Schweiz
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Erstmals seit zehn Jahren: Sozialhilfequote ging 2018 leicht zurück



Erstmals seit zehn Jahren wurden in der Schweiz 2018 weniger Sozialhilfebezüger gezählt: Sowohl die reine Anzahl wie deren Verhältnis zur Einwohnerzahl – die Sozialhilfequote – gingen zurück. Letztere sank gemäss Bundesamt für Statistik BFS von 3,3 auf 3,2 Prozent.

272'700 Personen haben in der Schweiz im Jahr 2018 mindestens einmal eine finanzielle Leistung der wirtschaftlichen Sozialhilfe erhalten, 5600 weniger als im Vorjahr.

49'300 oder 28.1 Prozent aller Dossiers konnten abgelöst werden, das heisst mehr als ein Viertel der Sozialhilfebezüger konnten wieder auf eigenen Beinen stehen. Paare mit einem oder zwei Kindern haben die höchste Chance, sich durch Verbesserung der Erwerbssituation von der Sozialhilfe abzulösen, da potentiell zwei erwachsene Personen ein Erwerbseinkommen erzielen können.

Schon ab 46 Jahren wächst heute das Risiko, aus dem Arbeitsmarkt herauszufallen und in der Sozialhilfe zu landen. Teilnehmerinnen einer Kundgebung gegen die Altersdiskriminierung in Bern. (Archivbild)

Im Alter ist der Weg aus der Sozialhilfe schwierig. Bild: KEYSTONE

Je besser die Ausbildung, desto höher ist die Chance, von der Sozialhilfe wegzukommen. Das gilt aber nicht bei den über 56-Jährigen. Von ihnen finden auch bei hohem Ausbildungsstand wegen der schlechten Arbeitsmarktchancen nur 3,7 aus der Mühle der Sozialhilfe heraus, drei Mal weniger als bei den 26- bis 35-Jährigen. Die tiefsten Ablösequoten weisen Alleinlebende und Einelternfamilien aus.

In acht Kantonen – Schwyz, Glarus, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Tessin, Wallis, Genf, Jura – war gemäss BFS-Tabelle eine leichte Zunahme zu verzeichnen. Allgemein haben Kantone mit städtischen Zentren überdurchschnittliche Sozialhilfequoten, während ländlich geprägte Kantone tiefe Quoten ausweisen.

Hohe Anteile an Sozialhilfebezügern haben beispielsweise Neuenburg, Basel-Stadt, Genf, Waadt und Bern. Die niedrigsten verzeichnen die Urkantone und Appenzell Innerrhoden.

Mehr Sozialfälle in Städten als in Dörfern

Es gilt ungefähr: Je grösser die Gemeinde, desto höher die Sozialhilfequote. In Städten mit 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern oder mehr liegt die Sozialhilfequote bei 5.8% und auch bei Städten mit 50'000 bis 99'999 Einwohnerinnen und Einwohnern ist sie mit 5.3% erhöht.

Hingegen liegt sie bei Gemeinden mit weniger als 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern unter dem schweizerischen Gesamtwert. Insbesondere Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern verzeichnen mit 1.8% eine unterdurchschnittliche Sozialhilfequote.

Ein erhöhtes Risiko, Sozialhilfe beziehen zu müssen, haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Geschiedene und Personen ausländischer Staatsangehörigkeit. Minderjährige weisen eine Sozialhilfequote von 5.2 Prozent auf, Ausländerinnen und Ausländer 6.1 Prozent. Geschiedene 5.5 Prozent.

Weniger Asylsuchende, mehr Flüchtlinge

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Rückgang des Sozialhilferisikos laut BFS bei Personen im Alter zwischen 18 und 35 sowie bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit am stärksten ausgeprägt. In den letzten drei Jahren lässt sich der Rückgang in der Sozialhilfe vor allem bei Asylsuchenden feststellen – von 35'800 im Jahr 2016 auf 18'200 Personen im Jahr 2018. Das ist freilich vor allem den fallenden Zahlen der neuen Asylgesuche geschuldet.

Gestiegen ist hingegen die Anzahl der Sozialhilfebeziehenden, welche als Flüchtlinge mit Asyl oder als vorläufig aufgenommene Personen in der Schweiz leben, und zwar von 21'900 beziehungsweise 22'800 Personen im Jahr 2016 auf 31'900 beziehungsweise 31'800 Personen im Jahr 2018. (sda)

Die Sozialhilfe nimmt uns Schweizern die Frauen weg!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kusi_78 24.12.2019 02:53
    Highlight Highlight Und wo bleiben die Zahlen von denen die von der IV zur Sozialhilfe abgeschoben werden und lange eher gesagt sehr lange von der Sozialhilfe Leben müssen? Weil sie Körperlich oder Psychisch krank sind aber die IV und ihre Gutachter Methoden die gesund schreiben, und Sozialdienst abschieben und der Sozialdienst die dann in Integrationsprograme schickt. Zählt man die dann auch zu den "Integrierten im Arbeitsmarkt"?
    Hauptsache der Bund kann Zahlen im Positiven Sinn prässentieren und alle staunen.
    "die Macht der Zahlen"
  • Mügäli 23.12.2019 13:33
    Highlight Highlight Wichtig ist bei Allen, dass man ihnen eine Chance gibt wieder in die ‚Selbstversorgung‘ zurück kehren zu können. Das heisst, Integration fördern, Schulungen anbieten und auch Firmen unterstützen welche Menschen in dieser Notlage eine Chance geben. Aber natürlich muss auch ein gewisser Druck seitens Staat vorhanden sein damit der Unterstützungsbedürftige auch alles tut um wieder selber für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu können. Ein Miteinander seitens Behörde und Bedürftigem ist der Schlüssel zum Ziel, für Beide ...
    • Kusi_78 24.12.2019 03:05
      Highlight Highlight Mir wurden schon soviel Schulungen abgelehnt vom Sozialdienst etc, die mir einen wiedereinstieg ins Berufleben ermöglicht hätten, weil ich aus div. Gründen der Gesundheit nicht mehr als Chauffeur arbeiten darf. Die IV lehnte auch 3X eine Umschulung ab mit seltsamen Begründungen. Und beim Sozialdienst heisst es ich könne einen Kurs machen aber selber finanzieren, da man die Mittel nicht hätte.
      Dann will man was ändern wird aber gebremst und zum Stillstand gezwungen, wunderbar.
    • Bidens 24.12.2019 13:33
      Highlight Highlight Kusi_78, kenne ich leider zu gut.
      Es ist ein Saftladen.
    • Mügäli 24.12.2019 13:44
      Highlight Highlight @Kusi - Ihre Schilderung kenne ich leider aus vielen Erzählungen. Leider wird die vielfach propagantierte Idee ‚Wiedereingliederung vor Rente/Sozialgelder‘ nicht umgesetzt. Man gibt lieber jährlich Milliarden für Rente/ Sozialgelder aus als die Menschen aktiv bei der Wiedereingliederung/Schulung zu unterstützen. Ich wünsche Ihnen trotz allem schöne Feiertage und für‘s nächste Jahr viel 🍀 .. nicht aufgeben und dran bleiben 👍

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