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Schule - Bildung

Pisa-Studie: So gut schneidet die Schweiz ab

ZUR POLITISCHEN BILDUNG AN DER KANTONSSCHULE GLARUS STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A teacher with pupils of the 5th grade during geography lessons at the gymnasium o ...
Blick in ein Klassenzimmer im Kanton Glarus (Archivbild, Juni 2019).Bild: KEYSTONE

Ein Viertel der Schweizer Kinder kann schlecht lesen und 7 weitere Punkte der PISA-Studie

Die Schweiz schlägt sich in der neuesten PISA-Studie insgesamt gut. Im längerfristigen Trend zeigt sich gerade in der Mathe aber ein leichter Abwärtstrend.
05.12.2023, 11:0005.12.2023, 17:33
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Was ist die Kurzfassung?

Im internationalen Vergleich schneiden die 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften gut bis sehr gut ab. In allen drei getesteten Kompetenzbereichen liegt die Schweiz über dem OECD-Durchschnitt. Die besten Testergebnisse erreichen die 15-Jährigen in der Schweiz in Mathematik, wie die aktuelle PISA-Studie zeigt.

Wie schlägt sich die Schweiz in der Mathematik?

Mit durchschnittlich 508 Punkten schneiden die 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz auf der globalen PISA-Skala in der Mathematik erneut sehr gut ab.

Ausgewählte Vergleichsländer:

Lesebeispiel: Im OECD-Vergleich ist im Bereich Mathematik nur Estland besser als die Schweiz. Die Nummern rechts zeigen die Verteilung der Noten von 1 bis 6. Vier Prozent erreichten eine Note 6, sechs ...
Lesebeispiel: Im OECD-Vergleich ist im Bereich Mathematik nur Estland besser als die Schweiz. Die Nummern rechts zeigen die Verteilung der Noten von 1 bis 6. Vier Prozent erreichten eine Note 6, sechs Prozent unter Niveau 1a.bild: pisa schweiz / edk

Das Resultat liegt über dem OECD-Durchschnitt von 472 Punkten. Die Schweiz erreicht damit das achtbeste Ergebnis aller teilnehmenden Länder. Sechs asiatische Länder oder Territorien sowie Estland sind besser als die Schweiz, wobei der Rückstand zu Estland im Bereich statistischer Unschärfen liegt.

Die übrigen 73 Länder schneiden signifikant schlechter ab. Allerdings erreichen 19 Prozent der 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz die von der OECD beschriebenen Mindestanforderungen an eine mathematische Grundbildung nicht. Der Anteil an besonders leistungsstarken Jugendlichen in Mathematik beträgt 16 Prozent.

Die Rangliste (inkl. Länder ausserhalb OECD)

  1. Singapur (575)
  2. Macao-China (552)
  3. Chinesisches Taipei (547)
  4. Hongkong-China (540)
  5. Japan (536)
  6. Korea (527)
  7. Estland (510)
  8. Schweiz (508)
  9. Kanada (497)
  10. Niederlande (493)
  11. Irland (492)
  12. Belgien (489)
  13. Dänemark (489)
  14. Vereinigtes Königreich (489)
  15. Polen (489)

Wie schlägt sich die Schweiz im Lesen?

Die durchschnittliche Leseleistung von 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz bleibt mit 483 Punkten gut. Das Ergebnis liegt über dem OECD-Durchschnitt von 476 Punkten und ist mit den Ergebnissen 2015 und 2018 vergleichbar.

Ausgewählte Vergleichsländer:

Der Vergleich mit der OECD und die Verteilung der Noten.
Der Vergleich mit der OECD und die Verteilung der Noten.bild: pisa schweiz / edk

Der Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen beträgt 25 Prozent, derjenige der leistungsstarken Jugendlichen 9 Prozent.

Die Rangliste (inkl. Länder ausserhalb OECD)

  1. Singapur (543)
  2. Irland (516)
  3. Japan (516)
  4. Korea (515)
  5. Chinesisches Taipei (515)
  6. Estland (511)
  7. Macao-China (510)
  8. Kanada (507)
  9. Vereinigte Staaten (504)
  10. Neuseeland (501)
  11. Hongkong-China (500)
  12. Australien (498)
  13. Vereinigtes Königreich (494)
  14. Finnland (490)
  15. Dänemark (489)
  16. Polen (489)
  17. Tschechische Republik (489)
  18. Schweden (487)
  19. Schweiz (483)
  20. Italien (482)

Wie schlägt sich die Schweiz in den Naturwissenschaften?

Auch bei den Naturwissenschaften sind die durchschnittlichen Leistungen mit 503 Punkten im guten Bereich. Der OECD-Durchschnitt beträgt 485 Punkte. Dieses Ergebnis unterscheidet sich statistisch ebenfalls nicht von den Resultaten von 2015 und 2018.

