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epa05262431 A female bodybuilder competes during the open bodybuilding championship in Bishkek, Kyrgyzstan, 16 April 2016. Sportsmen and women from Kyrgyzstan, Kazakhstan ,Russia  took part in the bodybuilding championship.  EPA/IGOR KOVALENKO

Bodybuilding: Nicht nur ein Sport für Männer. (Symbolbild) Bild: EPA/EPA

«Ich spürte die Hände nicht mehr» – eine Bodybuilderin erzählt von ihrem Zusammenbruch

Trainieren bis zum Herzstillstand: Die 26-jährige Bodybuilderin Ninayara Luginbühl brachte sich und ihren Körper bis zum Limit und fand sich in der Notaufnahme wieder

cynthia mira / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Heute lacht Ninayara Luginbühl aus Waltenschwil im Kanton Aargau wieder. Sie arbeitet in dem vor bald zwei Jahren eröffneten Friseursalon MAD in Dietikon und trainiert wieder täglich. Das Ausdauertraining am Morgen und ein Krafttraining am Abend gehören zu ihrem Fitnessprogramm. «Ich weiss, dass ich eine Sucht habe», sagt sie und schildert, wie sie in ihren jungen 26 Jahren noch vor wenigen Wochen mit einer Streifung, gefolgt von einem Herzstillstand im Spital Limmattal in der Notfallabteilung lag: «Ich spürte während der Arbeit meine Hände nicht mehr, aber man denkt doch in dem Alter nicht an so was, und deshalb habe ich einfach weitergearbeitet». Als dann auch plötzlich noch jegliche Koordinationsfähigkeit zu fehlen begann und sie nicht mehr habe reden können, sei sie in die Notfallaufnahme gebracht worden, wo ihr Herz aufhörte zu schlagen.

So präsentiert sich Ninayara Luginbühl auf Instagram 

So präsentiert sich Ninayara Luginbühl auf Instagram 

Entwässerung des Körpers

Ihr Limit bekam sie nach der Teilnahme am Swiss Cup International Bodybuilding-Wettkampf zu spüren, welcher vom Schweizer Bodybuilding und Fitnessverband (SBFV) organisiert wird. Der Verband ist der internationalen Federation of Bodybuilding & Fitness (IFBB) zugehörig, der rund um den Globus zahlreiche Bodybuilding-Anlässe organisiert.

Es sei alles zu viel geworden, erzählt sie rückblickend. Um am Ende in der Kategorie Women Bikini-Fitness ein zweites Mal zu brillieren, nahm sie zusätzlich einen eisernen Sport- und Diätplan auf sich. Ihr Körper sei sich gewohnt, mit wenig Energie viel zu leisten. Von den anfänglichen 3000 Kalorien ging es Schritt für Schritt bis zur Diätphase und den noch täglich erlaubten 1200 Kalorien.

Ergänzt wurde diese Prozedur mit einer Salzkur zur Entwässerung des Körpers: «Nach 24 Stunden ohne Flüssigkeitsaufnahme noch kurz vor dem Wettkampf mit Reiswaffeln und Gummibärchen den Rest Wasser aus den Muskeln zu zerren, ist nicht gerade angenehm», sagt sie. Der natürliche Weg zum Ziel sei ihr wichtig und in der heutigen Bodybuilding-Szene dank der Möglichkeit allerlei chemischer Zusatzstoffe, welche die Muskeln noch definierter hervorheben lassen, eher die Ausnahme.

Bodybuilding kann dem Mechanismus von Magersucht sehr ähnlich werden, obwohl man essen muss, um den vielen Sport zu treiben: «Du willst immer noch mehr und bist nie zufrieden, egal wie dünn du bist und egal wie definiert die Muskeln sind», führt die Extremsportlerin aus. Selbst bei der kleinsten Kleidergrösse beginne man sich einzureden, dass diese einfach gross geschnitten sei.

Bodybuilder seien ein Volk für sich und die Tatsache, dass man immer Jüngere vorführen lässt, verfolge sie mit Sorgen: «Irgendwo hört es doch einfach auf», fasst Luginbühl zusammen. Der Zusammenbruch sei ein Schock für sie gewesen. Weiterhin seien in ihrem Sportprogramm «High Intensity»-Übungen ein Tabu.

«Ich spürte während der Arbeit meine Hände nicht mehr, aber man denkt doch in dem Alter nicht an so was, und deshalb habe ich einfach weitergearbeitet.»

Ninayara Luginbühl

Angefangen habe bei ihr alles aus dem normalen Wunsch, wegen Übergewicht abzunehmen, dann aber kamen die ersten sichtbaren Veränderungen. Mittlerweile gehe sie zwar entspannter mit ihrem Körper um und nehme die Signale wahr, aber ein gewisser Respekt und die Chance, zurück in dieselben Muster zu fallen, spüre sie. Und auch der Hang zum Extremen bleibt: «Es ist der Reiz, herauszufinden, wo das höchste der Gefühle liegt und wie weit ich es schaffen würde. Sport ist mein Leben, ich kann mein aktives Leben nicht von heute auf morgen verändern.»

