Schweiz
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«Skandal, was hier läuft» – warum der Kinderschänder aus Solothurn freigelassen wurde



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Er galt als untherapierbar und als mittelgradig bis hoch rückfallgefährdet. Trotzdem kam der mehrfache Kinderschänder William W. 2016 frei, auch weil die Solothurner Justizbehörden zögerlich handelten. Sie beantragten zwar eine nachträgliche Verwahrung, die Staatsanwaltschaft liess das Verfahren jedoch sistieren. Die Verhandlung dazu fand nie statt.

Jetzt wurde der 45-Jährige offenbar rückfällig, wie Tele M1 am Freitagabend berichtete. W. war vergangene Woche verhaftet worden, weil er einen Knaben am Glied berührt haben soll. Der Vorfall führt zu massiver Kritik an der Arbeit der Solothurner Justiz. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli fordert Konsequenzen: «Die zuständige Parlamentskommission in Solothurn muss den Fall untersuchen.»

Christian Imark, SVP-SO, spricht an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 27. September 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Christian Imark Bild: KEYSTONE

Und SVP-Nationalrat Christian Imark sagt gegenüber Tele M1: «Es ist ein Skandal, was hier läuft. Urteilt man nach gesundem Menschenverstand, müsste so ein Straftäter spätestens nach der sechsten Kinderschändung lebenslang verwahrt werden – und die Solothurner Justiz macht einfach nichts.» Betroffen reagiert auch SP-Nationalrätin Bea Heim.

In ihrem Dorf Starrkirch-Wil hat W. 2006 die damals achtjährige Selina sexuell missbraucht. Dies, nachdem er bereits in fünf Fällen wegen Kinderschändung verurteilt und wieder freigelassen worden war. «Es geht um den Schutz der Kinder und ich sehe kein anderes Instrument als die Verwahrung», sagt sie Tele M1. Die Vergangenheit zeige, dass weder Bewährungshilfe noch elektronische Fussfesseln Missbräuche verhindern können. «Man hat ihn auf Risiko freigelassen – das ist unverantwortlich.»

Fürst: Keine personellen Konsequenzen

Justizdirektor Roland Fürst zeigt sich gegenüber der «SonntagsZeitung» «sehr betroffen»: «Die Strafverfolgung muss alles in ihrer Macht Stehende dafür tun, die Gesellschaft vor solchen Tätern zu schützen», so Fürst. Das Regelwerk zwischen Gerichten, Staatsanwaltschaft und Strafvollzugsbehörden müsse «kritisch hinterfragt und allenfalls überarbeitet werden». Personelle Konsequenzen schloss Fürst aus.

Regierungsrat Roland Fuerst (CVP, bisher) in einem Interview mit Journalisten, im Wahlforum in der Rythalle in Solothurn, am Sonntag, 12. Maerz 2017. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Roland Fürst Bild: KEYSTONE

Zwar hatte die Solothurner Staatsanwaltschaft 2015 die Verlängerung der stationären therapeutischen Massnahme verlangt. Das Obergericht lehnte es jedoch ab, W. für weitere fünf Jahre in der sogenannten «kleinen Verwahrung» zu belassen. Diese darf nur angeordnet werden, wenn bei der Therapie Aussicht auf Erfolg besteht. Bei W. sah man dazu keine Chance: Trotz über 230 Therapiesitzungen sei man keinen Zentimeter weiter gekommen, urteilte ein Gutachter. Daraufhin wurde W. 2016 freigelassen.

Er erhielt gar noch eine Entschädigung von 52'000 Franken, weil er zu lang hinter Gittern behalten worden war. Die nachträgliche Verwahrung wurde dann von der Solothurner Staatsanwaltschaft zwar zuerst beantragt. Die Verhandlung dazu liess man aber ausfallen, da W. kein «Kernpädophiler» sei. «Offenbar muss zuerst erneut etwas passieren, bevor die Justiz handelt», kommentierte ein früheres Opfer von W. diesen Vorgang gegenüber der «SonntagsZeitung» damals. W. wurde mit GPS überwacht. Ob diese Methode sinnvoll sei, wurde schon 2017 in einer Interpellation im Kantonsrat infrage gestellt. (lfh/chm) 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Skip Bo 27.11.2018 04:51
    Highlight Highlight Die Rolle des Bundesgerichtes wird in diesem Artikel nicht erwähnt. Im ersten watson Artikel zu diesem Fall steht u.a.:
    "Doch weil der Mann als untherapierbar galt, respektive jegliche therapeutische Massnahme verweigerte, war die Verlängerung laut Bundesgerichtsentscheid unzulässig. "
    Das BG hat es verpasst die prognostzierte Gefährlichkeit zu würdigen und die Inkraftretung seines Entscheids aufzuschieben. Verantwortungslos.
  • Jimmy :D 26.11.2018 23:36
    Highlight Highlight Bei W. sah man dazu keine Chance: Trotz über 230 Therapiesitzungen sei man keinen Zentimeter weiter gekommen, urteilte ein Gutachter. Daraufhin wurde W. 2016 freigelassen.