Ausgewählte Vergleichsländer:

Der Vergleich mit der OECD und die Verteilung der Noten.
Der Vergleich mit der OECD und die Verteilung der Noten.bild: pisa schweiz / edk

Die Rangliste (inkl. Länder ausserhalb OECD)

  1. Singapur (561)
  2. Japan (547)
  3. Macao-China (543)
  4. Chinesisches Taipei (537)
  5. Korea (528)
  6. Estland (526)
  7. Hongkong-China (520)
  8. Kanada (515)
  9. Finnland (511)
  10. Australien (507)
  11. Neuseeland (504)
  12. Irland (504)
  13. Schweiz (503)
  14. Slowenien (500)
  15. Vereinigtes Königreich (500)

Wie sind die Ergebnisse im langfristigen Vergleich?

Doch wie sehen die Ergebnisse im längerfristigen Vergleich aus? Im Bericht heisst es, die Zahlen deuteten auf einen «ungünstigen mittelfristigen Trend bei den Mathematikkompetenzen» hin, wenn man die Ergebnisse mit 2015 vergleicht. Drastischer sieht's aus, wenn man 20 Jahre zurückschaut. Die Studienautoren verweisen aber darauf, dass die Methodik zwischen 2014 und 2018 gewechselt habe, Vergleiche mit 2014 oder früher seien deswegen nicht so aussagekräftig.

Bei der durchschnittlichen Lesekompetenz sieht man zwischen 2018 und 2022 keine grossen Veränderungen. Allerdings stieg der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler zwischen 2015 und 2022 von 20 Prozent auf 25 Prozent.

Bei den durchschnittlichen Leistungen im Bereich der Naturwissenschaften zeigt sich hingegen ein erfreulicher Trend gegenüber 2018.

Was bereitet den Lehrpersonen Sorge?

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer hielt in einer Medienmitteilung fest, dass man ob der guten bis sehr guten Resultate erfreut sei. Dennoch würden einige Bereiche Sorgen bereiten. Nebst der bereits angesprochenen Lese- und Matheschwächen würde auch die Verschlechterung der Chancengerechtigkeit und die deutlichen Geschlechterunterschiede Sorgen bereiten.

Die Studie zeigt nämlich, dass die schulischen Leistungen eng mit dem Elternhaus zusammenhängen. Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien schnitten in Mathematik deutlich schlechter ab. Der Leistungsunterschied zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Schülerinnen und Schülern war noch nie so gross wie bei PISA 2022.

Bei Mädchen würde zudem eine zweimal höhere Wahrscheinlichkeit für Angst vor Mathematik bestehen als bei Jungen – wohlgemerkt bei gleicher Leistung.

Welchen Einfluss hatte Corona auf die schulischen Kompetenzen?

Gemäss PISA-Studie keinen grossen. Es seien keine «negativen Auswirkungen auf die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler» in der Schweiz in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften festgestellt worden, kommt der PISA-Bericht zum Schluss.

Die Schweiz hatte zwar ab Frühjahr 2020 sowohl auf Sekundarstufe I als auch auf Sekundarstufe II wegen Covid-19 Schulschliessungen angeordnet, diese waren jedoch im internationalen Vergleich relativ kurz. So berichtete ein Grossteil der Schweizer 15-Jährigen aus allen drei Sprachregionen von «positiven Lernerfahrungen und einem hohen Wohlbefinden» in dieser Zeit, wie es weiter heisst.

Hingegen fehlte bei «rund der Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler» die Lernmotivation. Wie der Bericht zeigt, konnte jedoch «insbesondere die Erreichbarkeit der Lehrperson die Lernmotivation verbessern».

Wie viele Schüler wurden gemobbt?

Auch zum Thema Mobbing wurden die 15-Jährigen befragt. Im Vergleich zur PISA-Studie 2018 fühlten sich die Jugendlichen Mobbing weniger ausgesetzt. So betrug 2022 der Anteil der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz, die nach eigenen Angaben mehrfach pro Monat Mobbing-Erfahrungen machen, 19 Prozent und ist damit vergleichbar mit dem OECD-Durchschnitt.

Vergleichsländer mit deutlich höheren Werten seien Deutschland, Österreich, Kanada, Frankreich und Estland, heisst es in der Pisa-Studie. Signifikant weniger Mobbing-Erfahrungen als in der Schweiz machen hingegen Jugendliche in Finnland und Italien.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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144 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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tesso
05.12.2023 12:02registriert November 2023
Ich betreue, als Nachbar, eine ukrainische 5.Kopf-Familie.
Der kleinste Bub ( 7Jahre) ist der Hit😍 . Er lernt so schnell.

Aber er hat kein Mobile !
Ich füttere ihn mit Globi-Heftchen und anderen Comics.
Wir lesen das zusammen durch.

Hab richtig Freude an dem 👍
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Doplagus
05.12.2023 11:35registriert Dezember 2019
Naja wenn man die heutige generation in der freizeit reden hört, wundert mich nicht dass immer weniger gut gelesen und geschrieben wird...
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Booker
05.12.2023 16:44registriert September 2016
Wenn man parallel dazu noch den Migrationshintergrund erfasst hätte bzw. publizieren würde, wäre eines der Hauptprobleme erkannt. Nebst den sprachlichen Hürden (Verständnis) und kommt letz anderes Schulsystem, sind zuhause auch keine Eltern, die hier die Schule absolviert haben und unterstützen können. Ausserschulische Nachhilfe ist teuer.
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