Schweiz
SBB

SBB verzichten auf Erhebung von Alter oder Geschlecht bei Messsystem

Italiener reisen vom Zürcher Hauptbahnhof im Dezember 1962 über Weihnachten nach Hause. 
(Bild: Comet Photo)
Die SBB wollen auf die Erhebung von Kundensegmentdaten verzichten. Reisende am HB Zürich 1962.

Doch kein «1984»: SBB verzichten auf Erhebung von Alter oder Geschlecht bei Messsystem

13.03.2023, 16:5913.03.2023, 16:59

Die Kritik und die Verunsicherungen waren gross: Den SBB wurde vorgeworfen, ihre Kunden ausspionieren zu wollen. Der Stein ins Rollen gebracht hatte ein Artikel im K-Tipp, der ein geplantes neues Messsystem für Kundenströme an Bahnhöfen thematisierte. Nun meldeten die SBB, dass sie auf die Erhebung von Kundensegmentdaten verzichtet werden: Die Option, das Alter, Geschlecht und die Grösse zu erheben, fällt damit weg.

Die Konzernleitung habe beschlossen, sich auf die Kernfunktion des Messsystems zu fokussieren, auch wegen der Besorgnis in der Öffentlichkeit, teilten die SBB am Montag an der Bilanzmedienkonferenz mit. Die Befürchtungen aus Politik und Öffentlichkeit seien gehört und ernst genommen worden.

«Wir sind nicht an Daten von Individuen interessiert», wiederholte SBB-Chef Vincent Ducrot. Die SBB seien einzig an den Personenflüssen interessiert. Das geplante Messsystem solle helfen, diese Flüsse für die Zukunft zu optimieren.

Die SBB suchen seit Anfang Februar mit einer öffentlichen Ausschreibung Anbieter für das neue Kundenfrequenzmesssystem in den Bahnhöfen. Die Bahn entfachte damit eine Debatte über den Datenschutz im öffentlichen Raum.

Italiener reisen vom Zürcher Hauptbahnhof im Dezember 1962 über Weihnachten nach Hause. 
(Bild: Comet Photo)
Die SBB seien einzig an den Personenflüssen interessiert. Reisende am HB 1962.

Ende Februar hatten sich die SBB für die «Missverständnisse in den technisch formulierten Ausschreibungsunterlagen» entschuldigt. Es würden keine Daten von Individuen erfasst, und es werde auch keine eigentliche Gesichtserkennung an Bahnhöfen eingesetzt.

Offen lassen wollten sich die SBB einzig die Möglichkeit, Daten von Kundensegmenten wie das Alter, Geschlecht oder die Grösse zu erfassen. Nach einer «Nutzenabwägung» sind die SBB nun aber zum Schluss gekommen, ganz darauf zu verzichten. Die Ausschreibung wird entsprechend angepasst.

Deswegen verschiebt sich der Zeitplan nach hinten. Laut SBB wird der Auftrag voraussichtlich im ersten Quartal 2024 vergeben statt, wie bisher geplant, im Juni 2023. Das neue Messsystem wird voraussichtlich ab Anfang 2025 in Betrieb sein.

(sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12
Senioren verursachen mehr Unfälle als Neulenker: Bundesrat will nichts unternehmen
Ein Bericht sollte aufzeigen, wie die Verkehrstauglichkeit von Senioren besser überprüft und gefördert werden kann. Doch die Regierung winkt ab: Das bringe nichts.
Der Mann verwechselte das Gaspedal mit der Bremse und fuhr direkt in die Menschengruppe. Es war eine Schulklasse aus Allschwil (BL) auf dem Heimweg aus dem Skilager. Die 47-jährige Lehrerin kam beim Unfall, der sich diesen März in Sedrun GR ereignete, ums Leben, drei Schüler wurden verletzt. Der Fahrer war 87 Jahre alt.
Zur Story