Der Röstigraben auf dem Teller – so unterschiedlich isst die Schweiz
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Kulturelle Unterschiede zwischen der Deutsch- und der Westschweiz liefern Stoff für unzählige Witze sowie Klischees und zeichnen mitunter ein etwas karikaturistisches Bild der Bevölkerung. Manchmal zeigen sich die Unterschiede aber ganz konkret: zum Beispiel beim Restaurantbesuch.
Die Westschweizer und Deutschschweizer Bevölkerung sucht und schätzt beim Essengehen tatsächlich unterschiedliche Dinge. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die wir gemeinsam mit dem Institut Demoscope durchgeführt haben.
Zunächst einmal wird deutlich, dass sich die Restaurantbesuche auf beiden Seiten der Saane unterschiedlich entwickelt haben: In den letzten fünf Jahren sind die Westschweizerinnen und Westschweizer insgesamt seltener ins Restaurant gegangen. Fast die Hälfte von ihnen (49 Prozent) geben einen Rückgang an, gegenüber 41 Prozent der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer.
Umgekehrt geben 22 Prozent der Deutschschweizer Befragten an, dass ihre Restaurantbesuche zugenommen haben, während dies nur 9 Prozent der Westschweizer Befragten bestätigen. Auch die Zahl derjenigen, die nie ein Restaurant betreten, ist im französischsprachigen Teil der Schweiz höher.
Service oder Preis?
Wenn es darum geht, das perfekte Restaurant zu finden, wählen Menschen in der Schweiz ihre Lokale unterschiedlich aus – das hängt auch davon ab, ob sie sich in Zürich oder Lausanne befinden.
Die Qualität des Essens bleibt zwar in beiden Sprachregionen das wichtigste Kriterium, doch zeigt sich, dass den Westschweizer Gästen der Preis sowie die Servicequalität deutlich wichtiger sind. Letzteres Kriterium nennen 62 Prozent der Westschweizer Befragten, bei den Deutschschweizerinnen und Deutschschweizern sind es jedoch nur 45 Prozent.
Die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer scheinen hingegen mehr Wert auf das Ambiente sowie die Werte oder das Engagement des Restaurants zu legen. Nur 8 Prozent der Westschweizer Befragten wählten diese Antwort, während ihr fast 20 Prozent der Deutschschweizer Befragten zustimmten.
Deutsche oder französische Küche?
Auch bei den Geschmacksvorlieben lassen sich deutliche regionale Tendenzen beobachten. Die französische Küche ist das auffälligste Beispiel: Sie wird von den Befragten aus der Romandie sehr geschätzt (65 Prozent) – begeistert aber nur 23 Prozent der Deutschschweizer Befragten.
Die deutsche Küche ist zwar insgesamt deutlich weniger beliebt, zeigt aber das umgekehrte Ergebnis: 15 Prozent der Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer geben an, sie zu mögen, gegenüber 5 Prozent der Westschweizerinnen und Westschweizer.
Auch die amerikanische Küche ist nicht gleich beliebt, ebenso wenig wie unsere nationalen Gerichte, wenn auch in geringerem Ausmass. Die italienischen Spezialitäten hingegen sind überall beliebt, ganz gleich, in welcher Region wir uns den Bauch vollschlagen.
Manche gehen abends, andere mittags ins Restaurant
Auch bei der bevorzugten Tageszeit für einen Restaurantbesuch zeigt sich der Röstigraben. In der Romandie geht man genauso gerne mittags (46 Prozent der Befragten) wie abends (56 Prozent) ins Restaurant, wobei die Vorliebe für die Abendstunden leicht höher ausfällt. In der Deutschschweiz scheinen die Gewohnheiten hingegen viel einheitlicher: 74 Prozent der Befragten essen abends auswärts, nur 34 Prozent gehen zum Mittagessen ins Restaurant. Kein Wunder also, dass sich die Zürcherinnen und Zürcher regelmässig über die langen Mittagessen der Westschweizer lustig machen.
Übrigens sei noch erwähnt, dass der Brunch nur eine Minderheit der Befragten anspricht – auf beiden Seiten der Sprachgrenze.
Wer ist anspruchsvoller?
In der Umfrage zeigte sich – und das ist doch überraschend –, dass die Westschweizerinnen und Westschweizer sich selbst als deutlich anspruchsvoller einschätzen als die Menschen in der Deutschschweiz. Fast ein Drittel der Westschweizer Befragten gibt an, im Restaurant «sehr» oder «eher» anspruchsvoll zu sein, im Vergleich zu 23 Prozent der Deutschschweizer.