    Kann das Jemand erklären?
    • Bruno Wüthrich 27.11.2018 16:19
      Highlight Highlight Es wäre am Schreiber dieses Artikels, dies zu erklären. Denn als guter Journalist hat er dies gewiss nachgefragt (und dann halt zu schreiben vergessen).
  • Bruno Wüthrich 26.11.2018 21:56
    Highlight Highlight Mir kommt dieser Artikel einseitig daher. Erstens scheint die Täterschaft noch nicht bewiesen zu sein. Und zweitens wird unterschwellig unterstellt, dass in diesem Fall nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Aber dafür fehlen jegliche Belege.

    Ich bin auch der Meinung, dass die Bevölkerung bestmöglich vor solchen Straftaten geschützt werden muss. Dabei gilt es aber, die Rechtsstaatlichkeit nicht zu verlassen.

    Die Schweizer Justiz weist eine der besten Erfolgsraten weltweit auf. Aber die Law and Order - Prediger orientieren sich immer wieder an deutlich weniger erfolgreichen Staaten.
    • neutrino 26.11.2018 23:55
      Highlight Highlight Mal ein guter Kommentar. Dieser Fall scheint ein absoluter Skandal zu sein (auch wenn der Bericht nicht darlegen kann, wo der Fehler passierte..), aber man muss eines sehen: wollen wir solche Fälle zu 100% eliminieren, dann gibt es nur System USA oder System Saudi-Arabien, etc: d.h. einfach mal im Zweifel repressiv wegsperren/foltern - ein Prozentsatz der Bevölkerung ist dann einfach in der Kiste, bzw. am Galgen, viele auch unschuldig.
  • Bivio 26.11.2018 17:47
    Highlight Highlight Ich finde es nicht ok, dass sich die Justiz und die Verwaltung immer aus der Affäre ziehen können. Beim Diesel Skandal oder anderen Fällen in der Wirtschaft werden auch die Chefs bzw. die Verantwortlichen angeklagt auch wenn sie nichts direkt gemacht haben.
    Ich fände es daher nur angemessen, wenn die zuständigen Personen in der Verwaltung/Justiz ebenfalls für dermassen krasse Fehleinschätzungen bzw. Fehlverhalten verantwortlich gemacht werden können.
    • aglio e olio 26.11.2018 17:56
      Highlight Highlight Wenn Fahrlässigkeit oder Absicht festgestellt werden können, ok.
      In anderen Fällen wohl eher nicht. Denn dann entscheiden die Menschen nicht objektiv sondern subjektiv mit Blick auf die eigene "Sicherheit".
      Der Rechtsstaat wäre dann unterwandert.
    • Bivio 26.11.2018 18:34
      Highlight Highlight Roland Fürst schliesst schon mal aus,dass personelle Konsequenzen gezogen werden. Sagt ja schon alles über die Nachbearbeitung des Falles.
      Ich rede ja von Absicht bzw. Fahrlässigkeit. Es gibt Aber auch ein Konzernstrafrecht. Warum soll man es nicht auf die Verwaltung anwenden können.
      Wenn ich als Statiker eine falsche Berechnung mache und ein Haus stürzt ein, dann bin ich haftbar. Warum soll in einem solch offensichtlichen Fall nicht genauso gehandelt werden? Entgegen allen Warnungen wurde dieser mehrfache Kinderschänder wieder auf freien Fuss gesetzt und sogar eine Lockerung wurde geprüft.
  • In vino veritas 26.11.2018 17:29
    Highlight Highlight Ach was wundert es mich, wir sind hier schliesslich in der Bananenrepublik Schweiz 🤷‍♂️. Mich verwundert es nicht, dass mittlerweile so manch ein gesetzlichestreuer Bürger das Vertrauen in die Justiz verliert. Hoffentlich wird er anschliessend ausgeschaft. In der Schweiz kann (oder will) man die Gesellschaft offenbar nicht schützen...
    • häxxebäse 26.11.2018 19:03
      Highlight Highlight Was machen wir mit inländern? Wohin ausschaffen? Nach oberwil-lieli ins glarnerland?
    • In vino veritas 26.11.2018 21:26
      Highlight Highlight Nur blöd, dass er Kolumbianer ist. Aber was nicht sein darf, darf nicht sein...
    • häxxebäse 27.11.2018 14:10
      Highlight Highlight Und? Geht es hier um die nationalität oder das verbrechen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Töfflifahrer 26.11.2018 15:58
    Highlight Highlight Wie geht das? Man kann eine kleine Verwahrung sprechen wenn die Therapie anschlägt, tut sie das nicht lässt man in laufen?
    Echt jetzt? Irgend jemand hat hier seinen Job so was von komplett nicht gemacht und der Regierungsrat schliesst Konsequenzen aus? Wow, Was sagt das über unsere Regierungen und Behörden? Nichts gutes!
  • Pafeld 26.11.2018 15:52
    Highlight Highlight Wenn das Verfahren fallengelassen wurde, weil der Täter nicht therapierbar ist/war und dies Voraussetzung für eine Therapieverlängerung ist, warum kommt man denn dazu, die Verwahrung zu verschlampen? Wir haben die Gesetze und sie bewähren sich, wenn sie korrekt angewendet werden. Hier ist offensichtlich eine Staatsanwaltschaft mit ihrer Arbeit überfordert.
  • Judge Dredd 26.11.2018 15:03
    Highlight Highlight Nur anhand dieses Artikels zu Urteilen wäre nicht seriös. Man müsste die Fälle und die Gutachten kennen um die Entscheidungen der Justizbehörden verstehen bez. kritisieren zu können.

