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Der Student und Musiker Donat hat eine ungewöhnliche Crowdfunding-Kampagne lanciert. Sie schlägt ein wie eine Bombe.&nbsp;<br data-editable="remove">
Der Student und Musiker Donat hat eine ungewöhnliche Crowdfunding-Kampagne lanciert. Sie schlägt ein wie eine Bombe. 
Bild: screenshot/wemakeit

«Mir langet's!» – wegen SVP-Inserat will sich ein Student die Titelseite der Gratiszeitung «20 Minuten» kaufen

Per Crowdfunding will sich ein Student die Titelseite von «20 Minuten» kaufen. Der Kragen platzte ihm vorletzte Woche, als ein grosses SVP-Inserat die Front der Gratiszeitung zierte. Sein Projekt geht im Internet ab wie eine Bombe. Innerhalb weniger Stunden beteiligen sich bereits über 1100 Personen daran.
23.09.2015, 11:4624.09.2015, 21:47

«Mir langet's!», ging es Donat Kaufmann durch den Kopf, als er am am 14. September ein «20 Minuten» aus der blauen Box fischte: Ein grosses Inserat für den SVP-Wahlkampf-Song prangte von der Front der Gratiszeitung. «Ich fühlte mich ohnmächtig und frustriert», sagt er gegenüber watson. «Es braucht also nur Geld und dann kann man sich die Meinungen kaufen, dachte ich mir.»

Dann verwandelte sich die Ohnmacht in Tatkraft. Donat dreht den Spiess um: Der Student und Musiker der Band One Sentence. Supervisor lanciert eine Kampagne auf der Online-Crowdfunding-Plattform wemakeit, um sich die Titelseite zurück zu kaufen. «Aufmerksamkeit kann man kaufen – Unsere Stimmen nicht» und die Namen aller Unterstützer sollen am 14. Oktober darauf zu sehen sein.  

So soll die Titelseite aussehen ...

bild: zvg

... und so die Innenseite.

Mit der Aktion will er eine Debatte lancieren. «Ich will, dass diskutiert wird, wie politische Inhalte vermittelt werden und dass im aktuellen Wahlkampf immer mehr Emotionen, statt Inhalte im Vordergrund stehen», sagt Donat. «Und ich will die Politiker daran erinnern, dass es Bürger gibt, die wissen wollen, woher dieses Geld kommt, das uns dann in Form von Werbung so aufdringlich vor die Nase gesetzt wird.» Denn was für Geldflüsse nötig seien, um medial dermassen präsent zu sein, sei vielen schlicht nicht bewusst. 

Das Thema Parteifinanzierung sorgt in der Schweiz seit Jahren für rote Köpfe. Die bürgerlichen und Mitte-Parteien weigern sich, sie offen zu legen. Dafür wird die Schweiz regelmässig vom Europarat kritisiert

«Man kann einer Partei nicht vorwerfen, dass sie mehr Geld als eine andere hat», sagt Donat im Video. «Aber man kann ihr vorwerfen, was sie anstellt mit dem Geld.»

126'000 Franken soll die «20 Minuten»-Titelseite für die Deutschschweiz kosten. So steht es in der Offerte, die Donat erhalten hat. Spenden 27'763 Personen nur fünf Franken, geht sein Plan auf. 

Er scheint einen Nerv getroffen zu haben. Innerhalb weniger Stunden unterstützen bereits über 1100 Menschen sein Projekt. 11'2710 Franken sind schon zusammengekommen (Stand 23.9. 11:30 Uhr).

Für die insgesamt 138'815 Franken (Betrag inklusive wemakeit-Gebühr) bleiben noch 18 Tage Zeit. Wird der Zielbetrag nicht erreicht, fliesst das Geld zurück an die Spender. «Wenn es nicht klappt, gelingt es mir hoffentlich trotzdem die Diskussion zu entfachen, was für einen Wahlkampf wir wollen, um die beste Voraussetzung für uns Wähler zu schaffen», sagt Donat. 

Zum Thema: Erkennst du die Wahlslogans der Schweizer Parteien?

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mandelmus
23.09.2015 11:53registriert März 2014
Finde ich wichtig und unterstützenswert! Vielen Wählern (von links bis rechts) ist nicht bewusst, dass mit Partei-Spenden so gut wie immer eigene Interessen verknüpft sind. Wenn die Spenden offen gelegt werden, lassen sich gewisse politische Vorstösse deutlich besser einordnen.
Meine Unterstützung habt ihr
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TanookiStormtrooper
23.09.2015 13:53registriert August 2015
"Welcome to SVP" auf dem Titel fand ich jetzt beim Inhalt den 20min so bietet eigentlich ganz passend, ich glaube der Ironie war sich die Redaktion nicht bewusst. Seit ich dort mal in den Onlinekommentaren einen Beitrag eines A.H. der sich über "Zionisten" ausgelassen hat melden musste gehe ich nicht mehr dorthin. War früher echt gut, aber die vernünftigen Mitarbeiter sind wohl alle weggegangen. Ich frage mich wohin? ;)
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Angelika
23.09.2015 14:01registriert September 2014
Mal ein radikaler Vorschlag: Jede Partei kann ein Sujet einschicken. In den Gemeinden in denen Sie Kandidaten haben, werden die Plakate vor dem Gemeindehaus oder Bahnhof aufgehängt. In einfacher Ausführung. Ansonsten Verbot für Werbung ausser auf der eigenen Homepage. Kosten gehen zulasten der Parteien. Die Parteifinanzierung wird offengelegt. Das wäre ein System hinter dem ich stehen könnte.
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