Raphael Golta: Vom Jungsozialisten zum Stadtpräsidenten
Raphael Goltas Werdegang
Der 50-Jährige wurde als jüngster von drei Brüdern in Zürich geboren und wuchs im Kreis 8 auf. Seine Mutter stammt aus Brasilien, sein Vater kommt aus dem Tessin. Die Stadt seiner Jugend, geprägt von Drogenszene und Prostitution, habe ihn politisiert.
Als Gymnasiast schloss er sich der Juso an. Mit knapp 20 Jahren kam er in den Vorstand der SP-Sektion des Stadtkreises 7. 2003 wurde er in den Kantonsrat gewählt, 2014 schaffte er den Sprung in die Stadtregierung. Seither leitet er das Sozialdepartement. Golta studierte Medienwissenschaften, Volkswirtschaft und Informatik. Er lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern im Alter von 11 und 13 Jahren im Balgrist-Quartier.
Wie er Politik macht
Als Sozialvorsteher war Golta gleich mit mehreren Krisen konfrontiert: der Flüchtlingskrise, der Coronapandemie und dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Einige Vorhaben trieb Golta besonders entschlossen voran – teils im Alleingang. Dazu zählen etwa Stipendien für vorläufig Aufgenommene und Personen mit Schutzstatus S, die er im September ankündigte – obwohl das kantonale Stimmvolk ein Jahr zuvor die Vorlage abgelehnt hatte. Da die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher die Vorlage deutlich angenommen hatten, begründete Golta den Schritt mit der Gemeindeautonomie: «Was wir hier machen, ist städtische Politik.» Das Stadtparlament stimmte den Stipendien zu.
2021 lancierte Raphael Golta ein Pilotprojekt für eine «Überbrückungshilfe für Ausländerinnen und Ausländer ohne gültigen Aufenthaltsstatus». Auslöser waren die langen Schlangen vor den Essens-Ausgabestellen während der Corona-Pandemie. Bezirksrat und Regierungsrat pfiffen ihn zurück. Das Stadtparlament zog den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiter; das Urteil steht noch aus.
Unter seiner Leitung verstärkte die Stadt die Massnahmen gegen den zunehmenden Drogenkonsum im öffentlichen Raum. Im vergangenen Herbst beispielsweise wurde in Konsumraum für auswärtige Drogenabhängige eröffnet. Zudem führte Golta eine Heizkostenpauschale ein, um die steigenden Energiepreise abzufedern.
Politik sei das Nutzen und Generieren von Chancen, sagte er in der NZZ.
Das sagt Golta über sich
Als Sozialvorsteher habe er in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er eine mutige Politik mache, schreibt er auf seiner Internetseite. «Und zwar für die Menschen in unserer Stadt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.» Als Stadtpräsident will er diesen Kurs konsequent weiterverfolgen.
Das sagen andere über Golta
«Raphael Golta hat als Sozialvorsteher vieles gewagt und einiges erreicht», wird alt Bundesrat Moritz Leuenberger auf Goltas Internetseite zitiert. Sein Konkurrent im Wahlkampf, Përparim Avdili, bezeichnete das Kandidatenfeld mit Golta als «Verkörperung der Langeweile». Die FDP sagte gegenüber der WOZ, Golta politisiere oft am linken Rand der SP, habe eine kurze Zündschnur und könne auch einmal aufbrausend sein. Werber Frank Bodin sagte gegenüber der NZZ, der Stapi-Kandidat der SP entspreche dem Archetyp des «Everyman», eines Herrn Jedermann also.
Das schreiben Medien über Golta
Die NZZ schrieb, Golta sei «im Herzen ein Aktivist – oder zumindest geriert er sich wie einer». Die WOZ ist der Meinung, er betreibe die «aufregendste Sozialpolitik der Schweiz» und verfolge eine so «originelle wie angriffige Sozialpolitik». Das SRF fand, dass Golta mit seiner Politik immer wieder Grenzen auslote. Nach dem ersten Wahlgang schrieb die NZZ: «New Sheriff in Town», der unauffällige Machtmensch werde Zürich bald regieren.
Das kommt auf den neuen Stadtpräsidenten zu
Als Stadtpräsident wird Golta vor allem Repräsentant der grössten Stadt des Landes. Er wird neu auch Kulturpolitik betreiben, das ist der Kernbereich des Präsidialdepartements. Er sei selber kulturinteressiert und ihn reize grundsätzlich die gesellschaftliche Auseinandersetzung anhand von Kultur, sagte er in einem Interview mit «Tsüri.ch». Die Bereitschaft zur Konfrontation will er beibehalten. «Nur mit Vorhaben anzutreten, bei denen ich sicher bin, dass sie durchkommen, ist nicht mein Stil.» (sda)
