Schweiz
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Pro Tell will Referendum gegen EU-Waffenrichtlinie ergreifen



Bundesrat Guy Parmelin, links, und Jean-Luc Addor, Praesident a.i.von PROTELL sprechen an einem Point de Presse nach der Generalversammlung, am Samstag, 14. April 2018, in Bern. Mitglieder von PROTELL, Gesellschaft fuer ein freiheitliches Waffenrecht, wehren sich gegen die Uebernahme der neuen EU-Feuerwaffenrichtlinie. Die Medien wurden kurzfristig von der GV ausgeladen. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bundesrat Guy Parmelin und Jean-Luc Addor, Präsident von Pro Tell an der Generalversammlung am Samstagmittag. Bild: KEYSTONE

Bereits vor der Parlamentsdebatte sagt die Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht Pro Tell der Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie den Kampf an. An ihrer Generalversammlung in Bern haben die Mitglieder schon einmal vorsorglich das Referendum beschlossen.

Das Jahr 2018 stelle Pro Tell vor grosse Herausforderungen, hiess es bereits in der Einladung zur GV. «Die Verhinderung der vorgesehenen Übernahme der neuen EU-Feuerwaffenrichtlinien durch den Bundesrat erfordert von uns allen ein sehr grosses Engagement und – vor allem – geschlossene Reihen.»

«Starke Allianz»

Das scheint nun gelungen. Das Referendum wird von den Pro-Tell-Mitglieder einstimmig unterstützt, wie Generalsekretär Robin Udry der Nachrichtenagentur SDA am Samstag auf Anfrage sagte. Die Gesellschaft werde nächstens eine «sehr starke und einflussreiche» nationale Allianz gründen, um dieses Gesetzesprojekt zu bekämpfen.

Bundesrat Guy Parmelin, Jean-Luc Addor, Praesident a.i. und Robin Udry, Generalsekretaer von PROTELL, von links, sprechen an einem Point de Presse nach der Generalversammlung, am Samstag, 14. April 2018, in Bern. Mitglieder von PROTELL, Gesellschaft fuer ein freiheitliches Waffenrecht, wehren sich gegen die Uebernahme der neuen EU-Feuerwaffenrichtlinie. Die Medien wurden kurzfristig von der GV ausgeladen. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Pro-Tell-Generalsekretär Robin Udry (rechts): «Starke und einflussreiche» nationale Allianz.  Bild: KEYSTONE

Zwar habe Verteidigungsminister Guy Parmelin an der Generalversammlung «höflichen Applaus» erhalten, als er den vom Bundesrat Anfang März vorgeschlagenen Gesetzesentwurf verteidigt habe. Überzeugt habe seine Rede aber die wenigsten.

Abgelehnt hat die Pro-Tell-Versammlung dagegen die Lancierung einer nationalen Volksinitiative für die Souveränität des Waffenrechts. Die Gesellschaft wolle ihre Kräfte bündeln und sich auf das Referendum fokussieren, sagte Udry.

Sturmgewehre im Visier

Im Zentrum der verschärften EU-Vorschriften stehen halbautomatische Gewehre und Pistolen mit Magazinen mit grossem Fassungsvermögen. Dazu gehört das Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee, das Sportschützen üblicherweise benützen.

Als verbotene Waffen sollen neu halbautomatische Gewehre mit einem Magazin von mehr als zehn Schuss oder Pistolen mit über 20 Schuss gelten. Von diesen Waffen geht laut Bundesrat eine Gefahr aus, weil mit ihnen ohne Nachladen mehrere Male geschossen werden kann. Ziel der neuen Gesetzgebung ist, den Zugang zu diesen Waffen zu beschränken und den Informationsaustausch im Schengen-Raum zu verbessern.

Die EU-Waffenrichtlinie stand von Beginn weg in der Kritik: Neben Pro Tell haben auch der Schweizerische Schiesssportverband und der Schweizerische Unteroffiziersverband bereits mit dem Referendum gedroht. Von den grossen Parteien stellt sich die SVP gegen die Vorlage.

Kritik auch von links

Auch für die «Plattform für ein zukunftsfähiges Waffenrecht» hat der Bundesrat die EU-Richtlinie nur «ungenügend umgesetzt». Sie fordert vor der Parlamentsdebatte, dass der Zugang zu Waffen weiter eingeschränkt und Ausnahmebewilligungen nur im Ausnahmefall gewährt werden.

Die Plattform gehören neben der SP unter anderem auch der Polizeibeamtenverband (VSPB), die Dachorganisation psychiatrisch-pyschotherapeutisch tätiger Ärztinnen und Ärzte (FMPP) und die Evangelischen Frauen Schweiz (EFS) an. (wst/sda)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Fischra
14.04.2018 18:12registriert July 2016
Was haben die mit „Pro Tell“
Zu tun? Tell würde sich im Grab umdrehen. Diese Sturköpfe sollen mal ein wenig weiter denken als bis zum Tellerrand. Warum findet man im Balkan so viele alte Armeewaffen der Schweiz? Weil jeder die Dinger unkontrolliert verkauft! Ich bin für das neue Gesetz und werde sogar meinen vom Grossvater geerbten Karabiner registrieren lassen. Das ist Pro Tell und für eine sichere Schweiz.
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The oder ich
14.04.2018 18:57registriert January 2014
Pro Tell ist doch auch nur die NRA ohne russische Spenden
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α Virginis
14.04.2018 19:57registriert March 2017
Bin der Meinung, dass _alle_ Schusswaffen registriert gehören. Das der einzige Weg zu einer einigermassen funktionierenden Kontrolle.
Die Leute, die ihre Waffen nicht registrieren lassen wollen, haben entweder nicht die Qualifikation für eine solche, oder sie wollen die Waffe missbrauchen. Etwas anderes kommt mir dabei nicht in den Sinn.
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