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Im März protestierten ETH-Studierende in Zürich gegen höhere Studiengebühren. Bild: screenshot vseth.ethz.ch

500 Franken mehr pro Jahr – ETH-Studenten droht am Donnerstag saftige Gebührenerhöhung

Am Donnerstag ist es soweit: Der ETH-Rat fällt den definitiven Entscheid über die bereits letztes Jahr angekündigte Erhöhung der Studiengebühren auf 1660 Franken. Der Studierendenverband wehrt sich – doch die Würfel dürften bereits gefallen sein.



Studierende an der ETH Zürich und der EPFL in Lausanne müssen möglicherweise schon bald tiefer ins Portemonnaie greifen. Am Donnerstag bestimmt der ETH-Rat, ob er die Gebühren – wie nach dem Grundsatzentscheid im September 2017 angekündigt – erhöht. Sie sollen ab dem Herbstsemester 2019 über zwei Jahre gestaffelt um insgesamt 500 Franken von heute 1'160 Franken auf 1'660 Franken im Jahr 2020 angehoben werden.

Der ETH-Rat bezeichnet die vorgesehene Erhöhung von 500 Franken als «moderat» und «sozialverträglich». Verschiedene «Abfederungsmassnahmen» sollten den Zugang zum ETH-Studium für alle sicher stellen. Die zusätzlichen Einnahmen wolle man mehrheitlich in die Lehre investieren, um «das hochstehende Unterrichtsniveau weiter zu verbessern».

Der ETH-Rat begründete die geplante Erhöhung mit finanziellen Argumenten: Während die Studierendenzahlen an den beiden ETH in den letzten zehn Jahren um rund 60 Prozent gestiegen seien, habe der Anstieg bei den investierten Bundesmitteln im ETH-Bereich nicht mit diesem Wachstum mithalten können.

Ausserdem befände sich die ETH auch mit jährlichen Studiengebühren von 1’660 Franken immer noch im unteren Drittel der Schweizer Hochschulen. Die Università della Svizzera Italiana (4‘000 Franken) oder die Universität St. Gallen (2‘852 Franken) verlangen deutliche höhere Semestergebühren.

«Finanziell nicht begründbar»

Unter den Studierenden erregte der Grunsatzentscheid für eine Gebührenerhöhung Unmut. Es sei «ein falscher Schritt», der «eindeutig dem momentanen Finanzierungsmodell der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen entgegen» stehe. Das schrieb der Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH) im September in einer Medienmitteilung.

In der Folge führte der VSETH eine Umfrage durch, deren Ergebnisse in die Anhörungsantwort von Ende 2017 zuhanden des ETH-Rats einflossen. 70 Prozent der Studierenden sprachen sich in der Umfrage gegen die geplante Erhöhung aus.

VSETH-Vizepräsidentin Medea Fux sagt gegenüber watson, dass «eine Erhöhung der Studiengebühren finanziell nicht begründbar ist». Die ETH stehe wirtschaftlich weiterhin gut. Ausserdem zweifelt sie den finanziellen Effekt an: «Die Mehreinnahmen aus der Gebührenerhöhung würden im Verhältnis zum Gesamtbudget der ETH nur gerade 0,3 Prozent betragen», erläutert Fux. In der Lehre, wohin die Einnahmen fliessen sollen, betrage der Anteil 1,2 Prozent.

«Spürbare Mehrbelastung»

Die vom ETH-Rat angekündigten Abfederungsmassnahmen seien ungenügend: «Die Gebührenerhöhung führen zu einer Chancenungleichheit». 500 Franken seien für viele ETH-Studierende eine spürbare Mehrbelastung. Viele von ihnen haben gemäss Fux ein knappes Budget und müssen mit relativ wenig Geld auskommen.

Die hohe zeitliche Belastung durch das Studium von durchschnittlich 50 Stunden pro Woche sowie die lange Lern- und Prüfungsphase in den vorlesungsfreien Zeit machten es schwierig, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Studiengebühren sowie Ausgaben für Material und Exkursionen machten zwischen 8 und 23,5 Prozent des Budgets von ETH-Studenten aus.

Als zusätzliche Belastung kommen laut Fux die hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz hinzu – welche insbesondere für ausländische Studierende ein Problem seien. Mit 500 Franken höheren Studiengebühren dürften es sich viele von ihnen zweimal überlegen, an die ETH zu kommen: «Somit besteht gefährdet die Gebührenerhöhung die Internationalität, welche die ETH auszeichnet.»

«Höchst riskanter Schachzug»

Für VSETH -Vizepräsidentin Fux ist die Gebührenerhöhung «in erster Linie politisch motiviert». Der ETH-Rat hoffe, mit der Gebührenerhöhung dem Parlament zu signalisieren, dass man seinen finanziellen Beitrag leiste. Damit wolle er verhindern, dass National- und Ständerat das Budgetwachstum im ETH-Bereich weiter abbremsten.

«Das ist aber ein höchst riskanter politischer Schachzug mit unklarem Ausgang», kritisiert Fux. Die negativen Auswirkungen einer Gebührenerhöhung überwiegten eindeutig. Es sei deshalb inakzeptabel, dass die Studierenden als Spielball der Bundespolitik missbraucht werden

Briefaktion an ETH-Ratsmitglieder

Ob sich die Kritik der Studierenden Wirkung gezeigt hat, wird erst am Donnerstagnachmittag klar. Sie hatten sich mit zahlreichen Aktionen dagegen gewehrt. Anfang März 2018 etwa demonstrierten rund 600 Personen gegen höhere Studiengebühren.

Kurz darauf vertagte der ETH-Rat den Entscheid mit der Begründung, «einige der vorgebrachten Anliegen» zu überprüfen. An seinem Ansinnen, die Studiengebühren zu erhöhen, hielt er allerdings fest. Die genaue Ausgestaltung erfordere jedoch weitere Abklärungen.

Über diese Ausgestaltung dürfte der ETH-Rat morgen informieren. Mit einer Briefkampagne zuhanden der Ratsmitglieder hat der VSETH in den vergangenen Wochen noch versucht, eine Gebührenerhöhung zu verhindern. (cbe) 

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