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Nach Hunde-Attacke in Adlikon: Das sagt der wahre Besitzer

Rottweiler Adlikon, Besitzer
Mazlum Tutar, der ursprüngliche Besitzer, mit dem Rottweiler, der zwei Kinder in Adlikon angegriffen hat. Bild: zvg

Das sagt der wahre Besitzer des Beiss-Rottweilers zum Vorfall in Adlikon

Ein Ehepaar aus Adlikon ZH kaufte im Internet einen jungen Rottweiler, der keine 48 Stunden später mehrere Menschen verletzte. «Meine Ex-Freundin hat Buddy hinter meinem Rücken verkauft», sagt Mazlum Tutar. Er sei der rechtmässige Besitzer des Hundes.
28.10.2024, 16:14
Bettina Zanni / ch media
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Sieht Mazlum Tutar einen Hund oder hört er ein Bellen, bricht es ihm das Herz. «Ich bin psychisch gebrochen. Buddy war für mich wie ein Sohn», sagt der 32-Jährige aus dem deutschen Ahrensburg. Der rund einjährige Rottweiler Buddy ist tot. Das Veterinäramt musste den Hund einschläfern. Am 21. Oktober entwich er in Adlikon aus der Wohnung seines neuen Besitzerpaares und verletzte mehrere Menschen, darunter zwei Kinder.

Zwei Tage vor der Attacke holte das Ehepaar den Hund in Köln ab. Sie hatten den Rottweiler in einem Inserat im Internet entdeckt. «Meine Ex-Freundin hat Buddy hinter meinem Rücken verkauft. Ich bin der rechtmässige Besitzer», behauptet Mazlum Tutar gegenüber ZüriToday. Im Sommer 2023 habe er den Hund im Alter von neun Wochen mit seiner damaligen Freundin bei einem Züchter in Rostock gekauft. Für einen Rottweiler hätten sie sich entschieden, weil seine Freundin nachts Angst gehabt habe, nach draussen zu gehen. «Wir wollten einen Hund, der uns auch gut bewacht.»

Um das neue Haustier kümmerte sich vor allem Tutar. «Ich habe vier Monate meinen Job aufgegeben, um ihn stubenrein zu machen», sagt er. Buddy sei kein Familienhund gewesen. «Ich habe eine grosse Familie. Mit den Kindern durfte er nicht spielen.» Der Hund sei mitten im Training gewesen. «Zu Trainingszwecken musste er einen Maulkorb tragen.»

«Sie blockierte mich überall»

Als sich das Paar vor rund drei Wochen trennte, musste sich Tutar von seinem Hund verabschieden. Er sei zu seinen Eltern zurückgezogen, wo er den Hund nicht habe halten können. «Meine Ex-Freundin versprach hoch und heilig, Buddy in ihrer Wohnung zu behalten, bis ich für mich und ihn eine Bleibe gefunden habe.» Doch danach herrschte Funkstille. «Ich konnte meine Ex-Freundin nicht mehr erreichen. Sie blockierte mich überall.»

Am Sonntag erfuhr Tutar über die Medienberichte im Internet, was passiert war. «Zuvor hatte ich eine Facebook-Annonce entdeckt, in der meine Freundin Buddy zum Verkauf anbot.» Inzwischen hat er bei der Polizei in Ahrensburg Anzeige wegen Unterschlagung eingereicht. «Ich möchte, dass meine Ex-Freundin für das, was sie getan hat, bestraft wird.»

«Will mich im Namen meiner Ex-Freundin für diese grausame Tat entschuldigen»

Tutar ist überzeugt, dass das Drama hätte verhindert werden können. «Wäre meine Ex-Freundin ehrlich gewesen, hätte sie die neuen Besitzer darüber informiert, dass der Hund kein kinderlieber, familienfreundlicher Hund ist.» Dennoch ist ihm schleierhaft, warum das Tier wie eine Furie aus der Wohnung schoss und Menschen attackierte. Nach der Übergabe in Köln fuhren die neuen Besitzer mit dem Hund in die Schweiz. «Buddy muss unter extremem Stress gestanden haben. Er hat mich zwei Wochen nicht gesehen, hatte eine lange Reise hinter sich, neue Besitzer und war von einer fremden Sprache umgeben», vermutet Tutar.

Die Eltern der verletzten Kinder haben Anzeige gegen die neuen Besitzer des Hundes eingereicht. Der Mann zeigte sich gegenüber ZüriToday am Montag erleichtert über die neuen Informationen. «In dem Fall wurde uns der Hund illegal verkauft», sagt er und kündigte an, mit Mazlum Tutar Kontakt aufzunehmen. Tutar: «Ich will mich im Namen meiner Ex-Freundin für diese grausame Tat entschuldigen und möchte dem geschädigten Paar behilflich sein.» (zueritoday.ch)

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84 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Baguette
28.10.2024 19:21registriert Februar 2020
Was für eine seltsame Geschichte. Der Hund "war kein Familenhund" und"mitten in der Ausbildung". Klingt für mich nach Abrichtung. Der Hund war wohl als Waffe gedacht. Einfach traurig.
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so wie so
28.10.2024 19:18registriert Juli 2015
Man kauft keine Tiere über Internetanzeigen. Entweder man entscheidet sich für ein Tier direkt vom seriösen Züchter oder man wendet sich an den Tierschutz. Bevor man einen Hund adoptiert, lernt man ihn kennen, geht spazieren, schaut sich sein aktuelles Zuhause an. Ja, es gibt Fälle, in denen Privatbesitzer Tiere abgeben, aber auch da nimmt man sich Zeit und überstürzt nichts. Schon gar nicht, wenn man einen Hund adoptiert, der gefährlich werden kann. Der arme Buddy wurde sein ganzes Leben falsch behandelt und dann endete es in so einer Tragödie. Weil die Menschen um ihn verantwortungslos waren
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Mr.CoJones aka Philodog
28.10.2024 19:27registriert September 2015
„Mit den Kindern durfte er nicht spielen.“
Er hat keine Ahnung von Hundehaltung und sollte ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.
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