der Fall tauchte nämlich erst zwei Tage vor den Kommunalwahlen in der Presse auf. Der Politiker spricht von einem «politischen Mordanschlag».

Syshchikov, der kürzlich für die Gemeinde Pully kandidierte, erhielt im ersten Wahlgang 6,91 % der Stimmen und zog seine Kandidatur zurück.

RRP: Eine umstrittene politische Partei​
Die RRP hat in der Romandie bereits erhebliches Medieninteresse geweckt. Darüber hinaus wurde gegen die Partei ein Strafverfahren eingeleitet, nachdem in einer Whatsapp-Gruppe abfällige Äusserungen verbreitet worden waren, wie das Online-Magazin Renversé unter Berufung auf die Zeitung «Le Courrier» berichtete. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen, da sie die Handlungen als mögliche Volksverhetzung einstuft.

Sein Anwalt, Albert Habib, beklagt ebenfalls eine «absichtliche zeitliche Übereinstimmung»:

«Das Ziel war es, meinem erst 18-jährigen Mandanten so viel Schaden wie möglich zuzufügen. Die darauffolgende mediale Hetzjagd war für den Kläger vorhersehbar: Jemanden des Diebstahls an einem engen Freund zu beschuldigen, der kürzlich bei der schlimmsten Tragödie, die die Schweiz je erlebt hat, ums Leben gekommen war, würde zwangsläufig grosses Aufsehen erregen.»

Stepan Syshchikov erzählt uns, dass Julien sein Wahlkampf-Manager bei den Kommunalwahlen und Mitglied seiner Partei war. «Für meinen verstorbenen Freund und mich war es so etwas wie unsere eigene Wahl. Und diese bedeutete ihm sehr viel», sagt der junge Waadtländer.

Er beteuert, dass diese Anschuldigungen, so schwer sie auch zu akzeptieren seien, seinen politischen Entschluss nicht geschwächt hätten. Nachdem beide Seiten Anzeige erstattet haben, liegt es nun an der Justiz, den Fall aufzuklären.

In Zusammenarbeit mit Alessia Barbezat​

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