Der Pyjama. Calida. Hundert Prozent. Der einzige Pyjama, in dem man nicht friert. Wegen der Bündchen an Ärmeln und Hosenbeinen. Kommissarin Anna-Maria Giovanoli, geschunden von der Befreiung aus dem Kellerloch, in das sie ihr Bruder gesperrt hat, sitzt mit strähnig-nassem Haar auf dem Bett, das arme Ding, und diskutiert wird nicht etwa über ihre Strapazen, das Traumatische, das Furchtbare, was ihr der eigene Bruder angetan hat. Nein. Diskutiert wird über den türkisen Pyjama. «Mein Vater hatte auch so einen, aber in Blau.» «Ich hatte diesen Pyjama, genau diesen türkisen. Das war noch Qualitätsware, sage ich euch.»
#Bestatter immerhin calida pijama das ist echte schweizer qualität das gibit dem strefen das gewisse etwas
— georg fivian (@gfivian) January 5, 2016
Dienstagabend, «Bestatter»-Abend. Das Fieber hat die Fernsehschweiz wieder. Doch was für die Einen einfach eine gute Krimisendung ist, ist für die Aarauer noch etwas mehr. Luc Conrad ist ihr Bestatter, hier fährt der Leichenwagen durch die Gassen, hier werden auf Hotel-Baustellen Tote gefunden, hier isst er seine Bratwurst, bei Ömer am Graben. Und deshalb hat die Bar Platzhirsch in der Rathausgasse zum Start von Staffel 4 ein kostenloses Public Viewing, ein gemeinsames «Bestatter»-Gucken, organisiert.
Der Gwunder ist gross. Public Viewings kennt man von Sportanlässen, da trägt man rot-weiss, jubelt oder ächzt im Chor, windet sich auf den Festbänken und weiss alles besser. Doch wie ist das bei einem «Bestatter»-Public-Viewing? Trägt man da Schwarz? Was trinkt man? Wird da gejubelt, sobald der Bestatter auftaucht oder eine Fassade aus der Aarauer Altstadt zu sehen ist?
Geschäftsführer Philipp Berner arrangiert kurz vor Sendebeginn Silberzwiebeln auf einem Plättli. Er trägt einen Norwegerpullover, schön bunt. Schwarz? Nein, schwarz müsse hier ganz bestimmt keiner tragen, sagt er und lacht. Bei der Frage nach der richtigen Getränkewahl kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen, und man schlägt sich an den Kopf: «Stierebluet» natürlich, den Roten der Küttiger Weinbauer-Familie Wehrli, benannt nach der Folge 2 aus Staffel 2. Da hätte man darauf kommen müssen.
Der «Stierebluet» schmeckt den Gästen. Eine Viertelstunde nach Sendebeginn sind schon fünf Flaschen weg, das ist viel, sagt der Geschäftsführer. Auch sonst gefällt die Sendung. «Schöne Bilder», wispern die Gäste einander zu. Beim Gesprochenen wird es schwierig, nicht alle der rund 50 Gäste interessiert, was im Fernseher passiert. Einer stochert mit dem Löffel im Topf mit den Oliven, drei andere unterhalten sich lautstark, Gläser klirren. Dazwischen funken Diskussionen darüber, ob man denn nun tatsächlich drei Anläufe braucht, um mit einem Sonnenschirm eine einfache Glastür einzuschlagen, oder ob Conrads Krawatte denn nun schön ist oder nicht. Und dann ist da die Enttäuschung darüber, dass Aarau nicht vorkommt. «Gömer zum Ömer», ein Spruch, das war's, mehr Aarau war nicht. «Aarau fehlt eindeutig. Aber man muss es im grossen Ganzen sehen. Nächstes Mal kommt es bestimmt wieder vor», sagt eine.
Wiederkommen werden sie nächsten Dienstag trotzdem wieder, sagen die Gäste. «Es ist toll, wenn eine Bar so etwas auf die Beine stellt», meint jemand. Und Berner verspricht, er werde Zettel aufhängen und die Gäste bitten, während der Sendung still zu sein.