Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Offen gesagt

«Lieber Breel Embolo, bitte lesen Sie das ...»

Der Basler Fussballprofi Breel Embolo verdient in der Bundesliga 300'000 Euro im Monat. Und wirft in Basel Mieter aus seiner Liegenschaft, um diese zu sanieren. Ein bisschen Nachhilfe in Heimatkunde.



Lieber Herr Embolo

Ich habe letzthin von Ihnen gelesen, was ungewöhnlich ist, weil mich Ihre Branche nicht interessiert. Aber in der bz Basel stand, Sie seien ein «Mieterschreck». Das ist natürlich eine gute Geschichte!

Jetzt hat die Basler Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten also entschieden, dass Sie die Mieter nicht zwecks Luxussanierung in Corpore innert sechs Monaten aus Ihrer Liegenschaft an der Basler Kannenfeldstrasse auf die Strasse stellen dürfen. Sie müssen warten bis September ...

Natürlich dürfen Sie das Haus von mir aus sanieren, es ist Ihre Hütte, Sie sind erwachsen, und wenn Sie die zu einem Rendite-Objekt machen und sich selber einen Image-Schaden beifügen wollen, dann möchte ich Ihnen da gar nicht reinreden.

Ich möchte Sie nur kurz daran erinnern, woher Sie kommen. Und damit meine ich nicht Ihre kamerunische Herkunft. Sondern Ihre baslerische Sozialisierung.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was das mit Ihrer Liegenschaft an der Kannenfeldstrasse zu tun hat und ich will es Ihnen erklären: Es geht um Reichtum und die verantwortungsvoll-bescheidene Art, wie man damit in Basel umgeht. Dazu eine Anekdote und ein historischer Fakt zum besseren Verständnis:

1. Die Schwester meines Daigg-Freundes hat im Pfadi-Sommerlager auf dem Urnerboden ihren Wanderschuh im Schlamm verloren und nicht mehr gefunden. Die Familie, bei weitem reicher als Sie es jemals sein werden, hat daraufhin nicht etwa einfach neue Wanderschuhe gekauft, sondern ist auf den Urnerboden gefahren, um besagten Wanderschuh zu suchen.

2. Die weltweit fast erste politische Körperschaft, die eine progressive Einkommenssteuer einführte, war 1840 Basel-Stadt. Es war also die herrschende Schicht reicher Basler, die erkannt und beschlossen hatte, dass Reichtum verpflichtet und diejenigen, die mehr haben (also sie selbst), auch mehr an die Infrastruktur zahlen sollen.

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist, wenn man so schnell zu so viel Geld kommt, wie Sie. Aber als Basler haben Sie im Umgang damit bessere Vorbilder und damit auch eine grössere Verpflichtung zu Bescheidenheit und sozialer Umsichtigkeit als Ihre Sportsfreunde.

In Sachen Bescheidenheit machen Sie mich als Co-Basler schon stolz, jetzt würde ich Ihnen noch raten, dass Sie Ihren Mietern bei der Suche nach bezahlbaren Bleiben helfen lassen.

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Häuser und Villen für 1 Million Franken – in Europa

Sie ist da: Die 1000er Note. Was ist neu?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

153 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
MacB
03.04.2019 12:50registriert October 2015
Es ist Breel Embolos gutes Recht und es ist sein Ding. Ich empfeinde es als sehr nervig, dass jeder immer seinen Senf zu Angelegenheiten anderer abgeben muss.
Der liebe Breel (achtung Mutmassung) ist noch immer seine Wurst am Stand in der Ecke und ist auch sonst auf dem Boden geblieben. Nur weil er jetzt seine Liegenschaft sanieren will, macht ihn das doch nicht zu einem unbescheidenen Menschen.
Wenn alle so denken würden wie Sie das verlangen, kämen wir auf dieser Welt auch nicht voran.
P.S. Natürlich ist es unschön aber 6 Mt. Kündigungsfrist sind auch nicht gerade kurz, üblich sind < 3.
859430
Melden
Zum Kommentar
Reudiger
03.04.2019 12:56registriert March 2019
Da will wohl einer sehr gerne Moralapostel spielen. Die Sanierungen von Mehrfamilienhäusern ist legitim und manchmal auch zwingend notwendig. Mieter erkaufen sich diese Wohnungen nicht, sie ermieten sie sich. Das passiert in der Schweiz die ganze Zeit, nur scheint es bei Embolo nun speziell ein Problem zu sein, wohl wegen seinem Namen.
Dass er sein Geld ausgiebt, ist schlussendlich auch gut für die Wirtschaft.
657250
Melden
Zum Kommentar
Toerpe Zwerg
03.04.2019 12:42registriert February 2014
"Die Familie (...) hat daraufhin nicht etwa einfach neue Wanderschuhe gekauft, sondern ist auf den Urnerboden gefahren, um besagten Wanderschuh zu suchen."
Diese Familie mag sehr reich sein, mit dem Rechnen haben sie aber wahrscheinlich nicht so.
519132
Melden
Zum Kommentar
153

 4 Dinge, die du über die neue Basler Aluhut-Zeitung wissen musst

Eine neue Zeitschrift in Basel verspricht eine unabhängige Berichterstattung zu kritischen Themen. Tatsächlich entpuppt sich das Blatt als Sammelsurium von Verschwörungstheorien aller Art. Hinter der «Expresszeitung» stehen die Verleger der grössten Gratiszeitung der Region Basel.

Seit Herbst letzten Jahres ist die Region Basel um ein Presseerzeugnis reicher. Im November feiert die «Expresszeitung» ihre Geburtsstunde als Abonnementszeitung «für das deutschsprachige Europa». Auf der Website versprechen die Herausgeber: «Wir beleuchten, basierend auf nachprüfbaren Fakten und Quellen, ein breites Themenspektrum und bieten den interessierten Lesern eine unabhängige Alternative zum medialen ‹Einheitsbrei›». 

Das liest sich dann so: «Die tägliche Dogma-Impfung», oder …

Artikel lesen
Link zum Artikel