    Fakt ist aber, dieser Mann ist und war ein Triebtäter. Er hat und hatte zur Genüge bewiesen, dass er sich nicht unter kontrolle hat. Wenn es an den gesetzlichen Grundlagen gefehlt hatte, um ihm die Freiheit zu entziehen, so muss das breit diskutiert werden und es müssen Lösungen gesucht werden.

    Was passiert ist, ist passiert. Jetz muss man alles daran setzen, in Zukunft eine solchen Fall zu verhindern.
  • who cares? 26.11.2018 15:02
    Highlight Highlight Muss denn noch ein Kind vergewaltigt werden, bis endlich mal etwas getan wird?
    Nach mehrfacher Verurteilung und bescheinigter Untherapierbarkeit darf der noch immer frei herumlaufen und weitere Kinder gefährden?

    Und habe ich das richtig verstanden, nur bei wem die Therapie Wirkung zeigt, darf verwahrt werden? Ansonsten lässt man die Person einfach auf gut Glück frei?

    Wie können die Solothurner Staatsanwälte und Richter abends einschlafen?
  • WID 26.11.2018 14:48
    Highlight Highlight Und was sagt uns der Bericht nun? Wo liegt der Wurm?
    • Clife 26.11.2018 16:12
      Highlight Highlight Der liegt in der offensichtlichen Kuscheljustiz
    • aglio e olio 26.11.2018 17:58
      Highlight Highlight Na los, sag schon, WID.
    • Judge Dredd 26.11.2018 19:32
      Highlight Highlight @Clife, was oder wer ist die Kuscheljustiz? Die Polizei, die Staatsanwaltschaft, die erst-/ zweit-/ oder letztinstanzlichen Gerichte? Eventuell auch die Gutachter oder ist es am Ende soch die Legislative, welche die Gesetzt und Verordnungen ausarbeitet?
      Sie scheinen ja zu wissen, wo es hakt, dann klären sie uns auf.

      Dass dieser Fall so gelaufen ist, dass man diesen Triebtäter nicht wegsperren konnte ist eine Katastrophe, vor allem für die Opfer. Jetzt einfach mal wieder "Kuscheljustiz" rufen bringt den Opfern auch nichts.

      Man muss verhindern, dass sich das wiederhole kann.
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Kantonale Abstimmungen: In Bern bleibt alles beim Alten, Basel baut kein Ozeanium

Im Kanton Bern wird die Sozialhilfe nicht gekürzt. Das Stimmvolk lehnte am Sonntag eine Gesetzesänderung mit 52,6 Prozent ab. Die Revision hätte ermöglicht, den Grundbedarf unter die Skos-Richtlinien zu senken.

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