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Lausanne: So legte eine Pyro den SBB-Knotenpunkt lahm

Bis Dienstagabend keine Züge bei Lausanne: So legte eine Pyro den SBB-Knotenpunkt lahm

Das gab es noch nie: Fussballchaoten stecken am Bahnhof Lausanne Kabel in Brand und sorgen für Chaos. Ein Experte erklärt, wieso das auf dem Schweizer Schienennetz gar nicht möglich sein dürfte.
17.02.2026, 04:4717.02.2026, 04:47
Julian Spörri
Kari Kälin

Es war ein Spektakel: Beim unterhaltsamen 3:3 zwischen dem FC Lausanne-Sport und dem FC Servette kamen die Fussballfans am Sonntagnachmittag in Lausanne voll auf ihre Kosten. Doch statt sich nach dem Ausgleich in der 91. Minute über einen Punktgewinn zu freuen, randalierten Genfer Hooligans auf der Heimreise. Chaoten zündeten bei der Abfahrt aus dem Bahnhof Lausanne im SBB-Extrazug Pyrotechnik.

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Die Reparaturen nach dem Brand in Lausanne laufen auf Hochtouren.Bild: keystone

Das Abbrennen von pyrotechnischem Material ist zwar ein steter Begleiter von Fussballspielen, hatte in diesem Fall jedoch gravierende Folgen: Seit Sonntagabend ist der Zugverkehr am SBB-Knotenpunkt Lausanne mit täglich 100'000 Passagieren stark eingeschränkt. Unterbrochen ist der zentrale Streckenabschnitt zwischen Lausanne und Prilly-Malley. Er wird nicht nur für sämtliche Verbindungen zwischen Genf und Lausanne genutzt, sondern auch vom IC5, der von St.Gallen über Zürich, Olten und Solothurn nach Lausanne fährt.

Der erste solche Vorfall hierzulande

Grund für die erhebliche Störung ist ein Brand von Kabeln zur Steuerung der Weichen und Signale, den die SBB auf einen Pyrowurf aus dem Fanzug zurückführen. Die ersten Abklärungen der Waadtländer Kantonspolizei stützen diese Erklärung der Brandursache. Die Bundesbahnen fanden am Brandort Überreste einer Petarde auf. Es handle sich «um einen Akt von Vandalismus und Leichtsinn, der zu dieser sehr bedauerlichen Situation geführt hat», sagte David Fattebert, Regionalleiter der SBB für die Westschweiz, am Montagmorgen zur Zeitung «Le Temps».

Insgesamt wurden rund 40 Kabel mit 1000 Verbindungen zerstört. Laut SBB dauert die Reparatur pro Kabel ungefähr sechs bis acht Stunden. Ein vergleichbarer Vorfall aus der Vergangenheit sei nicht bekannt, teilt eine Sprecherin mit.

Auch Walter von Andrian, Chefredaktor der Zeitschrift «Schweizer Eisenbahn-Revue», bezeichnet den Vorfall als aussergewöhnlich. «Dass ein Fussballchaot mit einer Petarde versehentlich Kabel in Brand setzt, habe ich noch nie gehört», sagt der Bahnexperte. Wenn es zu Kabelbränden gekommen sei, habe es sich bislang entweder um bewusste Attentate gehandelt, wie dies in Frankreich oder Deutschland schon vorgekommen sei. Oder aber um einen technischen Defekt, bei welchem der Brand innerhalb des Kabelbündels entstand.

Darum fehlten feuerfeste Betonschächte

«Das Abbrennen von pyrotechnischem Material dürfte eigentlich keinen Kabelbrand auslösen», sagt von Andrian. Denn auf dem Schweizer Schienennetz seien die Kabel in der Regel in Betonschächten verlegt.

«Wenn man vom Zug aus dem Fenster schaut, sieht man diese links oder rechts der Geleise im Schotter. Diese Betonelemente fangen nicht Feuer.»

Wie Bilder von der Unglücksstelle zeigen, waren die verbrannten Kabel nicht in Betonschächten verlegt. Zumindest ein Teil verlief durch Verschalungen aus Hartplastik, die ebenfalls Feuer fingen. «Es sieht nach einer provisorischen Installation aus», sagt von Andrian.

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Die verbrannten Kabel waren aufgrund der Bauarbeiten nicht in Betonschächten verlegt.Bild: keystone

Eine Verbindung zu den derzeit laufenden Bauarbeiten im Bahnhof Lausanne drängt sich auf. Die SBB bestätigen den Sachverhalt auf Anfrage: Während man die Kabel «normalerweise» in feuerfesten Betonschächten verlege, sei dies im vorliegenden Fall aus mehreren Gründen nicht der Fall gewesen:

«Rund um den Bahnhof Lausanne sind Bauarbeiten im Gange. Die Kabel liegen in einem Bereich, der nicht öffentlich zugänglich ist. Auch dort sind die Kabel geschützt, aber nicht in einem feuerfesten Betonschacht.»

Die Höhe der verursachten Schäden können die SBB noch nicht beziffern. Die Bundesbahnen werden Strafanzeige einreichen. Offen ist auch, ob der Fussballchaot die betroffene Stelle mit seiner Pyrotechnik gezielt anvisierte – oder ob es sich um Zufall handelte. Experten halten Letzteres für wahrscheinlicher, da es schwierig ist, aus einem fahrenden Zug ein Ziel präzise zu treffen.

Staatsanwaltschaft führt Ermittlungen

Nun liegt es an der Justiz, Licht ins Dunkel zu bringen. Wie die Waadtländer Staatsanwaltschaft mitteilt, hat sie ein Strafverfahren eröffnet. Mögliche Straftatbestände seien vorsätzliche Brandstiftung, Sachbeschädigung sowie die Störung von Betrieben im Dienste der Allgemeinheit. Bei einer Verurteilung droht eine Freiheits- oder Geldstrafe. Dazu müssten aber der oder die möglichen Täter identifiziert werden. Das ist bislang nicht geschehen. An der Hürde der Identifizierung scheitern viele Verfahren gegen Hooligans.

Die SBB raten von Reisen auf der betroffenen Strecke ab. Bis mindestens Dienstagabend bleibt der Bahnverkehr zwischen Lausanne und Prilly-Malley unterbrochen. Laut den Bundesbahnen dürfte es bis Donnerstag oder noch länger dauern, bis die Züge wieder ohne Einschränkungen verkehren. (aargauerzeitung.ch)

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Heinzbond
17.02.2026 05:37registriert Dezember 2018
können wir endlich aufhören solche leute als "fans" zu bezeichnen und sie stattdessen mit den Bezeichnungen Chaoten oder Hooligans belegen... ich wäre auch mit erlebnisorientierten krawall touristen einverstanden...
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ruedi62
17.02.2026 05:55registriert Juli 2022
Verbietet endlich diese Pyros .... mit harten Strafen.
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MacB
17.02.2026 06:21registriert Oktober 2015
Und die Vereine so: nein, nein wir stehen nicht in der Mitverantwortung. wir sind in dem Austausch mit den Fangruppierungen, unsere war’s nicht. Kameras in den Stadien? Ticket nur gegen Registrierung? Nein nein, das brauchen wir nicht. Die Kantone sollen zahlen.
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