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Mutmasslicher Grabscher in Baselbieter Bussen unterwegs – Facebook-User stellt ihn an den Internet-Pranger

Weil ein Mann angeblich junge Frauen in einem Bus in Basel belästigt hat, startet ein junger Mann auf Facebook eine persönliche Fahndung. Er postet ein Bild des angeblichen Grabschers. Jetzt ermittelt die Polizei Basel-Landschaft.



Am Dienstagabend platzt Facebook-User D. Ä.* der Kragen: Um 22:13 Uhr beschliesst er, einen verhängnisvollen Facebook-Post abzusetzen – er lädt ein Foto von einem mutmasslichen Grabscher hoch: «Kennt jemand diesen Typen?», schreibt er dazu. «Er belästigt junge Mädchen, fasst ihnen zwischen die Beine und belästigt sie sexuell.» Opfer oder Augenzeugen sollten sich bei ihm melden. 

Der inzwischen wieder gelöschte Post schlägt hohe Wellen: Mehr als 120 Personen liken ihn, über 150 teilen ihn und mehr als 400 kommentieren ihn: «Einfach nur krank.», «Warum läuft der noch frei rum?», «Ich mach mich auf die Suche nach ihm», schreiben andere Facebook-User. 

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Der Facebook-Post

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Bild: facebook

«Er legte seine Hand auf mein Bein»

Auch kritische Stimmen sind darunter: «Sowas sollte man lieber der Polizei überlassen. Du machst dich strafbar», schreiben sie. D. Ä. ist sich dessen bewusst: «Ich weiss, dass ich mich strafbar mache», schreibt er. «Doch das nehme ich in Kauf.» Er ist wütend. Eine Freundin von ihm sei von dem Mann belästigt worden. Sie sei es, die das Bild gemacht habe, kommentiert er auf Facebook. Noch weitere Opfer hätten sich bei ihm gemeldet. Gegenüber watson will der junge Mann auf Anraten der Polizei keine Stellung nehmen. 

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Seine Freundin A. L.* schon: «Letzte Woche drängte sich der Mann im vollen Bus an mich heran und legte seine Hand auf mein Bein», sagt sie gegenüber watson. Sie forderte ihn auf, Abstand zu halten. Er habe sie aber noch bis nach Hause verfolgt. Wenige Tage darauf beobachtete sie, wie derselbe Mann einem Mädchen im Bus zwischen die Beine fasste. «Da habe ich das Foto geschossen», sagt sie. Sie ist zufrieden mit der Facebook-Aktion ihres Kollegen: «Natürlich ist es Selbstjustiz, aber wir haben unser Ziel erreicht und der Mann dürfte bald aus dem Verkehr gezogen sein», sagt sie. «So schnell hätte die Polizei ohne den Post nicht reagiert.» A. L. hat Anzeige eingereicht. 

Meinrad Stöcklin, Polizeisprecher der Polizei Basel-Landschaft bestätigt, dass eine Anzeige eingegangen sei. Die Polizei habe durch Hinweise aus der Bevölkerung von dem Eintrag erfahren. «Wir prüfen im Moment, ob die Anzeige mit der Person auf dem Bild überhaupt etwas zu tun hat», sagt Stöcklin. «Der Wahrheitsgehalt des Facebook-Eintrags ist noch ungeklärt. Doch wir lassen nichts unversucht, um den Sachverhalt zu klären. Auch mögliche Hinweise auf diesem Kanal möchten wir uns nicht entgehen lassen», sagt er. 

Rechtswidriger Internetpranger

Trotzdem weist Stöcklin darauf hin: «Verschiedene Aspekte dieses Facebook-Posts sind höchst problematisch. Wer eine gut erkennbare Person kombiniert mit einer Anschuldigung postet, macht sich strafbar», sagt er. 

Auch Internetrechts-Experte Martin Steiger sagt: «Obwohl die Motivation vielleicht verständlich ist, ist ein solcher Post rechtlich sehr problematisch.» Schwerwiegende Vorwürfe und das Bild einer Person online zu veröffentlichen, sei rechtswidrig. «Es könnte sich um eine Persönlichkeitsverletzung handeln», sagt er. Man bewege sich im Dunstkreis von Selbstjustiz und Internet-Pranger.

*Namen der Redaktion bekannt

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