Ausbau trotz Iran-Krieg: Die Swiss denkt über ein neues Langstreckenziel nach
Neue Destinationen sind für Airlines stets ein Grund zum Feiern, insbesondere wenn es sich um Überseeflüge handelt. Einerseits erhoffen sich die Fluggesellschaften dadurch mehr Ticketverkäufe. Andererseits wird für die Crew die Arbeit dank neuer Aufenthaltsorte attraktiver.
Die Swiss betreibt derzeit 22 Langstreckendestinationen. Zuletzt wurde die US-Ostküstendestination Washington D.C. und die kanadische Metropole Toronto ins Streckennetz aufgenommen. Die stark wachsende Reiselust nach den Corona-Jahren machte den Ausbau möglich.
2026, könnte man meinen, dürfte dies anders sein. Schliesslich herrscht Krieg in der Ukraine, in Gaza und im Iran. Vom Krieg im Iran sind auch die grossen Umsteige-Flughäfen im Nahen Osten betroffen, wie Dubai oder Abu Dhabi. Zudem bekommt die Swiss den Frust der Kundschaft gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump zu spüren. Um genügend Tickets zu verkaufen, bietet sie Reisen in die USA zu Dumpingpreisen an (CH Media berichtete).
Die begrabenen Osaka-Pläne
Trotz dieser negativen Vorzeichen denkt die Swiss über eine neue, weit entfernte Destination nach. «Es ist gut möglich, dass wir bereits im kommenden Winterflugplan ein neues Langstreckenziel aufnehmen werden», sagt Swiss-Kommerzchefin Heike Birlenbach gegenüber CH Media. «Wir prüfen derzeit Optionen dazu.»
Nordamerika kommt derzeit nicht in Frage, wie Birlenbach bestätigt. «Das haben wir gut abgedeckt.» Potenzial sieht sie derweil in Asien oder Südamerika. «Allerdings schränken die geopolitischen Umstände die Auswahl ein.» So sei beispielsweise Osaka derzeit kein Thema. Die Swiss wollte die japanische Metropole eigentlich 2020 ins Streckennetz aufnehmen. Doch dann brach die Pandemie aus. Die Osaka-Pläne landeten im Shredder.
Zwar fliegt die Swiss nach wie vor Japans Hauptstadt an. Aber: «Wegen des Kriegs in der Ukraine und den entsprechenden Luftraumsperrungen hat sich unser Flug nach Tokio um rund 2 Stunden verlängert», sagt Birlenbach. Teilweise führen die Flugrouten nach Tokio gar über den Nordpol. «Dies verteuert den Betrieb eines solchen Flugs.» Einerseits sind die Crew-Mitglieder länger an der Arbeit, andererseits steigt der Bedarf an Kerosin. Und dieses kostet, je länger der Krieg im Iran dauert, mehr.
Gut möglich, dass die Swiss für eine neue Langstrecke keine Zusatzkapazitäten schaffen müsste. Zwar will Airline-Chef Jens Fehlinger nach wie vor nichts von einer Angebotskürzung bei den USA-Flügen wissen. Doch sollte die Nachfrage-Baisse wegen Donald Trumps Politik anhalten, wird Fehlinger irgendwann die Reissleine ziehen und Frequenzen oder gar ganze US-Strecken streichen müssen.
Tatsächlich gab die Swiss diese Woche bekannt, dass sie im Sommer über 300 Flüge streichen muss, darunter mehrere Rotationen nach Chicago. Zwar begründet sie dies mit dem anhaltenden Pilotenmangel und den Triebwerksproblemen. Doch angesichts der deutlich tieferen USA-Nachfrage könnten ihr diese Streichungen nicht ungelegen kommen.
Flughafen bietet Nachhilfe
Welche neuen Destinationen zu den möglichen Kandidaten gehören, verrät Birlenbach nicht. Bei Insidern wird allerdings immer wieder über weitere Ziele in Indien gemunkelt. Auch Städte wie Mexiko-Stadt (Mexiko), Manila (Philippinen) und Lima (Peru) werden als Optionen gehandelt.
Der Flughafen Zürich liefert ebenfalls mögliche Hinweise. Auf seiner Website listet er Strecken auf, die aus seiner Sicht heute «nicht oder nicht ausreichend bedient» sind. «Nutzen Sie diese Business-Chance» lautet der Appell des Flughafens an die Adresse von Swiss und Co.
In der Flughafen-Liste rangiert Kuala Lumpur (Malaysia) an erster Stelle, gefolgt von Taipei (Taiwan), Denpasar Bali (Indonesien), Manila (Philippinen) und Jakarta (Indonesien).
Auch Edelweiss will neue Ziele
Bei der allfälligen Aufnahme eines neuen Ziels muss sich die Swiss auch mit ihrer Schwesterairline Edelweiss absprechen. Denn auch sie hält Ausschau nach neuen Destinationen, wie ihr Chef Bernd Bauer zuletzt im Interview mit CH Media sagte. Er nannte Buenos Aires (Argentinien), Rio de Janeiro (Brasilien), San Diego (USA) und Vietnam.
Für das Swiss-Management stehen Verhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag an, der aktuelle Vertrag ist bereits gekündigt. Den Hauptgrund für den Ärger unter den Pilotinnen und Piloten lieferte die Swiss-Mutter Lufthansa gleich selbst bei der Präsentation der Jahreszahlen. Schliesslich steuert die Schweizer Tochtergesellschaft nach wie vor mit Abstand den höchsten Beitrag aller Lufthansa-Airlines zum Konzerngewinn bei.
Und auch beim Umsatz pro Passagier ist die Swiss laut der «Handelszeitung» die Musterschülerin im Kranich-Konzern: Sie bringt es auf einen Wert von 302 Franken – zwei Drittel höher als im Schnitt der anderen Lufthansa-Airlines. (bwe)
Diese Ziele hatte die Edelweiss in der Vergangenheit schon mal angeflogen, mit ihren älteren A340-Flugzeugen. Doch mit den steigenden Kerosinpreisen wurden diese Flüge nicht mehr lukrativ. Weil die Edelweiss nun aber wie die Swiss A350-Langstreckenflugzeuge erhält, die 25 Prozent weniger Kerosin verbrauchen, sind diese Ziele laut Bauer wieder interessant. Daneben gebe es auch noch weitere attraktive Ziele in Südamerika, Südostasien und im südlichen Afrika. (aargauerzeitung.ch)

