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Christa Rigozzi trug die Zuschauer-Tweets ins Studio. screenshot srf

Da schwimmt nicht nur Rigozzi – die «Arena» im KESB-Sumpf

Die Studio-Premiere von Ex-Miss Christa Rigozzi bot schwere Kost: Am Fall des rechtsextremen Behördenschrecks Christian Kast sollte die umstrittene KESB diskutiert werden. Ein beinahe aussichtsloses Unterfangen.



Stell dir vor: Du trittst einen neuen Job an – und du weisst: deine Teamkollegen gönnen dir den Posten nicht. Im Pausenraum haben sie bereits nach Kräften über dich abgelästert. Und das Produkt, das du verkaufen sollst, steckt tief in den Negativschlagzeilen.  

Willkommen in der Welt von Christa Rigozzi! Die Tessinerin moderierte am Sonntagabend zum ersten Mal an der Seite von Jonas Projer die Sendung «Arena/ Reporter». Im Vorfeld hatte es für die Besetzung des Postens Kritik gehagelt. «Kurzes Röckli holt mit lustigem Tessiner-Akzent Quote», soll eine SRF-Mitarbeiterin den Personalentscheid kommentiert haben.  

Dazu kommt: Auch der Inhalt der Sendung war bereits vor deren Ausstrahlung heftig umstritten. Der «Reporter»-Film und die anschliessende Diskussionsrunde befassten sich mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), Protagonist des Films war Christian Kast (48), der seine Kinder vor zwei Jahren auf die Philippinen entführt hatte, um so den Behörden zu entkommen. Für manche erlangte er dadurch Heldenstatus, in den Medien durfte er seine Beweggründe ausgiebig darlegen.

Am Sonntagabend nun sollte Kast aus dem Publikum aktiv an der Studio-Diskussion teilnehmen. Weil er auf Facebook offen rechtsextrem auftritt und sich dort auch regelmässig in Gewaltfantasien verliert, stiess der geplante Auftritt jedoch auf massiven Widerstand. Schliesslich sagte der Behördenschreck den Besuch im Studio von sich aus kurzfristig ab.

Unter diesen Vorzeichen war es Rigozzi nicht zu verübeln, dass sie zu Beginn der Sendung etwas gehetzt wirkte. Bald war die «Stimme des Publikums», wie sich die Ex-Miss und studierte Medienwissenschaftlerin vorstellte, aber nicht mehr die einzige, die zuweilen nach den richtigen Worten rang.

SVP-Nationalrat Pirmin Schwander und Frauenrechtlerin Julia Onken waren angetreten, um aufzuzeigen, was in der KESB aus ihrer Sicht so alles schief läuft. Beide hatten sich nach der Absetzung der Familie Kast auf die Philippinen medienwirksam auf deren Seite geschlagen – und erklärt, der Fall sei beispielhaft für die Probleme bei der KESB.

Im Studio fiel es den beiden jedoch schwer, die Behauptung argumentativ zu unterlegen. Von Rigozzi damit konfrontiert, dass in der Familie Kast häusliche Gewalt ein Problem gewesen sei und sich Vater Christian zuweilen gar im Keller eingeschlossen habe, um vor seiner Frau sicher zu sein, räumte der SVP-Politiker ein, das habe er nicht gewusst.

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Onken verstieg sich gar zur Aussage: «Mein Gott, eine Mutter, die dem Alten mal eins schlägt, wenn er blöd tut, das traumatisiert ein Kind nicht schwer.» Auch machte sie die KESB dafür verantwortlich, dass die Beziehung von Christian Kast zu seiner philippinischen Frau Margie nach der Flucht zwischenzeitlich in die Brüche ging.

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Knallhart trat in solchen Situationen die Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd auf. Sie führte den KESB-Gegnern Widersprüche vor Augen und las ihrem Ratskollegen Schwander die Leviten dafür, dass er den Fall Kast schon als «Skandal » geschrien habe, bevor er die Situation der Familie überhaupt gekannt habe. «Das ist es, was schlimm ist.»

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Auch Patrick Fassbind, an diesem Abend als Vertreter der KESB angetreten, bemühte sich um Nüchternheit. Als seine Beteuerungen, dass Fremdplatzierungen immer das letzte Mittel seien, jedoch zum wiederholten Mal ins Leere liefen, wurde der Leiter der Basler KESB emotional: «Manchmal, wenn Kinder unmittelbar schwer gefährdet sind, müssen sie sofort reagieren. Sonst sind sie tot.»

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Eine Ahnung davon, wie verzweifelt die Betroffenen sein müssen, erhielten die Zuschauer dank der Anrufe, die Rigozzi live in der Sendung entgegennahm. Die Ohnmacht in der Stimme der Anrufer, die fast ausnahmslos selbst in einen KESB-Streit verwickelt sind, war nicht zu überhören. Zwar wirkte es reichlich treuherzig, wenn sich Rigozzi bei ihnen nach ihren Wünschen an die KESB erkundigte. Immerhin schaffte sie es aber, die Debatte von den gegenseitigen Schuldzuweisungen der Politiker zu lösen und dahin zurückzubringen, wo die Saat all der Wut und Enttäuschung schlummert: zu den Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr ein und aus wissen.

Am Ende blieb von der Sendung vor allem eine Erkenntnis: Helden gibt es in solchen Geschichten keine.

Nicht alle Ex-Missen blieben nach dem Amtsjahr präsent. Ein Überblick.

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