Noch immer folge sie manchmal der Defizitberechnung und der Abwägung, ob die Kalorien noch drinlägen und was für das Verbrauchen wieder benötigt werde. «Es braucht mentale Stärke, um aus der Sucht herauszukommen, und ein Umfeld, das ehrlich ist und das Beste für dich will.» Man solle Hilfe annehmen, sagt Luginbühl, und man müsse unterscheiden können und nach den ganzen Vorbereitungen zum Wettkampf auch ins normale Leben zurückfinden. Wenn diese Unterscheidung nicht mehr möglich sei, werde es gefährlich. Die Spirale nimmt ihren Lauf und der Kopf vergisst schnell, was war – auch die Spuren einer Herzmaschine, sagt sie.

Zeichen einer Sportsucht

Der Redaktor Thomas Müller fasste 2016 in der deutschen Fachzeitschrift «Springer Medizin» in seinem Artikel Trainieren bis zur Arrhythmie folgende 10 Zeichen zusammen, an denen eine Sportsucht erkannt wird:
– Sie erzählen Ihrem Umfeld nicht, dass Sie so viel Sport treiben.
– Sie ignorieren Warnzeichen des Körpers wie Schmerzen, Erschöpfung, Fieber, Stressfrakturen.
– Sie halten 100km Laufen oder 400km Radfahren pro Woche für normal und steigerungswürdig.
– Sie bezeichnen manche Sportarten, etwa Radfahren, gar nicht als Sport.
– Sie melden sich in mehreren Fitnessstudios an, um jederzeit trainieren zu können.
– Keinen oder wenig Sport treiben zu können, empfinden Sie als Strafe, Sie bekommen dann Entzugserscheinungen.
– Sie vernachlässigen soziale Kontakte.
– Sie stehen extra früh auf, um vor der Arbeit noch Sport treiben zu können.
– Wenn Sie Ihre Hauptsportart wegen Schmerzen oder Verletzungen nicht betreiben können, weichen Sie auf eine andere aus, um ihr Pensum zu erfüllen.
– Sie treiben Sport, um eine positive Stimmung aufrechtzuerhalten.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dä seppetoni 19.03.2018 14:06
    Highlight Highlight Welcher Typ wünscht sich denn eigentlich so eine völlig aufs Aussehen fixierte Freundin? Nur die M3 Fahrer? Fitness, schminken, Kalorien zählen, Instagram. Da kann ja kaum noch Zeit für wass anderes übrig bleiben. Nei merci du
    • Jol Bear 19.03.2018 20:29
      Highlight Highlight Da wäre etwas Vorsicht angebracht, allein aufgrund der Schilderung in diesem Beitrag kann nicht über den Menschen geurteilt werden. Jede Art von Sucht dominiert das Leben und lässt kaum mehr Platz für anderes, so bei Alkohol, andere Drogen, Workoholic oder was auch immer. Jeder Süchtige erscheint unvorteilhaft. Sie hat aber schließlich den Suchtzustand erkannt und arbeitet an Auswegen. Über den Menschen dahinter erfahren wir allein anhand des Wissens über eine Sucht nicht sehr viel.
  • Gummibär 19.03.2018 12:18
    Highlight Highlight Kurzbeschreibung einer Zwangsstörung - oder wie "body-shaming" wegen etwas Körperfülle einen Teenager zu selbstzerstörerischem Fitness-Fimmel bringt.

    Schade.
  • Staatsgebeutelter 18.03.2018 22:17
    Highlight Highlight Soll mit diesem Artikel das Fitness verteufelt und kriminalisiert werden? Es spielt im Prinzip keine Rolle was man macht, entscheidend ist die Intelligenz des Menschen der sich mit etwas beschäftigt und nicht was er macht.
    Fitness ist immer noch die ungefährlichste Beschäftigung, Sport ist es ja nicht, wer es nicht glaubt liest hier:
    https://www.migrosmagazin.ch/die-gefaehrlichsten-sportarten
    Schade muss der Autor dieses Artikels Fitness dämonisieren, besser einmal einen Artikel wie gefährlich klettern, wandern und schwimmen ist, da gibt es hunderte mal mehr Tote dabei.....
    • öpfeli 18.03.2018 23:18
      Highlight Highlight in diesem Artikel geht es um mehr als nur Fitness. Das merkt man eigentlich, wenn man ihn liest 😐
    • ChikiES 18.03.2018 23:55
      Highlight Highlight Mir scheint sie haben überhaupt nichts verstanden....
    • Valon Behrami 19.03.2018 00:52
      Highlight Highlight Ui. Wie bist denn du drauf? Ausgeglichen scheinst du jedenfalls nicht zu sein.😀
  • hallerph 18.03.2018 20:53
    Highlight Highlight Viel daraus gelernt scheint sie nicht zu haben:
    Jeden Morgen und jeden Abend trainieren - 14x die Woche?!
    You must be fun at parties...
  • AustinOsmanSpare 18.03.2018 20:53
    Highlight Highlight ... und die Moral von der Geschicht?
    • chnobli1896 19.03.2018 00:02
      Highlight Highlight Sie trainiert jetzt nur noch 14 Mal pro Woche ;-( /Ironieoff
    • Ril 19.03.2018 00:57
      Highlight Highlight übertreibs nicht?
    • GStutz 19.03.2018 08:41
      Highlight Highlight Sport ist Mord!

