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Mussolini bleibt Ehrendoktor der Uni Lausanne

Mussolini bleibt Ehrendoktor der Uni Lausanne

24.06.2022, 11:4724.06.2022, 13:49
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UNSPECIFIED - CIRCA 1883: Benito Mussolini (1883-1945), Italian statesman. (Photo by Roger Viollet/Getty Images)
Benito Mussolini.Bild: Roger Viollet

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den italienischen Faschistenführer Benito Mussolini durch die Universität Lausanne (UNIL) im Jahr 1937 stellte laut einer Arbeitsgruppe einen «schweren Fehler» dar. Ihre Experten empfehlen jedoch nicht, dem Duce den Ehrentitel posthum abzuerkennen. Stattdessen schlagen sie vier Massnahmen vor.

Dazu gehören die Einrichtung einer Website, die sich ausschliesslich mit diesem Fall befasst, einen jährlichen Fonds, um Forschungsprojekte und ein Kolloquium über faschistische Ideologien zu organisieren, die Schaffung eines Forschungspreises sowie einen Workshop zur Wissenschaftsvermittlung für Schulen und die Öffentlichkeit. Die von der UNIL eingesetzte, interne Arbeitsgruppe hat am Freitag einen entsprechenden Bericht veröffentlicht.

Sie sei der Ansicht, dass die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Benito Mussolini einen schweren Fehler der damaligen akademischen und politischen Instanzen darstelle, schreibt die Arbeitsgruppe im Report. Dieser Titel stelle eine Legitimation eines verbrecherischen Regimes und seiner Ideologie dar. «Die Arbeitsgruppe empfiehlt der Universität Lausanne daher, dies anzuerkennen und zu verantworten», heisst es weiter.

Die Arbeitsgruppe, die im September 2020 von der Leitung der UNIL beauftragt wurde, bestand aus 15 Personen aus den sieben Fakultäten und wurde von mehreren externen Experten unterstützt. Sie arbeitete zwei Jahre lang an diesem umstrittenen Thema. Ihre Mitglieder wurden von den Dekanen der sieben Fakultäten vorgeschlagen.

Teil der Geschichte

Als Reaktion auf diesen Bericht bekräftigte die UNIL-Direktion am Freitag, dass die Universität Lausanne mit der Verleihung des Titels an den italienischen Diktator «ihren Auftrag und die akademischen Werte, die auf dem Respekt des Individuums und der Gedankenfreiheit beruhen, nicht erfüllt hat».

«Anstatt diese Episode, die Teil ihrer Geschichte ist, zu verleugnen oder auszulöschen, möchte die UNIL-Leitung, dass diese als ständige Warnung vor möglichen ideologischen Abweichungen dient, denen jede Person, Institution – angefangen bei der UNIL selbst – oder Gesellschaft jederzeit ausgesetzt ist», schreibt sie in einer auf der Internetseite der UNIL veröffentlichten Stellungnahme. (aeg/sda)

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30 Kommentare
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Grüner Kobold
24.06.2022 17:17registriert Oktober 2018
Das einte schliesst das andere nicht aus. Benito Mussolini Ehrendoktortitel 1937-2022. 2022 aberkannt.

Das verleugnet und löscht die Geschichte auch nicht aus.

Ihm den Ehrendoktor für die Errichtung des Faschistischen Staates als Soziologischen Fortschritt zu lassen, kann man doch nicht stehen lassen, das macht doch keinen Sinn.
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Pontifax
24.06.2022 12:48registriert Mai 2021
DAS ist Geschichtsaufarbeitung!
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neoliberaler Raubtierkapitalist
24.06.2022 15:08registriert Februar 2018
Man verleugnet doch nicht die Geschichte, wenn man einen Ehrendoktortitel aberkennt? Ich bin gegen das Entfernen von Statuen oder Personen, die aus heutiger Sicht problematische Dinge getan haben, die damals aber vollkommen normal waren. Der Duce war zwar weniger schlimm als Stalin oder Hitler, aber auch für die damalige Zeit ist er eine äusserst schändliche Person.
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