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Zoff um neuen SBB-Tunnel zwischen Aarau und Zürich – das musst du wissen

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Die Bahnstrecke zwischen Zürich und Olten ist heute schon stark belastet.Bild: KEYSTONE

Zoff um neuen SBB-Tunnel zwischen Aarau und Zürich – das musst du dazu wissen

SBB-Chef Vincent Ducrot fordert einen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Zürich und Olten. SVP-Verkehrsminister Albert Rösti lehnt das 7-Milliarden-Projekt aber ab und möchte lieber die Autobahnen ausbauen.
09.05.2023, 11:0709.05.2023, 12:49
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Die Bahnlinie zwischen Bern und Zürich ist die Paradelinie der SBB. Ein Teilabschnitt der Strecke zwischen Bern und Olten wurde im Rahmen der «Bahn 2000» neu gebaut und dieser sorgt dafür, dass Schnellzüge dort mit bis zu 200 km/h fahren können. Zwischen Olten und Zürich muss dagegen viel langsamer gefahren werden, weil die Strecke älter und kurviger ist.

Seit Jahren will SBB-Chef Vincent Ducrot deshalb auch diesen zweiten Teil ausbauen. Herzstück des Projekts ist ein 30 Kilometer langer Tunnel zwischen Rupperswil und Zürich-Altstetten. SVP-Bundesrat Albert Rösti hat aber bereits abgewinkt. Er hält es für wichtiger, die Schweizer Autobahnen auszubauen. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den aktuellen Bahnstreit.

Wie sieht das Projekt genau aus?

Zwischen Rupperswil (Aarau) und Zürich-Altstetten soll ein zweigleisiger, rund 30 Kilometer langer Tunnel gebaut werden. Dieser würde für den reinen Personenverkehr mit einer Geschwindigkeit von maximal 250 km/h ausgelegt. Eine erste Konzeptstudie liegt schon vor, derzeit wird gemäss BAV-Mediensprecher Michael Müller die Vorstudie vorangetrieben.

Die vorgesehene Tunnelführung zwischen Aarau und Zürich-Altstetten.
Die vorgesehene Tunnelführung zwischen Aarau und Zürich-Altstetten.bild: ebp.ch

Das geplante Tunnelsystem führt allerdings durch geologisch und umweltseitig sensible Gebiete. Zudem ist die Einbindung in das bestehende Bahnnetz äusserst anspruchsvoll. Aktuell werden gemäss der Aargauer Zeitung auf der geplanten Linienführung Sondierbohrungen durchgeführt. So sollen genauere Informationen über das Gestein gewonnen werden, insbesondere zu den kritischen Übergangsbereichen in den Talquerungen.

Wie hoch sind die Kosten?

Gemäss ersten Berechnungen dürfte der Ausbau rund sieben Milliarden Franken kosten.

Wann wäre die neue Bahnstrecke betriebsbereit?

Das steht noch in den Sternen. In den Ausbauschritt 2030/2035 ist die Tunnelverbindung Aarau–Zürich nicht aufgenommen worden. Das zuständige Bundesamt für Verkehr (BAV) will das Vorhaben beim sogenannten «Bahn-Ausbauschritt 2035» aber prioritär behandeln. Der Bundesrat wird voraussichtlich im Jahr 2026 seine Botschaft für eine erste Etappe vorlegen.

Was sagen die Gegner des Projekts?

Verkehrsminister Albert Rösti hält nichts von den SBB-Ausbauplänen. «Es ergibt keinen Sinn, die Bahnstrecke zwischen Bern und Zürich noch enorm zu verstärken, um eine, zwei Minuten zu gewinnen», sagte der SVP-Bundesrat gemäss SRF kürzlich an einer Medienkonferenz. Sinn ergebe es stattdessen, das Geld in die Autobahn zu investieren, «wo in Stau-Situationen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Zug nicht gegeben ist».

Bundesrat Albert Roesti spricht waehrend der Sondersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Mai 2023, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Verkehrsminister Albert Rösti hat andere Pläne.Bild: keystone

Was sagen die Befürworter des Projekts?

SBB-Chef Ducrot betont, dass es beim Ausbau nicht alleine um die Reisezeit, sondern auch um Kapazitäten geht. «Wenn wir den ganzen Verkehr bewältigen wollen, brauchen wir künftig diese Strecke. Wir müssen schneller durch die Schweiz fahren können», erklärte er in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF.

CEO Vincent Ducrot spricht an der Bilanzmedienkonferenz der SBB, am Montag, 13. Maerz 2023, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
SBB-Chef Ducrot hat eine klare Vision.Bild: keystone

Unterstützung erhält Ducrot ausgerechnet von Röstis Parteikollegen SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner: «Damit können wir die Fahrzeiten verkürzen und insbesondere den rentablen Bereich der SBB, nämlich den Fernverkehr, stärken.»

Wer entscheidet am Schluss?

Weder SBB-Chef Ducrot noch Verkehrsminister Rösti. Das letzte Wort hat das Schweizer Parlament. (pre)

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300 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Labär
09.05.2023 11:21registriert August 2020
Das Ziel kann ja wohl nicht sein, dass das Auto möglichst „konkurrenzfähig“ ist gegenüber der Bahn. Wenn der Ausbau der Strecke ZH-Olten volkswirtschaftlich Sinn macht (was ich nicht beurteilen kann), dann muss man das nicht gegen die Befindlichkeiten der Autofahrer ausspielen.
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domin272
09.05.2023 12:49registriert Juli 2016
Wie sinnvoll es ist, neben Klimaaspekten, das Auto attraktiver zu machen...
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Scrat
09.05.2023 11:54registriert Januar 2016
Die Argumentation von Rösti, wonach die Autobahn gegenüber dem Zug konkurrenzfähig bleiben müsste, ist ja sowas von weltfremd. Selbst ich als Auto- bzw. Motorradfahrer kann darüber nur den Kopf schütteln und frage mich, in welcher Realität dieser Bundesrat lebt?
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