      Gruss
      Gottfried
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mr. Stärneföifi 18.03.2018 19:49
    Highlight Highlight Bei wem flimmerte nun auch eine Burger King-Werbung durch den Artikel? Grossartig 😂
  • Der müde Joe 18.03.2018 18:48
    Highlight Highlight Dieser Körperkult ist einfach nur schädlich. Ich habe im gleichen Alter 5-6 mal pro Woche trainiert. Alles drehte sich nur noch um meinen Körper und meine Ernährung. Ich habe das zirka 1 1/2 Jahre durchgezogen, bis ich total erschöpft erkennen musste, das ich unzufrieden und jeden Tag getrieben fühlte.
    Ich habe dann ca. 1 Jahr kein Fitness mehr gemacht. Habe mich dann zuhause eingerichtet und trainiere bis heute 2-3 mal (maximal!!!) pro Woche. Alle 6 W. lege ich 1 W. Pause ein. Ich bin fiter den je!🙂

    Schaut auf eure Gesundheit, nicht auf euer Aussehen.😉
    • Mode!? 18.03.2018 20:26
      Highlight Highlight Sehr schön dass du uns an deinem Wissen und Leben teilhaben lässt
  • Phrosch 18.03.2018 18:38
    Highlight Highlight Mit Verlaub, auch auf dem aktuellen Bild sieht die junge Frau nicht gesund aus (oder ist das nur Zuviel gephitoshopped?).
    Und täglich zweimal trainieren kann auch nicht wirklich schlau sein. Ich hoffe für sie, dass sie irgendwann zu einer vernünftigen Ausgewogenheit finden wird.
  • Scaros_2 18.03.2018 18:18
    Highlight Highlight Tja das passiert halt in unserer auf Werte getriebenen Gesellschaft wo dinge wie "Fett" plötzlich nicht mehr toleriert wird.......scheinbar. Einfach nur idiotisch.
    • fräulein sarahs gespür für den Islam 18.03.2018 20:27
      Highlight Highlight Fett sein ist leider ungesund.
      Wenn es auf die andere Seite kippt ist dies auch nicht dienlich.
      Aber sich fett essen schadet der Gesellschaft.
    • El diablo 18.03.2018 20:51
      Highlight Highlight Fett ist auch ungesund und eklig. Einen gesunden Körperfettanteil darf man haben aber alles übergewicht ist ungesund.
    • trio 18.03.2018 23:07
      Highlight Highlight @kularing
      @ElDiablo
      Klar ist übergewichtig ungesund. Aber etwas Speck ist ganz natürlich und sicher nicht ungesund, leider verzerrt die Werbung unser Idealbild stark und sogar Jugendliche machen am Magerwahn mit.
      Ausserdem ist es meiner Ansicht nach eine absolut Frechheit, jemanden eklig zu nennen wegen seinem Gewicht!
    Weitere Antworten anzeigen
  • I don't give a fuck 18.03.2018 18:14
    Highlight Highlight Deswegen sitze ich lieber den ganzen Tag mit ner Packung Chips vor der Glotze, viel gesünder, Sport ist Mord!
    • Raembe 18.03.2018 18:57
      Highlight Highlight Bin eher der Meinung das es beides braucht, aber jedem/jeder das Selbe
    • Raembe 18.03.2018 20:40
      Highlight Highlight das seine meinte ich
    • I don't give a fuck 19.03.2018 08:43
      Highlight Highlight Kauen ist Sportausgleich genug für mich!
  • Valon Behrami 18.03.2018 17:58
    Highlight Highlight Ganz wichtig ist es, sich selbst nicht auf nur etwas zu reduzieren. Und man muss eben auch auf seinen Körper hören. Viel Spass noch beim Training, Ninayara Luginbühl.

Das Undenkbare denken – Zug wird Meister

Zug gewinnt in Langnau 2:1 und bleibt Leader. Ein Spektakelsieg, der zu gewagten Träumereien verleitet.

Manchmal gibt es sogar in einem Spitzenkampf etwas Wichtigeres als das Resultat. In der 22. Minute verkeilen sich Langnaus Verteidiger Claudio Cadonau und Zugs Stürmer Karl Klingberg ineinander. Beide verlieren das Gleichgewicht und der Schwede rutscht kopfvoran in die Bande. Kein Foul. Ein Unfall.

Karl Klingberg bleibt regungslos liegen. Im Stadion wird es bedrückend still. Der Zuger wird auf eine Bahre gehoben, vom Eis getragen und ins Spital Langnau überführt.

In der zweiten Pause kann Trainer …

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